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05:07 04.11.2016
Rauchsignale: Auch die Abgasskandale in jüngerer Vergangenheit sorgen beim Diesel für ein Schmutzfink-Image. Experten und auch Hersteller sehen eine elektrische Autozukunft. Quelle: Markus Scholz
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Stuttgart

"Die Zukunft des Antriebs ist emissionslos", hat Daimler-Chef Dieter Zetsche auf dem Pariser Salon gerade einen Abgesang auf Benziner und Diesel angestimmt. Aber zum Jahr 2025 rechnet Zetsche noch immer mit 80 bis 85 Prozent konventionellen Motoren im Verkaufsmix.

Jetzt gerade bringt er eine neue Generation von Benzinern auf den Weg, die ab 2017 zunächst in der S-Klasse starten sollen. Außerdem hat Daimler in Polen für 2019 ein neues, 500 Millionen Euro teures Motorenwerk für Benziner und Diesel angekündigt. Als Mitte Oktober im Bundesrat ein generelles Zulassungsverbot für Neuwagen mit Verbrennungsmotoren ab dem Jahr 2030 diskutiert wurde, war der Aufschrei Zetsches genauso laut wie bei den Vorständen von Audi, VW oder BMW. Und dass die zur Senkung der Stickoxid-Belastung diskutierte Blaue Plakette für Euro-6-Fahrzeuge vorübergehend vom Tisch ist, hat die gesamte Branche mit großer Erleichterung aufgenommen. Aber die Tendenz ist eindeutig und die Trendwende offenbar nicht mehr aufzuhalten.

Langfristig, so haben es Zetsche und sein VW-Kollege Matthias Müller in Paris anklingen lassen, wird die elektrische Revolution den Verbrenner womöglich ganz ersetzen. Doch als erstes wird es wahrscheinlich den Diesel treffen. Denn der ist nicht nur in der Image-Krise, seit die Abgasmanipulationen des VW-Konzerns ruchbar geworden sind. Sondern er ist auch teurer als ein Benziner und muss für kommende Schadstoffnormen noch aufwendiger gereinigt werden, was den Preisnachteil weiter erhöhen wird, sagt der Automobilexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

Außerdem ist der Diesel ein regionales Phänomen, das zumindest als Antrieb für Personenwagen nur in Europa eine nennenswerte Bedeutung hat. "Der Diesel hat seinen Zenit überschritten", ist der Experte deshalb überzeugt. Und wenn es womöglich bereits im Jahr 2017 in einigen Städten wegen der hohen Belastung mit Stickoxiden (NOx) tatsächlich Fahrverbote geben könnte, dürfte das den Niedergang noch beschleunigen.

Zwar registrieren die Hersteller noch keine nennenswerte Verschiebung im Kaufverhalten. Doch haben der Dieselskandal im VW-Konzern, die Diskussion um die Blaue Plakette und das generelle Verbot zu einer gewissen Verunsicherung geführt, sagt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenvereinigung KÜS in Losheim am See - und rät Neuwagenkäufern zu überlegtem Handeln: "Ob und wann es eine Blaue Plakette gibt und wie sich das dann auf die Bewegungsfreiheit von Dieselmodellen auswirken wird, steht zwar noch in den Sternen", so Marmit. "Aber heute ein Dieselfahrzeug zu kaufen, das nicht der Euro-6-Norm entspricht, könnte mittelfristig zu einem Problem werden."

Fahrzeughaltern mit einer verhältnismäßig geringen Fahrleistung von weniger als 20 000 Kilometern, die ihren Wagen zudem über einen längeren Zeitraum behalten möchten, empfiehlt Marmit deshalb, nach sinnvollen Alternativen zu schauen. "Für Vielfahrer, die ihr Auto obendrein nach zwei, drei Jahren wieder verkaufen wollen, ist der Diesel auch ohne Euro 6 noch immer eine gute Wahl", sagt Marmit, macht aber auch hier eine Einschränkung: "Je nach aktueller Rechts- und Stimmungslage wird der Wertverlust für Selbstzünder zunehmen und der Wiederverkauf deshalb womöglich schwieriger."

dpa

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