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HAZ-Autotests Kein ganz normaler Jaguar
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10:42 13.06.2018
Der Jaguar I-Pace: Das elektrische SUV macht auf der Straße wie im Gelände gleichermaßen eine gute Figur. Quelle: Hersteller
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Es klingt ein wenig nach der Quadratur des Kreises, aber es ist tatsächlich so: Kann ein sportliches Fahrzeug kraxeln wie eine Bergziege? Oder kann ein Geländegänger auch gut auf der Rennstrecke sein? Es geht. Jaguar beweist es mit dem I-Pace, dem ersten reinen Elektroauto der englischen Nobelmarke. Der ehemalige Entwicklungsvorstand Wolfgang Ziebart stieß bei seinem Chef, dem deutschen Jaguar-CEO Ralph Späth, auf offene Ohren, als er ihm vorschlug „ein absolut kompromissloses Elektroauto“ zu bauen. Vier Jahre später hat ihn das Ergebnis selbst so überrascht, dass er heute sagt, „der I-Pace ist das Highlight von allem, was ich in 35 Jahren Autoindustrie gemacht habe“. Dazu gehörte unter anderem der 3er von BMW. Ziebarts „Highlight“ kommt im August in den Handel. Es ist mit mindestens 78.850 Euro teuer, aber faszinierend.

Materialmix und Verarbeitung auf hohem Niveau

Die Architektur des I-Pace weicht auffallend von der aktueller Jaguar-Modelle ab. Die lange Motorhaube, typisches Merkmal sportlicher Autos, ist jetzt auffallend kurz, der Radstand groß. Die Fahrgastzelle beginnt weit vorn, was konstruktionsbedingt für die Passagiere Platz schafft. Denn die Eckdaten des E-Autos, das nicht auf einer bestehenden Plattform aufbaut, waren schnell definiert: Zwei Motoren an Vorder- und Hinterachse treiben die vier Räder an, die Batterie füllt den Fahrzeugboden aus. Dass trotzdem eine sportliche Form entstanden ist, liegt an den ausgestellten Radhäusern, dem Schwung in der Schulterlinie, dem flachen Dach. Und tatsächlich auch am Jaguar-typischen Kühlergrill. Denn den haben die Engländer nicht zugunsten irgendwelcher langweiliger und stets etwas hilflos wirkender Blenden verändert. „Das Auto ist ein Teil unserer Familie, das wollten wir zeigen“, sagt ein Designer. Und deshalb wurde auch im Innenraum an nichts gespart. Materialmix und Verarbeitung haben dasselbe hohe Niveau wie die übrigen Modelle. Lediglich die Bildschirme fallen etwas kleiner aus als bei Premiumfahrzeugen heute üblich.

Unterwegs in einem kleinen Kraftwerk

Kernstück des I-Pace ist die Batterie, die in jedem Fall 90 Kilowattstunden leistet und eine Nennreichweite nach dem neuen WLTP-Prüfzyklus von 480 Kilometern möglich macht. Die Motoren bringen es auf insgesamt 400 PS, das Drehmoment beträgt stolze 696 Newtonmeter. Ein Kraftwerk. Und Teil des Problems. Denn natürlich schmilzt auch bei dem schmucken Engländer die Reichweite unschön dahin, sobald der Fahrer richtig Leistung abruft – und weil die im Überfluss zur Verfügung steht, ist die Versuchung groß. Selbst auf lange Sicht wird sich an diesem Dilemma, egal bei welchem Hersteller auch immer, nichts ändern. Zwar dürfte die Energiedichte der Lithium-Ionen-Technologie mit den Jahren immer besser werden, doch ist eine serientaugliche Alternative, ein wirklich großer Schritt auf dem Weg zu mehr Reichweite, nicht realistisch.

Modern und gediegen: Das Interieur des I-Pace lässt nichts vermissen. Lediglich die Bildschirme sind ein wenig klein. Quelle: Hersteller

Der  I-Pace spielt im Segment echter Geländewagen

Egal, denn eine Batterieladung reicht auf alle Fälle, um eine Woche lang sorglos durch den Alltag zu kutschieren, ohne an die Steckdose zu müssen. Und auch eine Strecke wie Hamburg–Hannover ist hin und zurück problemlos drin. Viel faszinierender ist das unglaubliche Stehvermögen des Fahrzeugs in den unterschiedlichsten Situationen. Wenn schon, denn schon, haben sich die Konstrukteure bei der Entwicklung gedacht und in das als SUV konzipierte Fahrzeug alles reingepackt, was das Unternehmen hergibt. Unter anderem die Offroad-Elektronik von Land Rover. Damit spielt der Jaguar im Segment echter Geländewagen. Mit hochgefahrener Karosserie durchquert er Wasserläufe, klettert Steigungen hoch, überwindet Hindernisse und stürzt sich Abhänge hinab.

Auf der Rennstrecke geht das E-SUV richtig sportlich zur Sache. Quelle: Hersteller

Ab auf die Rennstrecke

Fährt man die Karosserie per Knopfdruck runter und schaltet in den Sportmodus, fegt der Wagen wie Schmitz’ Katze über die Rennstrecke, lässt sich präzise dirigieren und beschleunigt dank seines Drehmoments rabiat. Die 100-km/h-Grenze knackt der I-Pace nach 4,8 Sekunden, als Höchstgeschwindigkeit sind 200 km/h drin. Wir konnten das alles auf dem Rundkurs und in der Gegend um Portimao in Portugal ausprobieren. So viel Spaß gab es in einem E-Auto noch nie. Es ist der erste Jaguar, der erste Wagen überhaupt, der klettert und sprintet wie die Wildkatze. Dass dabei lokal null Schadstoffe an die Umwelt abgegeben werden, ist das Sahnehäubchen obendrauf.

Und weil die Frage unweigerlich gestellt wird, gibt’s schon jetzt eine Antwort: Tesla war gestern, Jaguar ist heute.

Jaguar I-Pace

Motoren 2 Elektromotoren
Leistung je 147 kW/200 PS
Batterie 90 kWh
Max. Drehmoment 696 Nm
0–100 km/h 4,8 s
Spitze 200 km/h
Verbrauch 21,2 kWh/100 km
CO2-Emission 0 g/km
Länge/Breite/Höhe 4,68/2,14/1,57 m
Kofferraum 638–1453 l
Reichweite bis zu 480 km
Leergewicht 2208 kg
Preis ab 77.850 Euro

Von Gerd Piper/RND

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