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Restauranttests Hindenburg Klassik
Mehr Essen & Trinken Restauranttests Hindenburg Klassik
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14:03 01.03.2011
Von Stefanie Gollasch
Feine Küche aus Italien: Enzo Provenzano im „Hindenburg Klassik” im Zooviertel Quelle: Rainer Surrey

Und die kommen nicht nur aus der gut situierten Nachbarschaft, sondern aus ganz Hannover und dem Umland in die Gneisenaustraße. Wer gern mal mit dem einen oder anderen Stadtpromi speisen will, kann im „Hindenburg“ auf eine recht hohe Trefferquote setzen. Inzwischen kann das Restaurant auch als Familienunternehmen bezeichnet werden, denn Gloria Viero steht ihrem Vater Pierino als Geschäftsführerin, Sommelière und charmante Kochefin zur Seite.
Vor allem Letzteres bekamen wir bei unserem ersten Besuch aufs Angenehmste zu spüren. Zwar hatte es mit der telefonischen Reservierung (natürlich wie immer unter anderem Namen) irgendein Missverständnis gegeben, dennoch fand sich ein Tisch für uns: quasi Schulter an Schulter mit den Rauchern unter den Gästen, die von uns aber eine Glaswand trennte. Bedauerlicherweise wurde in einen Schrank im Raucherbereich auch mein Mantel gehängt, was später deutlich zu riechen war. Das war an diesem Abend aber auch schon der einzige Wermutstropfen.

Ermutigt von der freundlich-entspannten Chefin wählte ich aus der handgeschriebenen Karte das geschmorte Milchzicklein (23 Euro) als Hauptgericht, mein Begleiter bestellte die Lammkoteletts (23 Euro). Vorweg gab es für ihn Caprese (13 Euro), für mich gebratene Jakobsmuscheln auf Rucola (16 Euro). Beide Vorspeisen waren sehr in Ordnung, jedoch nicht außergewöhnlich. Weit über dem Durchschnitt ist dagegen das saftige Weißbrot mit goldener Kruste, das vorweg serviert wird. Während wir auf den nächsten Gang warteten, bekam ich mit, wie am Nebentisch eine Herrenrunde „nicht wieder so wenige Kartoffeln“ bestellte. Und tatsächlich: Mit den Beilagen geht man im „Hindenburg“ recht sparsam um – was schade ist, denn vor allem mit Gemüse weiß man dort perfekt umzugehen.

Die Herrschaften am Nebentisch bekamen also ihre Extraschale Kartoffeln, wir hingegen begnügten uns mit den Exemplaren, die serienmäßig zum Fleisch gereicht wurden. Sowohl die Koteletts als auch das Milchlamm erwiesen sich als gekonnt zubereitet, mit genau der richtigen Mischung aus Zartheit und Knusprigkeit. Das feine gemischte Gemüse dazu, darunter wunderschön butterzarte Böhnchen, ließ große Sorgfalt in der Küche erkennen. Und natürlich war nach den eher mittelgroßen Portionen auch noch Platz für Desserts. Das Tiramisu (10 Euro) meines Mittesters war süffig-frisch, meine Käseauswahl (13 Euro) so reichhaltig, dass ein Teil liegen blieb.

Auf eine Bestellung aus der beeindruckend sortierten Weinkarte verzichteten wir den Autos zuliebe und tranken jeder nur ein Glas Rotwein. Der schlug allerdings mit stolzen sieben (für Chianti) beziehungsweise acht (für Barbera) Euro für 0,2 Liter zu Buche, was wir selbst für das Zooviertel mutig fanden. Die 5,50 Euro für die 0,7-Liter-Flasche Pellegrino hingegen zahlt man auch schon in eher mittelmäßigen Lokalen.

Mit denen will und muss sich das „Hindenburg“ nicht messen, was auch beim zweiten Besuch wieder deutlich wurde. Das Spanferkel in Honigsoße (19,50 Euro) für meinen Mitstreiter duftete nicht nur delikat, sondern schmeckte auch so, mein schottischer Lachs in Safransoße (19,50 Euro) nicht minder. Erneut gefiel besonders das Gemüse, zu dem dieses Mal zartschmelzender Wirsing mit leichter Butternote gehörte – besser geht's nicht.

An seiner Vor- und Nachspeise indes hatte mein Gegenüber nicht so recht Freude: Die Lauchsuppe (7 Euro) hatte zu viel Salz abbekommen. Und die gemischten Beeren mit Vanilleeis (13 Euro) waren genau das: eine Schale mit Beeren und einer Kugel Vanilleeis. Das einzig Kunstvolle daran war die Beschaffung frischer Himbeeren, Blaubeeren und dergleichen mitten im Winter. Meine Vorspeise, Vitello tonnato (13 Euro) hingegen, veredelt mit Kapernblüten, war genau so, wie es sein muss: rosa gegart das Kalbsfleisch, würzig-cremig die Soße, ein feiner säuerlicher Akzent durch die Kapern – perfekt. Und zusammen mit dem großzügig portionierten Lachs so üppig, dass für Nachtisch kein Platz mehr war.

  • Hinweis für Raucher: großer Raucherraum
  • Preiskategorie: gehoben

Das „Hindenburg Klassik” im Zooviertel im Branchenführer