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Restauranttests Sizilianische Leidenschaft: Die „Trattoria Etna“ in Linden
Mehr Essen & Trinken Restauranttests Sizilianische Leidenschaft: Die „Trattoria Etna“ in Linden
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15:00 31.08.2011
Von Sonja Fröhlich
Familiensache: Chef Mario Di Carlo und sein Sohn Antonio servieren den Gästen in der „Trattoria Etna“ Gerichte aus Sizilien. Quelle: Hagemann
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Linden

Im Unvollkommenen liegt manchmal ein besonderer Charme. Das Prinzip trifft auf Linden zu – und auch auf die „Trattoria Etna“, benannt nach dem Vulkan auf Sizilien. Aus Sizilien kommt auch Inhaber und Koch Mario Di Carlo, der das kleine italienische Speiselokal am verkehrsreichen Teil der Limmerstraße seit etwas mehr als einem Jahr betreibt. Die Trattoria hat mittlerweile ein kleines Stammpublikum, das die authentische italienische Küche und lockere Atmosphäre mag.

Die Familie hat das Lokal mit einfachen Mitteln mediterran, wenn auch nicht ganz stilsicher hergerichtet. An den apricotfarbenen Wänden künden Postkarten von Urlauben in „Bella Italia“. Die neuen Holztische sind mit Basilikumtöpfen dekoriert, und wir bemerken belustigt, dass am Fensterplatz der große Johnson-Weinführer neben einem Katalog für Arbeitskleidung liegt. Die Speisekarte zeigt sich ebenfalls vielseitig. Als Vorspeisen werden sämtliche italienischen Klassiker aufgeführt, bei den Hauptspeisen kommt die fisch- und fleischreiche sizilianische Küche zum Tragen. Anders als in den meisten Trattorien in Italien gibt es hier auch eine große Auswahl an Pizzen.

Der Kellner entpuppt sich als Garant für gutes Essen. Wer seinen Tipps folgt, macht es richtig. So ist mein Begleiter von seinen Jakobsmuscheln (8,50 Euro) begeistert. Sie liegen ausgelöst in den Muschelschalen, schmecken wunderbar frisch und nach Meer. Bei meiner Wahl, dem Cocktail di Gamberetti (7,40 Euro), hätte ich die Stirnfalte des Kellners besser deuten sollen. Eine klebrige Cocktailsoße beherrscht alles. Als Hauptspeise habe ich mir die Tagliatelle alla Mario (7 Euro) ausgesucht, eine Spezialität des rundlichen Kochs: Die Bandnudeln mit frischen Champignons und einer Auswahl an gegartem Gemüse sind mit allerlei Gewürzen, Kräutern und einer üppigen Sahnesauce gemischt. Schon nach drei Gabeln gebe ich auf. Mein Begleiter tauscht, grinst und meint: „Das macht Männer satt und glücklich.“

Im Gegenzug bekomme ich sein Lammfilet mit Steinpilzen und Röhrennudeln (18,50 Euro) – und freue mich. Das Fleisch ist zart und rosig und mit frischen Kräutern mariniert. Und die gebratenen Pilze, die uns zuvor auf einem Tablett präsentiert wurden, sind eine Wucht. Der Kellner hatte uns dazu einen „Blasio Cannonau di Sardegna 2005“ empfohlen: „Für 18,50 Euro – ein Geschenk.“ Tatsächlich schmeckt der samtige Rote wunderbar intensiv nach Waldfruchtaromen.

Schon bei unserem ersten Besuch hatten wir die Erfahrung gemacht, dass in der „Trattoria Etna“ weniger mehr ist. So schwärmte mein Begleiter von seinem unverfälschten Carpaccio. Die zarten, blutroten Rindfleischscheiben kommen nur mit etwas Olivenöl, geriebenem Parmesan und Rucola daher. Auch an meinen Antipasti aus der Vitrine gab es nichts zu meckern, die Tomatenpaprika schmecken gar nach sizilianischer Sonne. Auch bei diesem Besuch hatte die Tagesempfehlung das Rennen gemacht. Die Doradenfilets (13,50 Euro) für meinen Mitstreiter hatten eine zarte Kruste vom Braten und wurden mit Tomatenwürfeln serviert. Der Beilagensalat indes war ein schlichtes Werk aus Eisbergsalat und anderer Rohkost zum Selbstanmachen.

Ich hatte mit den Saltimbocca alla Romana (11,50 Euro) noch einmal einen Klassiker probiert – und gut daran getan. Die dünnen Kalbsschnitzel mit Schinken und Salbeiblättern waren saftig und aromatisch; nur die Soße erinnerte doch sehr an Fondor. Eigentlich ist ja nach zwei Gängen sizilianischer Opulenz kein Platz mehr für eine Nachspeise. Aber aus Neugier – und weil der Kellner es anpries – steckten wir unsere Löffel dann doch noch in eine Portion Tiramisu (4 Euro). Das wiederum war vollkommen.

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