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Restauranttests So schmeckt es bei Julian’s Bar & Restaurant
Mehr Essen & Trinken Restauranttests So schmeckt es bei Julian’s Bar & Restaurant
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00:18 29.05.2018
Es ist angerichtet: Auf den Tisch kommt weißer Spargel mit Rauchschinken und Sauce Hollandaise Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Hotellegende Conrad Hilton antwortete einst auf die Frage nach den drei Faktoren, die für den Erfolg einer Hotelimmobilie verantwortlich seien: „Lage, Lage, Lage“. Da wären wir auch schon am Maschsee angelangt. Genauer in Julian’s Bar & Restaurant im Courtyard Hotel, wo das Personal aus ebenjenem Grund zu stark frequentierten Zeiten kein leichtes Los hat. Da wird das Brunch-Buffet gerade abgetragen, schon stehen die ersten Kaffeegäste in der Tür. Laufkundschaft gibt sich für einen Toilettengang die Klinke in die Hand. Und an Sonnentagen nimmt auf der Außenterrasse in stetem Wechsel ein buntes Völkchen an Passanten Platz, die sich vor oder nach dem obligatorischen Spaziergang um den See an Kuchen, Currywürsten oder Burgern gütlich tun. Kurz: Hier ist was los.

Mangel an Aufmerksamkeit

So gesehen ist es schon eine tolle Leistung, dass uns alle Servicekräfte mit Höflichkeit begegnen. Leider mangelt es an Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen. Unser kleiner Sohn wird nicht eines Blickes gewürdigt. Eine zweite Getränkebestellung wird nur auf unser Drängen angenommen. Unsere Maracuja-Schorle materialisiert sich als kleiner Maracujasaft auf dem Tisch. Den Zitronenschnitz, den wir uns im Kristallweizen wünschen, überhört die Kellnerin scheinbar, nach einem weiteren Hinweis wird er vergessen. Und auch bei allem Verständnis für ein paar Krümel auf der Sitzbank nach einem turbulenten Tag, das kommt vor, ist kein Beinbruch, lässt sich schnell mit der Hand unter den Tisch kehren, aber in manchen Ecken des Restaurants hätte es dieser Tage etwas mehr Zuwendung benötigt.

Zweimal waren wir zu Besuch im Julian’s Bar & Restaurant am Maschsee. Die Lage des Lokals ist durchaus bemerkenswert – die Service- und Küchenleistung war es nicht.

Enttäuschend ist aber vor allem das Essen. Dazu bedarf es nicht einmal einer tiefgehenden Analyse. Die Spargelcremesuppe (6,50 Euro) ist geschmacklich in Ordnung, allerdings geronnen. Die Karotten-Ingwersuppe (6,50 Euro) mit Jakobsmuschel schmeckt vor allem nach frittiertem Rucola, der aufgeweicht auf der Oberfläche treibt. Die Suppe ist nicht ordentlich püriert und entsprechend körnig. Die Jakobsmuschel verströmt einen unangenehmen Fischgeruch. Klar, bei dem Preis können wir keine erntefrischen Coquilles Saint-Jacques aus der Bretagne erwarten. Tun wir auch nicht, aber ein Mindestmaß an Qualität wäre wünschenswert. Wir probieren von den beiden Suppen nur so viel, wie für das Verfassen dieses Textes nötig ist. Die Teller sind also fast voll, als die Servicekraft, sie mit der Frage „der Auftakt war recht?“ abträgt. Wir suchen noch nach den passenden Worten, da ist die Dame bereits weg.

Das 220-Gramm-Rumpsteak (26,90 Euro) ist von ganz ordentlicher Qualität, die frittierten Kartoffelscheiben schmecken gut, die Soßen (Pfeffersauce, Aioli und Salsa) haben teilweise Anklänge von Fertigware. Für 18, 19, ja sogar 25 Euro hätten wir vielleicht nicht gemeckert, aber mit Beilagen, die separat bestellt werden müssen, liegt das Gericht am Ende bei satten 35 Euro. Das ist viel. Mindestens fragwürdig ist leider auch die Interpretation des Louisiana Hähnchen Gumbo (16,90 Euro): Der Kräuterreis ist matschig gekocht. Mit „Kräutern“ ist wahrscheinlich die (immerhin frische) Petersilie gemeint, die über das Gericht gestreut wurde. Bei den farblos mitgegarten Hühnerbrustwürfeln wurde nicht mal das Bindegewebe ordentlich durchschnitten. Wir haben das Gefühl eine Perlenkette mit Hühnerbrocken aus der würzigen Soße zu ziehen.

Nur die Vorspeise überzeugt

Highlight bleibt nach unseren zwei Besuchen eine Vorspeise mit geräuchertem Schinken und exzellent gegartem grünem und weißem Spargel (13,90 Euro). Geschmacklich in Ordnung ist auch das Club Sandwich (9,10 Euro), obwohl die Zutaten nicht ordentlich verteilt, sondern in der Mitte der Toastbrotscheiben gestapelt wurden. Leidenschaftslos. So wirkt das Gericht auf uns. Da ergreift unser vierjähriger Naseweis plötzlich das Wort und argumentiert kauend, dass die Pommes eine ausgesprochen „gute Qualität“ besäßen. Was sagt man dazu? Recht hat er! Sind wirklich gut, die Pommes! Überhaupt wirkt der Bursche wesentlich glücklicher als wir selbst. Da können wir uns zum Schluss nur wünschen, alles einmal wieder mit den Augen eines Kindes sehen zu dürfen, die ja oft einen unverstellten Blick für das Wesentliche besitzen, das Glück des Augenblicks, wenn man so will. In diesem Sinne: Pommes, Pommes, Pommes.

Fazit

Julian´s Bar & Restaurant trumpft mit einer schönen Aussicht auf den Maschsee. Wesentlich mehr Genuss konnten wir unseren Besuchen leider nicht abgewinnen.

Gesamt: 4/10 (Küche 3, Service 5, Ambiente 6)

Kontakt: Julian’s Bar & Restaurant, Arthur-Menge-Ufer 3, 30169 Hannover

Tel.: 0511-36 600 823, Internet: www.julians-restaurant.de

Öffnungszeiten: täglich von 06:30 bis 01:00 Uhr (Barrierefreiheit: über den Hoteleingang)

Von Hannes Finkbeiner

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