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Restauranttests So gut ist das Essen im Gasthaus Müller
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00:15 13.02.2018
Das Gasthaus Müller in Göxe ist ein lohnendes Ziel für diejenigen, die exzellente Gastronomie zu schätzen wissen. Quelle: Alexander Körner
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Göxe

 Zunächst gibt es nicht viel zu sagen oder zu sehen. Wir haben nämlich Mund und Augen geschlossen und lassen uns vom Duft des Gerichts davontragen. Da schlägt uns die Schwere von warmem Bohnenpüree und Geräuchertem in die Nase, getragen von leichter Velouté, würzigen Kräutern und frischem Fisch. Wir sind baff, noch bevor wir probiert haben, und noch mehr baff, als wir probieren: Das Filet vom Seeteufel (27,50 Euro) ist schneeweiß, saftig und festfleischig und wird von Tomaten, Kartoffeln, Bohnen, Rauchaal, Safranchip oder iberischem Schinken gehuldigt, als würden die Zutaten den Edelfisch auf einer Sänfte über unseren Gaumen tragen.

Und Glückauf, das köstliche Hauptgericht ist keine Ausnahme: Der zarte, feinwürzige Rehrücken (28,50 Euro) wird von einer Kartoffel-Pilz-Roulade, geröstetem Nussgrieß, ideal gegartem Gemüse (Rosenkohl und grüner Spargel, kleine Möhren und Kräuterseitlinge) oder einer kraftstrotzenden Jus begleitet, die uns ehrfürchtig mit der Zunge schnalzen lässt. Klingt nach viel Zeugs auf dem Teller? Ist es auch, allerdings vorwiegend für das Küchenteam, das alle Zutaten á point zubereiten muss. Wir selbst haben kein Problem damit.

Finkbeiners Kostprobe: Das Örtchen Göxe ist vielleicht etwas abgelegen. Das dort gelegene Gasthaus der Familie Müller indes ist ein lohnendes Ziel für diejenigen, die exzellente Gastronomie zu schätzen wissen.

Wo wir sind? Im Gasthaus Müller in Göxe. Ein Örtchen, das vom Kröpcke aus gesehen 18 Kilometer westlich liegt. Mit dem Auto, wohlgemerkt. Einmal querfeldein, durch Linden, Davenstedt und jede Menge Rübenäcker, schon ist man da. Zugegeben, wäre ein langer Spaziergang, aber würde sich lohnen, bei dieser Küche, die uns an diesem Tag schon mit feiner Hummerschaumsuppe (9,50 Euro) und einer charakterstarken Gelbschwanzmakrele mit Tomate, Ingwer und Avocado (14,50 Euro) verwöhnte. Nur den Algensalat hätten wir bei letzterem Gericht nicht vermisst.

Die Küche der Gebrüder Müller, die hier am Herd stehen, ist auch nicht kreativ um der Kreativität willen. Sie ist sehr facettenreich, aber überschlägt sich nicht. Die Gerichte wirken klassisch konzeptioniert und dann um einfallsreiche Komponenten erweitert, klar und durchdacht. Das dezent geräucherte Kartoffelpüree beispielsweise, das zu einem zarten, knusprigem Entrecôte (29,50 Euro) gereicht wird und das Fleischaroma ideal untermalt. Oder das mit Zitronengras verfeinerte Süßkartoffelpüree, das einem Kalbsrücken und Wildgarnelen (28,50 Euro) eine grandiose Bühne bereitet. Es ist dieser letzte Schliff, gepaart mit perfektem Handwerk, der die Speisen besonders macht. Anders ist die Harmonie und Balance der Speisen nicht erklärbar. Obwohl: An der kompromisslosen Spitzenqualität der Lebensmittel könnte sich so manches Gourmetrestaurant im Land orientieren.

Wir könnten jetzt noch von frischen Jakobsmuscheln (18,50 Euro) schwärmen, die mit den warm-würzigen Noten von Fenchelsaat und geschmälzten, buttrigen Macadamianüssen umschmeichelt werden. Wir könnten von einer interessanten Neuinterpretation eines Tiramisu mit Espressogel, Mandelhippe und knusprigem Löffelbiskuit (8,50 Euro) berichten, das uns vielleicht nicht umgehauen, aber immerhin zum Grübeln gebracht hat. Wir könnten auch noch vom herzlichen Service unter der Führung der Damen Müller oder von der profilierten Weinkarte erzählen, die eine Auswahl bekannter deutscher Spitzenwinzer (Johner, Schönleber, Knipser) zu angemessenen Preisen bereithält, aber die Richtung dieser Kostprobe dürfte mittlerweile klar sein.

Das Gasthaus Müller ist vielleicht kein Gourmettempel, aber diese Tatsache macht es nicht weniger zu einer Anlaufstelle für Genießer und Feinschmecker. Angesichts der virtuosen Landhausküche kann das Wörtchen „Gasthaus“ nur als Tarnung verstanden werden. Die Preise? Sind etwas höher als gewöhnlich, ja, aber günstiger wäre diese Qualität auch nicht umsetzbar. Und klar, wir haben ein bisschen Wehwehchen wegen ein, zwei Details beim Ambiente. Und dann gibt es auch noch dies und das, die übliche Kritikerpedanterie eben. Aber aus welcher Richtung wir jedes einzelne Gericht durchdenken – Produktqualität, Preis und Leistung, Idee und Umsetzung –, wir kommen stets zum selben Schluss: In diesem Rahmen geht es nicht mehr besser, nur noch anders.

Fazit

Punkte: 10/10

(Essen: 10, Service: 9, Ambiente: 9)

Sensibles Produktverständnis, virtuoses Handwerk und herzliche Gastlichkeit: Bei Familie Müller im Gasthaus Müller laufen die Fäden exzellenter Gastronomie zusammen.

Gasthaus Müller,  Golterner Str. 2,  30890 Barsinghausen,  Telefon: (0 51 08) 21 36,  E-Mail: info@gasthausmueller.de,  Öffnungszeiten: mittwochs bis sonnabends 18 bis 21.30 Uhr,  sonntags 11.30 bis 14.30 und 18 bis 21.30 Uhr.

Von Hannes Finkbeiner

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