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ZiSH Die Erben der „Drei Fragezeichen“
Hannover ZiSH Die Erben der „Drei Fragezeichen“
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20:08 28.05.2015
Vertrauter Bandsalat: Kassetten sind für viele der Soundtrack der Kindheit – den man auch Jahre später noch gerne hört. Quelle: Wallmüller, Krajinović

Jan, morgen erwartet ihr bei der dritten Auflage der Hörspielmesse Hörmich mehrere Hundert Besucher: Wer hört denn heute noch Hörspiele?
Diejenigen, die in den Achtzigern und Neunzigern mit den „Drei Fragezeichen“ aufgewachsen sind oder den alten „John Sinclair“-Folgen. Es gibt ganz Junge, die hören dann eher „Benjamin Blümchen“ oder die „Drei Ausrufezeichen“. Und dazwischen diejenigen, die durch Thriller wie die „John Sinclair 2000“-Reihe, „Gabriel Burns“ oder „Dorian Hunter“ das Medium für sich entdeckt haben.

Du bist in den Achtzigern mit Kassetten groß geworden. Viele, die als Kinder „Drei Fragezeichen“-Hörspiele gehört haben, machen das immer noch gerne – zum Einschlafen. Ist das bei dir auch so?
Ich habe einen alten Kassettenrekorder neben dem Bett und penne fasst jeden Abend mit Hörspielen ein, gestern etwa zu „TKKG“. Das Leiern der Tonspur ist so vertraut und beruhigend – wie früher bei Mutti auf dem Arm. (lacht) „Das Bergmonster“ von den „Drei Fragezeichen“ höre ich oft, auch „Hanni und Nanni“.

Die sind ja aus heutiger Sicht doch ganz schön betulich erzählt. Was macht denn den Reiz von den alten Hörspielen aus?
Die haben Retrocharme, so wie das knacken der Nadel eines Plattenspielers. Jüngere können das schwer nachvollziehen: Als es neulich Bandsalat gab, wollte meine Freundin das Band mit dem Finger wieder aufspulen. Ich hab’ dann einen Bleistift genommen, damit das schneller geht. Den Trick kannte sie nicht. Das ist eben so ein Kassettenkinderding.

Jan Koppens (39) ist Mediengestalter, Musiker, Autor, Sprecher und einer der Macher der Hörmich-Messe. Quelle: Handout

Was unterscheidet denn Hörspiele aus den Siebzigern und Achtzigern von modernen Produktionen?
Oliver Döring, der die ersten 70 Folgen der „John Sinclair“-Neuauflage produziert hat, wollte Kino für die Ohren machen, mit aufwendigen Soundeffekten: Wo früher noch ein Erzähler gesagt hat, dass jemand vor etwas wegläuft, hört man heute die Schauspieler keuchen. Man ist viel dichter dran. Das ist Kopfkino ab 18 Jahren. Marco Göllner, der ehemalige Macher von „Dorian Hunter“, hat einen verrückten Erzählstil, sehr assoziativ, mit vielen Zeitsprüngen. Da kommen die „Drei Fragezeichen“ nicht mehr mit.

Wie eure Messe zeigt, sind es längst nicht nur große Plattenfirmen, die Hörspiele produzieren. Du hast das mit deinen Kollegen Sascha Maaß und Oliver Rieche von CreateFM auch gemacht, etwa mit der Trash-Reihe „Zombies in Linden“. Warum nimmt man im Youtube-Zeitalter noch Hörspiele auf?
Weil man sie liebt. Wenn man eine Idee hat, kann man sie relativ leicht umsetzen: Man benötigt mittlerweile kein bombastisches Riesenstudio mehr. Es gibt im Internet kostenlose Bibliotheken, in denen man Geräusche aus aller Welt findet, sogar aus Grönland. Mehr Spaß macht es natürlich, die selbst aufzunehmen.

Was macht ein gutes Hörspiel aus?
Vor allem tolle Sprecher! Sobald etwas abgelesen klingt, klingt es falsch. Da in Deutschland ja fast keine ausländischen Filme mit Originalton laufen, gibt es viele Synchronsprecher. Ich mag etwa Santiago Ziesmer, die Stimme von Spongebob und Steve Buscemi. Gute Sprecher brauchen Talent zum Schauspielern – auch wenn man das als Hörer nicht sieht.

Es gibt ja auch Versuche, den Hörer mit einzubeziehen: Je nachdem, wie sich die Helden in bestimmten Situationen entscheiden sollen, muss man auf der CD zu einem Track skippen ...
Das find’ ich nicht so toll. Die sollen den Fall man schön selber lösen – ich bin hier nur als Zuhörer!

Interview: Karsten Röhrbein

Faust-Warenannahme wird zur Börse und Bühne für Hörspiele

Bei der Hörmich wird die Faust-Warenannahme am Sonnabend von 11 bis 17 Uhr zur Bühne für Hörspiele: Gleich zu Beginn wird der goldene Hörbie, der Preis für das beliebteste Hörspiel, verliehen. Um 12 Uhr inszenieren die drei Macher von Ohrenkneifer live eine ihrer Produktionen. Welche Abenteuer der Held in Marco Ansings „Ziemlich unwahrscheinlich“ erlebt, dürfen die Zuschauer dann ab 12.45 Uhr mitentscheiden. Wer selbst in einem Hörspiel auftauchen möchte, sollte um 15 Uhr vor der Bühne sein, wenn das Team der Szenestars Lindenblatt Records auftritt. Mit Nadel und Faden einen Krimi lösen können die Besucher ab 15.45 Uhr bei „Sticknlisten.“ Die Macher der dritten Hörmich-Messe, Initiator und Hörspielenthusiast Achim Hühnerberg, Frank Kindermann vom hannoverschen Label Hörorkan! („Puppenjungs“) und zugleich Moderator der größten Facebook-Gruppe für „Drei Fragezeichen“-Fans sowie das Team der Hörspielschmiede CreateFM freuen sich über rund 30 Aussteller, die auch Hörspiele verkaufen. Der Eintritt kostet 2 Euro. Infos unter www.hoermichhannover.de.

Karsten Röhrbein

Bei der Hörmich-Messe stellen einige Hörspiel-Macher aus. Wir stellen fünf von ihnen vor.
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