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Restauranttests Indische Wärme
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00:15 22.11.2013
Mohammed Ashgar Sahi hat in der List sein indisches Restaurant eröffnet. Quelle: Moritz Küstner
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Hannover

Wer in Hannover Lust auf Vindaloo, Chicken Madras und Curry hat, kommt vor allem in der Innenstadt auf seine Kosten. Die alteingesessenen indischen Restaurants heißen „Shalimar“, „Himalaya“ und „Taj Mahal“. In der List wurden Freunde des zentralasiatischen Subkontinents bisher nicht fündig – bis vor etwa einem halben Jahr das „India Tandoori Haus“ an der Jakobistraße eröffnet hat.

Die gläserne Automatiktür zeugt noch von der Vergangenheit des Gebäudes als Drogeriemarkt. Wo heute pikante Currys dampfen, wurden vor wenigen Jahren Zahnpasta und Shampoo verkauft. Danach versuchte das griechische Restaurant „Ikaros“ sein Glück – es blieb beim Versuch.

Mohammed Asghar Sahi, der bis vor Kurzem auch ein Restaurant in Celle betrieb, ist eine längere Zeit an der Jakobistraße zu wünschen, denn sein „India Tandoori Haus“ ist eine willkommene Abwechslung für den Stadtteil, in dem sonst kaum ein Weg an mediterranem Essen vorbeiführt. Etwas mehr Gemütlichkeit darf indes ruhig noch einkehren, auch die große Fensterfront erinnert noch an das frühere Dasein des Lokals als Drogeriemarkt. Bei einem unserer Besuche ist zudem auch noch die Heizung ausgefallen. Diese Mängel machen der Chef und seine Angestellten jedoch locker durch menschliche Wärme weg. Die Begrüßung ist herzlich, schon beim zweiten Besuch erfolgt sie per Handschlag. Man sei doch neulich erst da gewesen, stellt der Kellner aufmerksam fest. Und er hat recht.

Gerichte aus dem Lehmofen stehen im Mittelpunkt des "India Tandoori Haus" in der List.

Innere Wärme versprechen die indischen Gerichte, die von mild über pikant bis scharf und sehr scharf kategorisiert sind. Wobei pikant für viele mitteleuropäische Gaumen schon das Höchste der Gefühle sein dürfte. Das Lamm Achaar (14,50 Euro) in pikanter Currysoße jedenfalls hat ordentlich Feuer. Die mitgekochten Mixed Pickels geben dem zarten, aber nicht zerkochten Lammfleisch eine leicht säuerliche Note – sie macht das Gericht zu einem ungewöhnlichen Vergnügen.

Lamm, Hähnchen, Reis und Gemüse sind die Hauptbestandteile der vielfältigen indischen Küche, die sich jedoch sonst kaum auf einen Nenner bringen lässt. Kein Wunder bei dem Milliardenvolk, das ein Land vom Himalaja bis zum indischen Ozean bewohnt. Da ist es schön, dass das „India Tandoori Haus“ sich nicht auf die hierzulande hinlänglich verbreiteten Currys und Tikka beschränkt, sondern auch andere Aromen zulässt.

India Tandoori Haus

Jakobistraße 6

30163 Hannover

Tel.: (05 11) 80 76 17 17

www.india-tandoori-haus.de

Montag bis Freitag 11.30 bis 15 Uhr sowie 
17.30 bis 22.30 Uhr.

Sonnabend und Sonntag von 11.30 bis 23 Uhr.

Jeder Besuch in dem Restaurant beginnt mit dem hauchdünnen, knackigen Papadam, das gratis gereicht wird. Das aus Linsenmehl gebackene Brot ist scharf, zum Glück gibt es dazu milden Minzjoghurt. Doch auch für empfindliche Gaumen gibt es reichlich Auswahl. Das Chicken Curry (13,90 Euro) etwa wird auch als pikant beschrieben, ist jedoch wesentlich milder. Das Fleisch selbst hat Charakter und schmeckt tatsächlich nach Huhn, auch Paprika, Zwiebeln und Tomaten sind in der Soße noch auszumachen – anders als in manchen indischen Lokalen, in denen viele Soßen glatt und verkocht sind. Recht weich sind indes die Auberginen im vegetarischen Tinda Bhaji (11,60 Euro), die Vielfalt an Gerichten ohne Fleisch ist jedoch erfreulich groß – von Linsen über Gemüsebällchen bis zum „selbstgemachten Spezialkäse“, wie es in der Karte heißt.

Letzteren gibt es auch als Pakora (4,50 Euro), also in Linsen- oder Kichererbsenteig ausgebacken. Doch der Stick könnte knuspriger sein, der Käse selbst ist farblos. Die gebackenen Auberginen (3,80 Euro ) dagegen fallen durch zu viel Salz auf. Zum umfangreichen Vorspeisensortiment gehören auch Suppen, etwa eine süßliche aus Tomaten (3,60 Euro) oder eine dünne, aber schmackhafte Brühe mit Linsen (3,60 Euro).

Namensgebend für das Restaurant ist der Tandur. Der in Zentralasien verbreitete Lehmofen wird am Boden befeuert, und wenn sich starke Hitze entwickelt hat, stellt der Koch marinierte Fleischspieße von oben hinein. Auch Nan, das indische Brot, wird im Tandur gebacken. Die „India Tandoori Haus Mix Platte“ (16,90 Euro) bietet von allem etwas: weiche Hähnchenschenkel, zarten Mettspieß sowie Ragout vom Lamm und einen eigentlich überflüssigen Scampo in einer nicht allzu scharfen Soße. Dazu wird Reis serviert, der mit Kardamomkapseln verfeinert wird. Wer das volle süß-scharfe Aroma des Gewürzes genießen will, muss sie knacken und die Samen befreien. Beim Auftunken der leckeren Soße hilft das Nan, das es auch in spezieller Variante mit Zwiebeln (2,50 Euro) gibt. Zufrieden und aufgewärmt legen wir die Gabel zur Seite – auch ohne den Handschlag zum Abschied wären wir wiedergekommen.

Mein Fazit:

Hand drauf: Bei dem Inder wird einem warm ums Herz.

Von Ralf Heußinger

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