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Restauranttests So schmeckt es auf dem Weihnachtsmarkt Hannover
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15:53 01.12.2018
Kostprobe auf dem Weihnachtsmarkt in Hannover. Quelle: Schaarschmift/RND-Collage
Hannover

Von Schmalzkuchen bis zur Bratwurst: Essen gehört für viele beim Besuch des Weihnachtsmarktes dazu. Doch wie schmeckt es an den Ständen in der Altstadt von Hannover eigentlich. HAZ-Feinschmecker Hannes Finkbeiner hat eine Runde auf dem Weihnachtsmarkt gedreht und die Stände getestet. Dabei ist er auch auf einige besonders leckere Spezialitäten gestoßen.

Joshua Küser mit Dinnede am gleichnamigen Stand. Quelle: Tim Schaarschmidt

„Gedeihliche Esslust“, schallt es uns entgegen. Der Händler reicht uns dabei den Fladen mit Kartoffeln und Käse (5 Euro). Dinnede werden die schwäbisch-alemannischen Gebäcke genannt, die im historischen Dorf in verschiedenen Varianten angeboten werden. Der Brotteig wird mit Weizen-, Roggen- und Dinkelmehl frisch zubereitet, getoppt mit Speck, Zwiebeln oder eben unserer Variante. Schmeckt richtig gut, vor allem auch der knusprige Rand, wobei uns eine Sache stört: Werter Herr, hätte er die Güte, uns mitzuteilen, wo Würzmittel zu finden sind? Wir folgen dem Fingerzeig des Mannes, ans Ende des Tresens, wo griffbereit Salz- und Pfefferstreuer stehen – jetzt gedeiht unsere Esslust.

Ein paar Meter greifen wir dann zu einer Hanftasche (7 Euro) von der Hanfbeckerey, die im Grunde nichts anderes als ein getarnter Döner ist. Steht ja sogar auf der Putenfleischpackung: mit Gyros-Würzmischung. Das pikante Fleisch wird nämlich nicht von den Betreibern eingelegt, sondern fertig zugekauft. Dafür sind die Fladen selbst gemacht, mit einem Anteil Hanfmehl. Außerdem werden knackfrische Rohkost und herber Schafskäse in die Tasche gestopft, Joghurtsoße und Hanfsaat obendrauf. Doch. Schmeckt ganz ordentlich. Wie ein Döner. Nur mit Hanf. Eine Hanftasche eben.

Natalie Schreiber bei Rawiels Backstube. Quelle: Tim Schaarschmidt

Nach einem etwas laschen Krautgulasch (7 Euro) beim Stand Mundgerecht verlassen wir die mittelalterlichen Gefilde und schlendern zur Marktkirche, wobei zwei der spannendsten Leckereien etwas abseits, in der Nähe des Irish Pub, zu finden sind. Bei Rawiels Backstube werden faustgroße Brote frisch aus Roggen- und Weizenmehl zubereitet, wahlweise mit einer Füllung aus Schinken und Käse oder Champignons und Käse (je 5 Euro). Der Käse ist zwar kein Gaumenschmeichler, zusammen mit einem Klecks Schmand schmecken die Brocken aber sehr gut, vor allem das feinsäuerliche, herzhafte Brot gefällt uns.

Michal Fedor mit seinen Trdelnik. Quelle: Tim Schaarschmidt

Unser erster echter Favorit ist am Nachbarstand zu finden. Wir sind ohnehin Fans von ungarischen Kaminstriezeln, hier gibt es die slowakische Variante: Trdelník (4 Euro). Die spiralförmig aufgewickelten Hefeteigstränge werden in einer Zuckermischung aus gehackten Nüssen, Mandeln, Vanillin und Zimt gewälzt, also in Gewürzen, Aromen und Zutaten, die bestens in die Weihnachtszeit passen. Dann wird die Spezialität über Holzkohle ausgebacken, wodurch der Zucker auf der Außenfläche goldbraun karamellisiert. Das Ergebnis ist eine knusprige Hülle und ein feinporig, dampfendes Inneres. Eine echte Wucht, jeden Cent Wert.

Oliver Pardey vom Stand Hüttenzauber. Quelle: Tim Schaarschmidt

In der Nähe des Haupteingangs der Marktkirche werden bei Pardeys Hüttenzauber frische Waffeln gebacken. Selbstredend gibt es viele süße Varianten, mit Puderzucker, Schokosoße, Banane oder heißen Kirschen (3 bis 4 Euro). Wir probieren eine herzhafte Variante, mit Räucherlachs, Rucola und Créme Fraîche (6,50 Euro). Ein ausgezeichneter Snack. Die warme Waffel in Kombination mit pfeffrigem Kraut und salzigem Lachs ist klasse, nur das Verhältnis von Fisch zu Waffel passt nicht ganz. Für 2 Euro Aufpreis bekäme man eine Extraportion Lachs, erklärt uns der Standbesitzer – ein gutes Investment!

Marco Monteleone mit Apfelstrudelsaft im Wintersäftchen. Quelle: Tim Schaarschmidt

Unseren zweiten Favoriten entdecken wir dann auf der Ecke Oster- und Karmarschstraße: das Wintersäftchen. Zwei Freunde haben das Konzept ausbaldowert, weil es „auf Weihnachtsmärkten immer so viel Glühwein“ gebe. Dem setzt das Unternehmen Heißgetränke auf Saftbasis (je 2,50 Euro) entgegen. Wir dürfen alle Varianten verkosten, vor allem Apfelstrudelsaft, Birne mit Ingwer und Schwarze Johannisbeere mit etwas Zimt begeistern uns. Für einen Euro Aufpreis gibt es auch einen Schuss Rum oder Kokoslikör dazu. Vor allem auch für Kinder ein echter Genuss! Also, ohne Schuss natürlich.

Mesut Celik mit Bregenwurst. Quelle: Tim Schaarschmidt

Die Kohlprobe: Dort gehen wir jetzt aber wieder hin und beenden unsere Runde über den Weihnachtsmarkt. Obwohl – an der Grenze zum historischen Dorf machen wir nochmals Halt. Am Ballhofplatz nämlich, wo gerade vor dem Restaurant Hofgeflüster ein Stand Gestalt annimmt. Tags darauf gebe es hier Glühwein (3,50 Euro), zubereitet aus italienischem Landwein, erklärt uns der Besitzer Mesut Celik. Alles klar, sagen wir und wollen uns schon verabschieden. Da erwähnt der Mann, dass er dann auch Bregenwurst im Focaccia-Fladen mit Grünkohlsenf (5 Euro) anbiete. Wir halten inne. Den Senf mache er übrigens selber, fügt der grundsympathische Kerl mit leuchtenden Augen und geheimnisvollem Lächeln hinzu – und wir ahnen, dass der Mann etwas weiß, das wir nicht wissen. Noch nicht jedenfalls, denn alle guten Dinge sind schließlich drei Favoriten. Gehabt Euch also Wohl, Senfmacher, wir kommen bald auf eine Kohlprobe!

Von Hannes Finkbeiner

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