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Restauranttests So gut schmeckt das Frühstück im Seven Sundays
Mehr Essen & Trinken Restauranttests So gut schmeckt das Frühstück im Seven Sundays
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14:20 31.08.2018
Frühstück bis zum Abend: Efthimios Eleftheriadis (l.) im Frühstücksrestaurant The Seven Sundays in der Osterstraße. Quelle: Villegas
Hannover

Eine Schlange hat sich vor The Seven Sundays in der Osterstraße gebildet. Zugegeben, es ist eine kurze Schlange. Nur zwei, drei Parteien, die auf einen Sitzplatz warten. Aber die Schlange dürfte in nächster Zeit noch länger werden. Das liegt einerseits an der Kapazität: Das erst im Juli eröffnete Lokal (mit schlichtem, modernem Design und großen Panoramafenstern zur Straßenseite hin) bietet im Innenbereich nur Platz für 20 Personen. Bei Maximalauslastung dürfte es also schon recht kuschelig werden. Andererseits ist das Restaurant alles andere als eine romantische Konzeptgeburt, bei der am Reißbrett große Pläne mit einem Investor eingetütet und in der Umsetzung dann planlos Tüten mit Fertigware aufgerissen werden. Sprich: Hier sind Knowhow und Herzblut zu spüren. Das wird sich herumsprechen.

Das Menü: Übersichtlich, aber klug

Die Küche weiß auch scheinbar, wie sie möglichst viele Gäste abholt, aber demgegenüber auch, was sie sich zutrauen kann. Das Menü ist übersichtlich, aber klug zusammengestellt, auch sieben vegetarische Gerichte sind integriert. Da gibt es ebenso Egg Burger, wie auch English Breakfast, Müsli oder diverse Pancakes. Klassisch sind die Speisen allerdings nicht aufgebaut. Serviert werden beispielsweise Omelette wahlweise mit Feta, Tomaten und Oliven (7,20 Euro) oder mit Speck, Avocado, Spinat und Mandeln (7,80 Euro). Es gibt Pancakes mit Speck, Ahornsirup und Ei (6,90 Euro) oder mit Banane, Mandeln, Schoko- und gesalzener Karamellsauce (6,30 Euro).

Das Seven Sundays trumpft mit einem pfiffigen Konzept, das Hannover dringender braucht als jeden weiteren Burgerladen: Es gibt Frühstück, auch zum Abendessen.

Wir bestellen die Pancakes mit Beeren, Vanillesahne und Ahornsirup (7,80 Euro) und sind mehr als nur angetan, denn besser lässt sich das kaum machen. Die Pfannkuchen sind goldbraun gebacken, mit lockerem Teig. Johannis-, Heidel-, Brom- und Erdbeeren sind frisch und haben eine ausgezeichnete Qualität. Die tiefsüße Vanillesahne ist zwar weit weg von Luftigkeit, schlägt eher in die Kerbe einer Clotted Cream, aber es passt, es passt einfach alles. Das Gericht ist so makellos wie das hausgemachte Granola (7 Euro), ein Mix aus geröstetem Getreide, Kernen und Saat, das mit Beeren und einem griechischen Joghurt serviert wird, der wegen seines höheren Fettgehalts wesentlich besser schmeckt.

Brioche, Burritos, Bohnenmus

Wir merken, wie wir bei der Qualität zu schweben beginnen, da werden wir wieder geerdet. Ein bisschen zumindest. Wir probieren die Eggs Benedict mit Speck (9,50 Euro) und Eggs Royale mit Lachs (11,50 Euro). Bemerkenswert sind zwar die Eier, die nach dem Prinzip der japanischen Onsen-Eier (zwischen 60 und 70 Grad) gegart werden – das Eigelb wird dadurch wachsweich, das Eiklar fast geleeartig –, und auch das süßlich-knusprige Brioche, auf dem die Hauptzutaten arrangiert werden, ist exzellent. Es ist allerdings recht dick geschnitten und fällt im Verhältnis der Zutaten etwas zu üppig aus. Die „homemade“ Hollandaise ist aufmontierte Fertigware, auch bei der Salatsoße wurde zu einem (ordentlichen) Convenience-Produkt gegriffen.

Köstlich ist der Breakfast Burrito (8,50 Euro). In eine Weizentortillla wurden Rührei, Käse, Tomaten und Avocado eingeschlagen. Würze bringen ein Mus aus Kidney-Bohnen, das mit etwas Knoblauch angesetzt wurde. Dazu kommen kleine Stückchen vom dunkel gebratenen Speck, der fast wie ein dominantes Gewürz aus der Kombination hervorsticht. Gut schmeckt auch das Grilled Sandwich (6,80 Euro) mit Sauerteigbrot, drei Käsesorten (Gouda, Feta und Cheddar) und Tomate. Wobei hier eine zusätzlich pikante, herbe oder fruchtig-säuerliche Note (Pfeffer aus der Mühle, eingelegte Jalapenos oder nur etwas Relish) wahre Wunder bewirkt hätte.

Zum Abschluss einen Espresso-Martini-Cocktail

Einwandfrei sind die beiden Smoothies, die auf Eis serviert werden. Der Grüne Smoothie (4,30 Euro) wird mit Spinat, Banane, Orangensaft und Avocado zubereitet. Letztere Zutat verleiht dem Getränk eine fast unverschämte Cremigkeit. Der Rote Smoothie (3,90 Euro) wird mit Beeren, Ahornsirup, Banane und Orangensaft zubereitet. Das hohe Qualitätsdenken der Betreiber ist auch dem exzellenten Kaffee und Tee (Teehaus Ronnefeldt, gar Seeger?) anzumerken. Außerdem bietet das Lokal auch drei Cocktails an. Wir schlürfen einen herrlich cremig-herb-süßlichen Espresso Martini (9 Euro) und sind glücklich – mit diesem Drink und einem ordentlichen Frühstück kann der Abend beginnen.

Fazit

Ein pfiffiges, ambitioniertes Konzept, in dem viel Herzblut der Betreiber steckt. Klasse! Gesamt 8/10 (Küche 8, Service 8, Ambiente 8)

Kontakt

The Seven Sundays,

Osterstr. 34 

30159 Hannover 

Telefon: (0511) 59204885

E-Mail: social@thesevensundays.de

Internet: www.thesevensundays.de

Öffnungszeiten: Mo.-So. 9 - 18 Uhr

Barrierefreiheit: ja

Von Hannes Finkbeiner

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