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Im Bistro Marie gibt es französische Küche

Restauranttest Im Bistro Marie gibt es französische Küche

Finkbeiners Kostprobe: ​Im Marie am Wedekindplatz ist die Lust auf Gastgeberschaft spürbar. Aber das Ziel, hier eine solide französische Küche zu servieren, scheint zu hoch gesteckt. Eine Kostprobe.

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Hier servieren die Köche französische Küche: das Bistro Marie. 

Quelle: Heidrich

Hannover. Restauranteröffnungen sind aufregend. Das Knistern der Premierenstimmung ist in den ersten Tagen förmlich in der Luft zu spüren. Die Erwartungen der Gäste sind hoch, und die Presse ist natürlich auch gespannt. Obwohl es nicht die feine Art ist, einem Betrieb in den ersten Wochen inkognito einen Besuch abzustatten: Die Köche wissen noch nicht, wo die Steckdose in der Wand sitzt, aber draußen hockt ein Kritiker, der bitteschön elektrisiert werden möchte. Wir essen das erste Mal Ende Oktober – vier Wochen nach Eröffnung – im Marie, beschließen danach allerdings, dass es für eine Kostprobe noch zu früh ist.

​Im Marie am Wedekindplatz ist die Lust auf Gastgeberschaft spürbar. Aber das Ziel, hier eine solide französische Küche zu servieren, scheint zu hoch gesteckt.

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Wir kommen wieder. Einmal Ende November, einmal Mitte Januar. Uns lockt vor allem die Aussicht auf französische Küche, weswegen wir sogleich von der Bistrokarte das Schweine-Rillettes (5,50 Euro) bestellen. Das Fleisch des klassischen Gerichts wird für gewöhnlich mehrere Stunden gegart, meist im eigenen Fett und/oder in Brühe. Es entsteht eine faserfeine, geschmeidige Masse mit sattem Aroma, die sich auf einem Stück knusprigem Brot gut macht. Im Marie kommt die Vorspeise zwar zu kalt auf den Tisch, das Fett bröckelt beim Streichen, aber der Geschmack ist gut.

Stark gewürzte Brühe

Nicht zufrieden sind wir hingegen mit dem Pot au feu (9,90 Euro), einem Eintopfgericht der französischen Landküche. Klingt simpel, braucht aber handwerkliches Geschick, wenn der Anspruch besteht, das Fleisch maximal saftig, die Brühe gehaltvoll und das Gemüse mit Biss zu servieren – sei es nun klassischerweise in zwei Gängen oder als Tellergericht, wie im Marie. Beide Fleischsorten (Rind und Gans) wirken lange gekocht, sind etwas zäh. Die Gemüse (Zucchini, Paprika) wurden sehr weich gegart. Die Brühe ist stark gewürzt, schmeckt aber kraft- und konturlos. Die „ofenfrische Brotauswahl“ ist eine einzelne Sorte Baguette. Die Portionsgröße wirkt angesichts des Preises recht übersichtlich.

Info

Marie – Café, Bistro, Restaurant
Wedekindplatz 1
30161 Hannover
Telefon: (05 11) 65  39  90  74
Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 11 bis 22 Uhr, Donnerstag bis Sonnabend 11 bis 23 Uhr, Sonntag 12 bis 18 Uhr. 

An einem anderen Tag verkosten wir eine Zwiebelsuppe (5,50 Euro), die klassisch französisch mit gratiniertem Käsetoast und in einem heißen, tiefen Teller serviert wird, aber bestenfalls als lauwarm bezeichnet werden kann. Beim frischen Blattsalat in Dijonsenf-Kräutervinaigrette mit Serrano-Schinken (7,90 Euro) wurde das Dressing nur tröpfchenweise darüber geträufelt, viel Salat bleibt roh. Die Maishähnchenbrust (13,90 Euro) ist exzellent gebraten, mit knuspriger Haut und saftigem Fleisch. Die dazu gereichten hausgemachten Nudeln haben eine etwas körnige Oberfläche, aber schmecken gut, der fruchtigen Tomatensoße fehlt allerdings Salz und Würze.

Das Herz am rechten Fleck

Menschenskind, dabei sitzt im Marie das Herz doch am rechten Fleck! Hier regiert die Lust am Gastgeben, alle lächeln, sind gut drauf, das ist spürbar. Nur an der Küchenpraxis scheint es noch zu mangeln. Das zeigt auch die Kalbsleber mit dreierlei Zwiebeln und Äpfeln in Zitrus-Butter (16,90 Euro). Die sehr bissfesten Streifen von roten, weißen und Lauchzwiebeln, die mit Apfelstückchen serviert werden, erinnern an mildes Ofengemüse, das vielleicht zu einem gedämpften Fisch passt, aber das wuchtige Aroma einer Leber braucht Röstaromen und Gewürze, braucht Kraft und Kontrast: Butter, Essig, Wein, die Süße und den Schmelz von karamellisierten Zwiebeln, die Frucht von reifen Äpfeln.

Hinzu kommen die Kartoffeln in der Salzkruste. Dazu wurden die Knollen wahrscheinlich in hochkonzentriertem Salzwasser gekocht, abgegossen und im Ofen fertiggegart, sodass sich eine feine Salzkruste auf der Schale bildet. Damit der Salzgeschmack am Gaumen etwas abgemildert wird, bräuchte es begleitend eine kräftige Salsa oder Mojo, einen Dip oder wenigstens Soße. Da sich die Kartoffelschale (nach Art der runzeligen Papas arrugadas) auch nicht ablösen lässt, können wir die Salzdosis nicht reduzieren. Sprich: Die Beilage ist so salzig, wir können sie beim besten Willen nicht essen. Was tun?

Muss es denn unbedingt französische Küche sein?

Wir beschweren uns. Der Chef ist erschrocken, nimmt sofort anstandslos die Gerichte von der Rechnung, was einmal mehr den Dienstleistungswillen beweist. Befriedet werden wir auch noch mit einer Crème brûlée (5,90 Euro), die vor allem in Kombination mit den glasierten Nüssen, Orangenzesten oder der Beerensoße gut schmeckt. Unser Blick schweift zu dem Panoramafester des Bistros hinaus. Jazz rieselt von der Decke, Kerzenschein spiegelt sich in den Scheiben. Das Kopfsteinpflaster des Wedekindplatzes schillert im Nieselregen, und wir erahnen, wie selig die Zeit in diesem schicken Bistro dahinplätschern könnte – muss es denn unbedingt französische Küche sein?

Fazit

Das Essen konnte uns noch nicht mitreißen, dafür trumpft das Marie mit schönem Flair und nettem Service auf.
Gesamtnote: 6/10 (Essen: 5​, Service: 7​, Ambiente: 8​) 

Von Hannes Finkbeiner

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