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Restauranttests „Banco“ - ein Treffpunkt für Genießer
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15:15 24.08.2011
Von Stefanie Gollasch
Starkes Duo: Sandra Falk-Kopplin und Daniel Abera führen das „Banco“ in der List. Quelle: Hagemann
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Es gibt Lokale, auf die scheinen die Gäste nur gewartet zu haben. Lokale, die eine Marktlücke treffen, von der vorher gar nicht klar war, dass es sie gibt. Die Weinbar „Banco“ in der Lärchenstraße scheint so ein Lokal zu sein. In den Räumen des „Au Camembert“ hat Sandra Falk-Kopplin zusammen mit ihrem Lebensgefährten Daniel Abera ein feines, kleines Restaurant eröffnet. Die Arbeitsteilung ist klar: Sie ist für den Wein zuständig, er für die Küche. Und Letztere ist so ausnehmend gut, dass die Bezeichnung „Weinbar“ mehr als untertrieben ist. Tatsächlich hat das „Banco“ das Zeug zum Treffpunkt für Genießer, die frische, einfallsreiche Speisen genauso schätzen wie ausgesuchte Weine.

An einem kühlen Dienstagabend – Draußensitzen ist nicht – betreten wir den Altbau, in dem das „Banco“ residiert, und geraten prompt in eine Art Wirbelsturm. Es ist proppenvoll, Stimmengewirr füllt die hohen Räume, mittendrin flitzen die Chefin und ihr Kellner hin und her und versorgen die Gäste. „Wenn Sie essen möchten, müssen Sie bitte ein bisschen Zeit mitbringen“, begrüßt uns Falk-Kopplin. Zeit haben wir und kurz darauf auch einen Zweiertisch, den wir zunächst übersehen hatten. Dass es dann tatsächlich fast eine Stunde dauert, bis wir unser Essen haben, ist angesichts des Hochbetriebs sehr nachvollziehbar. Trotz höchster Hektik auch in der Küche – ein fest eingeplanter Helfer ist nicht erschienen, erfahren wir später – sind die Speisen dennoch makellos.

Meine Begleiterin hat sich für eine der Empfehlungen entschieden, bei denen ein Wein und das passende Essen vorgeschlagen werden. Der norwegische Lachs im Kräutermantel (15,50 Euro) ist köstlich saftig und von feinem Aroma. Das Zitronenrisotto passt perfekt dazu und gibt der Kombination eine schöne Frische. Der empfohlene Lugana (0,2 Liter für 8 Euro), ein feiner Weißwein aus Italien, rundet das Ganze ab.

Mein „Surf & Turf“ markiert mit 25,50 Euro das oberste Ende der Preisskala, ist aber jeden Cent wert. Ein sorgfältig medium gebratenes Rinderfilet ruht auf einem Spiegel aus Rotweinjus, dazu gibt es Oliven-Kartoffelstampf und gegrillte Scampi, die schön knackig geblieben sind, sich aber dennoch spielend leicht aus den Schalen lösen lassen. Zu den Meeresfrüchten gibt es noch eine zweite Soße, eine feinfruchtige helle Angelegenheit, die durch Chili schön angeschärft ist. Der Rotwein aus dem Languedoc (5,50 Euro für 0,2 Liter) rundet die Sache ab und gefällt mir so gut, dass ich später noch ein 0,1-Liter-Glas nachbestelle – netterweise gibt es die offenen Weine hier auch in diesen autofahrerfreundlichen Mengen.

Allmählich ist es um uns herum ruhiger geworden, die ersten Tische leeren sich. Zeit, über ein Dessert nachzudenken. Meine Mitstreiterin wählt die Crème brûlée mit Früchten (6 Euro), ich möchte lieber Käse zum Abschluss. Die kleine Käseplatte (8,50 Euro) ist eher groß geraten und bietet eine schöne Auswahl von Rohmilchkäsen, zu denen es zwei Sorten Früchtesenf gibt. Und zur Crème brûlée gibt es nur eins zu sagen: Genau so muss sie sein.

Einige Wochen zuvor hatten wir dem „Banco“ unseren ersten Besuch abgestattet und einen milden Abend erwischt, an dem wir draußen Platz nehmen konnten. Auch dort kümmert man sich hingebungsvoll um die Gäste, bietet Decken gegen die nächtliche Kühle an und ist immer genau dann zur Stelle, wenn es nötig ist. Wir teilen uns vorweg den in Speck gegrillten Ziegenkäse mit Linsensalat (10,50 Euro) und sind schlichtweg begeistert vom Aromenmix: kräftig-deftig die Käsespeckröllchen, fruchtig süß dazu die Linsen und das Salatbukett. Danach bekomme ich Kalbsinvoltini (18,50 Euro), meine Begleiterin Ravioli mit mediterranem Gemüse (9,50 Euro). Beide Gerichte sind rundum gelungen und gefallen uns so gut, dass wir sie trotz der üppigen Vorspeise restlos verzehren. Für Nachtisch ist dann allerdings kein Platz mehr. Also trinken wir in Ruhe unsere Weine aus, einen Rioja (7,50 Euro) und einen Chianti (6,50 Euro) – und freuen uns über die toleranten Nachbarn des „Banco“: Auch weit nach 22 Uhr darf man hier auf der Terrasse sitzen, ohne dass sich jemand beschwert.

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