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Restauranttests So schmeckt es im neuen Landtagsrestaurant im Leineschloss
Mehr Essen & Trinken Restauranttests So schmeckt es im neuen Landtagsrestaurant im Leineschloss
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00:33 16.04.2018
Zeitfür im Leineschloss. Quelle: Foto: Heidrich
Hannover

Sei es der Rüblikuchen mit Blutorange und Walnuss (10 Euro) oder die Variation von Manjari-Schokolade mit Hibiskus-Eis und Feige (13 Euro): Die modernen Desserts im Zeitfür zeugen von gekonntem Handwerk. Kalte, knusprige und cremige, süße, säuerliche und salzige Elemente finden sich in den Nachspeisen, auch Gemüse oder Kräuter finden ihren Platz, um höchstmögliche Harmonie und Kontrast zu erzeugen. Auch wenn stellenweise Fertigwaren eingesetzt werden, sind die Gerichte eine echte Freude. Farbgebung, Form, Konsistenz: Löffel um Löffel genießen wir die Süßspeisen und stehen vor einem echten Rätsel, denn diese Raffinesse war unserem Essen nicht durchweg anzumerken. 

Drei Dinge vorweg. Erstens: Wir betreten das neue Restaurant mit hoher Erwartung und sogar Ehrfurcht. Küchenchef ist seit Februar Karsten Fricke, der unter anderem als Souschef bei Thomas Bühner arbeitete, einem der besten Köche Deutschlands. Zweitens: Bereits seit November lief eine Soft-Opening-Phase, das Restaurant hatte bis März nur mittags geöffnet. Die Anfangszeit wurde vom Berliner Sternekoch Markus Semmler begleitet. Ein erfahrener Mann, der weiß, wie man Gerichte zum Schmecken bringt und Restaurants aus der Taufe hebt. Die Abläufe sollten also langsam sitzen. Drittens: Aufgrund der selbstbewussten Preise am Abend bleibt uns wenig Spielraum fürs Augenzukneifen. 

Schicke Location mit großem Potenzial: Das Zeitfür ist das neue Landtagsrestaurant im Leineschloss. 

In diesem Zusammenhang sei das Landei mit grünem Spargel, Spinat und Gruyère genannt (17 Euro). Die Vorspeise wird in einem tiefen Teller serviert, der Boden bedeckt von einem Spinatpüree ohne Blubb. Dazwischen befinden sich einige Stücke Spargel. In der Mitte sitzt das pochierte Ei, das leider nicht ordentlich gegart wurde. Teile des Eiklars sind glibberig und roh. Getoppt wird die Kreation von etwas säuerlichem Käse-Schaum, der – so ist das eben mit den schicken Espumas – am Gaumen einen recht kurzen Auftritt genießt. Der Gang wird deswegen vorwiegend vom dumpfen Zusammenspiel aus Spinat und Ei dominiert. Recht plump. 

Der exzellent gegarte Kaninchenrücken (15 Euro) wirkt zwischen kaum marinierten Gurken, Radieschen und Schwarzwurzeln verloren und bezugslos. Beim Saltimbocca vom Kabeljau (27 Euro) mit Bohnen, Oliven und Casarecce (eine Nudelart) ist das verbindende Element eine mexikanische Soße, die so überbordend salzig und würzig ist, dass sie allen anderen Zutaten die Schau stiehlt – bis auf den rohen Salbei, der das Gericht krönt und bitter schmeckt. Gut ist das Kalbsbäckchen mit Kartoffel-Koriander-Stampf (26 Euro). Die Portionen liegen bei den Hauptspeisen zwischen Menü- und À-la-carte-Größe – satt wird man von einem Hauptgericht nicht unbedingt.

Auf und ab bei Mittagskarte

Oder wird mit den höheren Preisen versucht, das Abendpublikum in Richtung Menü zu lenken, wie das in Gourmetrestaurants gerne gemacht wird? Vielleicht. Wobei das Restaurant keine Sterneambitionen hegt, sondern „das Wohnzimmer von Hannover“ werden will. Zuträglicher ist diesem Vorhaben bislang die Mittagskarte, auf der kleine Gerichte oder auch ein dreigängiges Business-Lunch (19,50 Euro) zur Auswahl stehen. Letzteres bestellen wir. Die Kokos-Curry-Suppe oder die Dorade mit Ratatouille mit Espressopolenta sind klasse. Ordentlich ist auch die Maispoularde mit Pastinake, obwohl das Gericht mit einer Beilage serviert wird, die exakt wie die Espressopolenta schmeckt und ausschaut. Ein Fehler?

Nein, erklärt uns Restaurantleiter Ralf Niemann nach kurzer Rücksprache, die Pastinake sei der Brei. Oder sei im Brei? Oder unterm Brei? Zweifelsfrei können wir das nicht klären. Gefunden haben wir sie jedenfalls nie, unsere Pastinake. Dafür entdecken wir (chinesische?) Pinienkerne, die schon einen leicht ranzigen Ton haben. Die verstecken sich allerdings zwischen unseren sonst sehr guten Nudeln mit Pesto. Wir kauen auch auf bestenfalls lauwarmem Seelachsfilet, zu dem wiederum eine rustikale, aber ganz exzellente Fischsoße gereicht wird. Und über den Matjessalat sprechen wir besser nicht weiter, damit uns noch Platz bleibt, das warme, feinduftende Focaccia zu loben, das uns serviert wird. 

Ernüchtert hocken wir am Ende voreinander, wissen dieses Auf und Ab an Eindrücken nicht einzuordnen, dann kommt das Dessert: Weiße Schokoladencreme mit Mandarinen-Coulis, Sorbet und Schokoladensand. Und wir sind völlig ratlos! Was für eine feine Kreation! Köstlich! Hat das Haus vielleicht einen eigenen Patissier? Ist es das? Nein, erklärt uns die sehr höfliche Servicekraft, die Köche seien für die Süßspeisen mitverantwortlich. Da wären wir dann auch wieder am Anfang unserer Kostprobe angelangt: Rätselhaft, dass diese Raffinesse nicht auch den anderen Gerichten anzumerken war – schließlich können die Köche doch was, Menschenskind! Bekommen spielend einen krönenden Abschluss zu Stande! Woran hängt es? Ran an die Töpfe!

Das Fazit

Fazit: Unsere Erwartungen waren hoch, die Kostproben eher ernüchternd, vor allem auch angesichts der selbstbewussten Preise am Abend. Gesamt 6/10

(Essen 5, Service 6, Ambiente 9)

Zeitfür

Hannah-Arendt-Platz 1

30159 Hannover

Tel.: 0511 – 897 00 692

E-Mail: info@zeitfuer-leineschloss.de

www.zeitfuer-leineschloss.de

Öffnungszeiten: 

Montag bis Sonnabend ab 11 Uhr, 

warme Küche: 12 bis 15 Uhr

und 18 bis 21.30 Uhr

Barrierefreiheit: ja

Von Hannes Finkbeiner

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