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Restauranttests So gut schmeckt es in der Kokenstube
Mehr Essen & Trinken Restauranttests So gut schmeckt es in der Kokenstube
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00:19 08.10.2018
Küche unter neuer Leitung: Am Herd der Kokenstube ist jetzt Ingo Bockler der Mann fürs Feine. Quelle: Moritz Frankenberg
Burgwedel

In dem tiefen Teller, nur zu Hälfte gefüllt, kommt uns unsere Geflügelkraftbrühe mit Gemüsestreifen (9 Euro) wie ein Fettäuglein vor. Aber man kann sich ja täuschen. Also zählen wir beim Essen mit. Es sind insgesamt 19 Löffel, sofern man den Teller bei den letzten beiden Löffeln schräg hält. Ja, richtig, nach Knigge ist das ja nur so halb erlaubt, aber wir sind Schwaben und obendrein hungrig. Also, Teller schräg, letzter Rest Suppe auch noch rein, ergibt umgerechnet 47 Cent pro Löffel. Gut, ein Tässchen von Paul Bocuse berühmter Trüffelsuppe kostet das Zehnfache, aber uns kommt der Preis dennoch sehr hoch vor, auch wenn die Brühe ganz ordentlich schmeckt. Außerdem sind die paar Würfelchen Hühnerbrust, die in der Brühe schwimmen, trocken und körnig. Saftiges Keulenfleisch ist eben als Suppeneinlage grundsätzlich besser geeignet.

In der Burgwedeler Kokenstube, dem Restaurant von 96-Klubchef Martin Kind, hat nach einem Wechsel in der Küche jetzt Ingo Bockler das Sagen am Herd. Sein Lunch war solala, sein Dinner ein Gewinner.

Wir sind zum Lunch in der Kokenstube in Großburgwedel – dem Restaurant im Hotel von Hannover-96-Clubchef Martin Kind. Seit August verantwortet hier Ingo Bockler den Herd, ein Mann mit Erfahrung in der Spitzen- und Sternegastronomie. Unsere Erwartungen sind also hoch, aber auch das folgende Hauptgericht überzeugt uns nicht: Die Königsberger Klopse (19,50 Euro) lassen sich eher würfeln als rollen, dem (grundsätzlich schmackhaften) Kalbsfleisch fehlt Salz, es finden sich einige Knorpel in der Hackmasse, und die Rote Bete des begleitenden Salats ist so matschig gekocht, dass sie beim Einstechen mit der Gabel zerfallen. Am Nebentisch hören wir ein Paar flüstern: „Die Karte ist ja nicht so spannend.“ Und wir können der Kritik bedingt zustimmen. So richtig haut uns die Auswahl von Schnitzel mit Bratkartoffeln und Gurkensalat bis hin zu Penne mit getrockneten Tomaten und Basilikum auch nicht vom Hocker. So. Und jetzt machen wir eine beherzte Rolle rückwärts.

Volltreffer am Abend

Denn bei unserem zweiten Besuch finden wir uns an einem lauen Spätsommerabend auf der Terrasse wieder. Die nervigen Geräusche von der naheliegenden Autobahn blenden wir aus und konzentrieren uns lieber auf die wundervolle Fachwerkkulisse des Kokenhofs, die akkurat gestutzten Hecken und das Plätschern eines Brunnens. Und wir konzentrieren uns auf das Menü, das am Abend nicht mit der Mittagskarte zu vergleichen ist. Es gibt kalte Tomatenessenz, Gemüseterrine mit Wildgarnelen, Lasagne mit Spinat, Tomaten und Pinienkernen, es gibt geschmorte Ochsenbacken oder pochierten Kabeljau, es gibt Mangosorbet mit Champagner oder Topfenknödel mit Zwetschgen. Die Speisenauswahl ist mit 16 Gerichten zwar recht übersichtlich, aber (wie auch die internationale Weinkarte) gut konzeptioniert, und hält ebenso für Fleisch- und Fischliebhaber, wie auch für Vegetarier ein ansprechendes Angebot bereit.

War der Chef nicht da?

Und wenngleich wir nicht wissen weshalb – war der Chef bei unserem ersten Besuch nicht im Haus? – ist auch die Qualität des Essens nicht mit dem Lunch vergleichbar! Schon der Gruß aus der Küche, ein kleines Stückchen Quiche mit Zwiebeln, Speckcrumble, Schmand und Rote-Bete-Sprossen, beweist, dass hier gut gekocht wird. Besonderes Fingerspitzengefühl zeigt dann aber der gebeizte Lachs mit Avocado (21 Euro). Eine Kombination, die zwar landauf, landab immer wieder zu finden ist, aber hier mit Ingwergelee und Rettichcreme in ein neues Licht gerückt wird. Clou ist dabei der fein gehobelte Granny Smith, der unter die fein geschnittene Avocado gearbeitet wurde, und so das dichte und intensive Aroma von Fettfrucht und Fisch puffert. Großartig. Exzellent auch die gebratenen Jakobsmuscheln (26 Euro), deren Geschmack mit den buttrig-erdigen Noten von Steinpilzen und einem herb-frischen Pesto delikat eingebettet wurde – zugegeben, bei dem Preis auch ein Muss.

So geht es auch bei den Hauptgerichten weiter: Die Lachsforelle mit Sauerampfersoße, Spinat, Pinienkernen und Kartoffelpüree (26 Euro) ist ebenso mustergültig zubereitet worden, wie auch die Lammhüfte mit feinsäuerlicher Senfkruste, Bohnen und Bohnenpüree (28 Euro). Es schmeckt schlichtweg großartig. Alles. Und weil uns am Ende diesen tollen Abends so leid tut, was wir am Anfang unseres Textes über die arme Hühnersuppe schreiben müssen, bestellen wir uns zum Dessert ein formidables Honig-Sauerrahmeis mit marinierten Beeren (11 Euro) und eine Erbsenschotensuppe mit Sommertrüffeln (9,50 Euro). Und beenden diese Kostprobe frei von jeder Erbsenschotenzählerei.

Fazit

Das Abendmenü hätte von uns glatt 9 Punkte bekommen und bleibt uns in Erinnerung. Das Mittagessen leider nicht. Gesamt 7/10 (Küche 7, Service 7, Ambiente 8)

Kontakt

Restaurant Kokenstube, Hotel Kokenhof

Isernhägener Straße 3, 30938 Großburgwedel

Telefon: (0 51 39) 803 - 0

E-mail: info@kokenhof.com

Internet: www.kokenhof.com

Öffnungszeiten: Mo bis Fr, 12:00 bis 14:30 Uhr, 18:00 bis 21:30 Uhr,

Sa, 18:00 bis 21:30 Uhr, So geschlossen

Barrierefreiheit: ja

Von Hannes Finkbeiner

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