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Restauranttests So schmeckt es in der Speiserei an der Berliner Allee
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00:19 10.04.2018
Ein Genuss: Das Kalbschnitzel mit Bratkartoffeln, Gurkensalat und Preiselbeeren ist beim Tester gut angekommen. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

 Da steht es, das Vitello tonnato (10 Euro). Ganz klassisch: Zartes Kalbfleisch, wuchtige Thunfischsoße. Getoppt von ein paar frischen Elementen, wie Lauchzwiebeln, Sprossen und kleinen Kapern. Schöner Teller, schön angerichtet, schmeckt gut. Vor allem ist das Fleischaroma noch ansatzweise erkennbar und wird nicht gänzlich von der Soße zugekleistert, denn oft dient das Kalb ja nur als Trägermasse für die Fisch-Majonäse. Aber wer will bei so unzähligen Varianten dieses Gerichts eigentlich sagen, welche denn nun die richtige ist? Es gibt von dem Klassiker ja komplexe bis hin zu elaborierte Abwandlungen, mit gebratenen Thunfischwürfeln oder Auberginenpüree, mit Sardellengel, verkapseltem Kapernsaft oder geliertem Kalbjus, und in der Speiserei wird eben das populäre Geschmackbild gepflegt. 

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Der großzügige Gastraum der Speiserei an der Berliner Allee besticht durch viel edles Holz. Erd-, Creme- und Grautöne dominieren.

Neueröffnung letzten Herbst

Das Restaurant (eröffnet letzten Herbst) befindet sich an der Berliner Allee. Auf dem Menü stehen Rouladen oder Bauernenten mit Rotkohl und Kartoffelklößen, aber auch internationale Dauerbrenner wie Nudelgerichte, Currys oder Steaks werden angeboten. Die Preise sind moderat, reichen bei den Hauptgerichten von neun Euro für eine Currywurst bis 28 Euro für ein viertelpfündiges Filetsteak. Also alles recht bodenständig und gesetzt? Könnte man meinen, spräche das Ambiente keine andere Sprache: Der großzügige Gastraum besticht durch viel edles Holz. Erd-, Creme- und Grautöne dominieren. Es gibt Bartische, Sessel und Bänke, dazu moderne Designelemente im Kontrast zum ehrwürdigen Altbaucharme. Elegant ist es also in der Speiserei, zwanglos und leger. 

Also wie jetzt? Currywurst in Schickeria? Ist es das, was hier geboten wird? Ja. Überspitzt formuliert. Eine ganz sympathische Kombination, wie wir finden. Auch wenn wir heute statt Wurst lieber den Ziegenkäse im Brickteig (11 Euro) mit Salat in feinsäuerlichem Dressing probieren. Schmeckt gut. Klasse ist auch die thailändische Suppe Tom Kha Gai (8 Euro) auf Basis von Hühnerbrühe und Kokosmilch, die mit Garnelenstücken und viel frischem Gemüse (Stangensellerie, Möhren, Zwiebeln, Sprossen) serviert wird. Einziger Reinfall: Das Thunfisch-Carpaccio (10 Euro). Wir nehmen von dem Edelfisch nur die kühle, leicht jodige Fleischfaser wahr, da der Eigengeschmack vollständig von den Beigaben Wakame, Sesam und vor allem von der scharfen Meerrettichnote des Wasabi-Schmands überdeckt wird. 

Dicke Kartoffelpanade

Beim Zanderfilet im Röstimantel mit Rahmsauerkraut (18 Euro) steht die dichte Aromenstruktur des Gerichts im Vordergrund. Die Kartoffelpanade ist dick und mundfüllend. Der Rahmanteil im sehr milden Sauerkraut recht hoch. Den Fischgeschmack müssen wir in diesem Geschmacksdickicht gezielt freilegen. Sicher, die Kreation, die landauf landab immer mal wieder zu finden ist, lebt ein wenig von ihrer ausladenden Fülle. In der Speiserei kippt das Gericht allerdings in Richtung Schwerfälligkeit. Es bräuchte mehr Balance. Mehr Säure und Frucht vom Sauerkraut. Oder Schärfe von frisch gemahlenem Pfeffer. Oder einfach Alkohol. Ohnehin eine gute Idee: Einfach mal das Genörgel sein lassen und einen beherzten Schluck Weißwein nehmen. Funktioniert auch und balanciert zusätzlich das Gemüt aus. 

Die luftig-lockere, leicht knusprige Panade und das geschmeidige Fleisch machen das große Kalbsschnitzel (19 Euro) bereits ohne die Kombination mit den klassischen Beigaben (Zitrone, Preiselbeeren, Gurkensalat) zu einem Genuss. Die Bratkartoffeln sind fettgesättigt. Beim ordentlichen Sauerfleisch von Ente und Gans (13,50 Euro) wurden die Fleischstücke recht grob und dick belassen, eine Machart, die dem gehaltvollen Gericht außergewöhnlich gut steht. Abschließend probieren wir außerdem eine Crème brûlée (5 Euro) und eine feine Mousse au Chocolat (6 Euro): Sahne, Ei, Zucker und Schokolade, vereinigt in einer trügerisch luftig-leichten Creme. Ist ja auch so ein populäres Geschmacksbild, das nicht überrascht oder überwältigt, sondern einfach nur schmeckt. Braucht es öfter, als man denkt. 

Fazit: Mit seiner soliden Gasthausküche in schickem Flair ist die Speiserei ein tolles Lokal für alle Tage der Woche. 

Gesamtnote: 8/10 

(Essen 7, Service 7, Ambiente 9) 

Weitere Informationen

   Speiserei, Berliner Allee 33, 30175 Hannover

Telefon: (05 11) 85 89 21

E-Mail: info@speiserei-hannover.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 12 bis 23

Barrierefreiheit: nein 

Von Hannes Finkbeiner

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