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Restauranttests Das „BBQ – The Finest Steakhouse“ macht seinem Namen Ehre
Mehr Essen & Trinken Restauranttests Das „BBQ – The Finest Steakhouse“ macht seinem Namen Ehre
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13:42 17.10.2013
Fleisch ist sein täglich Brot: Cetin Bagiran vom „BBQ“ in Waldheim. Quelle: Tobias Kleinschmidt
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Hannover-Waldheim

Wenn in ambitionierten Restaurants Ziffern wie 45, 47 oder 61 zu hören sind, ist nicht Hühnchen süß-sauer gemeint, sondern eher der Jahrgang berühmter Weine. Im „BBQ“ allerdings geht es bei solchen Zahlen nicht um alte Bordeaux-Tropfen, sondern um die aktuelle Fleischbestellung, denn hier werden die gängigen Garzeiten nicht mit „medium“ oder „rare“ festgelegt, sondern mit Kernthermometer-Temperaturen. Das zeigt: Wir sind hier in einem sehr speziellen Steakhaus. Und vor allem in einer „Location“, wie Lokalitäten neuerdings neudeutsch genannt werden, die schon manchen Wirt und manche Wirtin gesehen hat (in Erinnerung geblieben ist vor allem Francesca, die mittlerweile in der Krausenstraße kocht).

Man hat das kleine Restaurant etwas entkernt, nun bestimmen dunkle Ledermöbel und eine verblendete Steinwand das Ambiente. Das Restaurant heißt „BBQ – The Finest Steakhouse“, wovon der erste Namensteil nur stimmt, wenn man einen Lavasteingrill schon als Barbeque-Feuerstelle ansieht. Der zweite Namensteil ist eine kühne, aber nicht ganz grundlose Behauptung, weil Steaks hier sehr fein behandelt werden: Die Kuh ist eben heilig.

Doch zuerst bekommen wir selbst gebackenes Ciabatta mit drei Dips: eine Barbequesoße (schon wegen des Namens), eine pikantsüße Chilisoße und eine Kräuterquarkcreme. Die gedrehten Teigstangen sind so stark gewürzt, dass die Kräutercreme am besten passt. Chef Cetin Bagiran begrüßt jeden Gast persönlich, er liebt den großen Auftritt mit der großen Kochmütze und der noch größeren Pfeffermühle, aber das wirkt alles ganz und gar nicht aufgesetzt.

Für den kompetenten Service sorgt der charmante Daniel Goldberg aus Litauen. Dass er zum Auftragen des Bestecks weiße Handschuhe anzieht, darf man aber wieder unter dem Stichwort Dinnertheater verbuchen. Wichtiger ist, dass Goldberg immer einen guten Tipp zur Weinauswahl parat hat. Neben den aufgelisteten offenen Weinen gibt es nämlich die eine oder andere Flasche, aus der man bedient wird – mit einem Probeschluck für Unentschlossene vorweg. Die Weinkarte ist originell zusammengestellt. Man findet nicht nur die üblichen Verdächtigen, sondern auch Tropfen, die mit günstigem Einkaufspreis dem Gast ebenso Spaß machen wie dem Wirt und seiner Kalkulation. Selbst das Wasser (die Flasche für 5 Euro) ist im Vergleich zu anderen Lokalitäten noch preiswert.

Beim ersten Besuch bekommen wir auf telefonische Voranmeldung den letzten freien Tisch. Beim zweiten Besuch mitten im tiefsten Winter ist etwas mehr Platz – und wir erleben am Nebentisch mit drei Thirty-Something-Damen, dass „Sex and the City“ auch eine Vorortvariante in Waldheim hat. Wir probieren eine subtil abgeschmeckte Karotten-Ingwer-Suppe (5,60 Euro), die Küchenchef Bagiran schön anrichtet – samt Zesten und Schnittlauchstängelchen.

Ich wähle von der Steakkarte das Ribeye-Steak vom argentischen Black Angus: 300 Gramm für 25 Euro. Perfekt rare-medium gebraten. Dazu gibt es eine originelle Kräuterbutter mit dezentem Senfaroma, ein eher entbehrliches BBQ-Knoblauchbrot, etwas gegrilltes Gemüse und eine Ofenkartoffel mit hausgemachter Quarkcreme. Sie demonstriert, wie gut eine solche Ofenkartoffel sein kann, wenn man nur die richtigen Kartoffeln kauft und die Garzeiten im Blick hat (wie oft haben wir da schon muffige, ältliche Kartoffeln vorgesetzt bekommen).

Meine Begleiterin wählt unter den Tagesempfehlungen eine wunderbar saftig gegarte Lachsschnitte (16 Euro), die mit geschälten Zitronenscheiben und Chilifäden bestens belegt ist, dazu gibt es Blattspinat, Gemüse und Rosmarinkartoffeln. Und natürlich kommt der Chef mit seiner großen Mühle an den Tisch, um die Sache abzurunden, dabei stehen doch Mühlen mit gemischten Pfefferkörnern und Himalajasalz auf den Tischen. Beim zweiten Besuch ordert meine Begleiterin den Black-Angus-Spieß (16 Euro) mit wunderbar mürbem Rindfleisch, einem pfiffigen Coleslaw-Salat mit Crème-Fraîche-Dressing (und frischen Mandarinen) und dazu schmackhafte Farmerkartoffeln.

Ich entscheide mich für eines der „Highlights“, die man eigentlich verbindlich vorbestellen muss, die aber doch manchmal auf der Tageskarte stehen. Entweder das Wagyu Beef (Kobe Style), das derzeit 75 Euro kostet, oder das Dry Age Beef für 49 Euro. Wer weiß, was diese Fleischsorten im Einkauf kosten, wird das nicht überteuert finden. Wagyu Beef kenne ich in den Varianten aus Australien (die hier serviert wird) und den aus den USA – und das Original auch. Also entscheide ich mich für das Dry Age Beef, das aus Irland kommt und perfekt medium gebraten ist. Es ist noch saftig und doch durch das Trockenaltern in der Faserstruktur kleinteiliger und subjektiv etwas trockener als frischeres Fleisch. Eine lohnenswerte Erfahrung.

Wieder ist die Gemüsebegleitung mit Fingerspitzengefühl gegrillt, der Tagessalat vorweg gefällt noch besser als beim ersten Besuch. Dazu trinken wir einen unkomplizierten Cerasuolo-Rosé aus den Abruzzen (die Flasche für 20,50 Euro). Diesmal wagen wir uns an ein Dessert: ein Mangoparfait (7,50 Euro), das mit schöner Früchtebegleitung (samt frisch gepflückten Minzeblättchen) serviert wird. Danach gibt es – nur zum Probieren – noch ein kleines Gläschen eines sensationellen Kumquat-Kompotts. Und zum Abschied erneut einen kleinen Schluck aufs Haus.

Rainer Wagner

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