Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Restauranttests So schmeckt es auf dem Street Food Festival
Mehr Essen & Trinken Restauranttests
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:43 12.05.2018
Mary Hänel (l.) und Teresi Ndulu (r.) bieten kenianische Eintöpfe an. Das Krokodil-Zebra-Gulasch wird mit Ananas, Mango, Papaya und Guave zubereitet. Quelle: Tim Schaasrschmidt
Anzeige
Hannover

Manchmal werden Sauen nicht nur durchs Dorf getrieben, sondern die Viecher auch gleich geschlachtet und verzehrt: Pulled Pork ist so eine Erscheinung, die sich vor einigen Jahren rasant, ja fast inflationär, verbreitet hat. Auf dem Street Food Festival auf dem Schützenplatz gibt es die saftig-würzige Spezialität natürlich auch. Am einen Stand im Wrap eingerollt, am anderen im Sandwich oder Bun verpackt. Apropos Bun. Es gibt hier viele Burger. In groß und klein. Mit Rind, Wild, Garnele, Huhn, Känguru oder Strauß. Mit Käse, Speck, Chilis, diversen Soßen, kurz: Wer Lust auf einen Burger und eine eisgekühlte Bierspezialität hat, wird glücklich bei der Veranstaltung, die von sich behauptet „Europas größtes Street Food Festival“ zu sein – stellenweise mit dem nicht unerheblichen Zusatz: „größtes Festival auf Tour“.

Vielleicht ist es auch die Außenkommunikation des Veranstalters, weswegen wir zunächst irritiert sind. Auf der Facebook-Seite steht beispielsweise, dass es „ein großes Kinderland mit Wasserbällen, Bungee-Trampolin, Kinderschminken und den vielfältigsten Eisvariationen“ gäbe. Was vielleicht im Kontext nicht ganz klar wird: Diese Sachen bilden das Kinderland. Nennt man so etwas „Land“ oder „groß“? Trampolinspringen kostet übrigens fünf Euro, ein Figurenluftballon schlägt mit bis zu neun Euro zu Buche. Und wenn im sogenannten „Kulturbeitrag“ für drei Euro (manche nennen das Eintritt) nicht einmal die Toilettennutzung inbegriffen ist, darf schon die Frage gestellt werden, ob die Veranstalter nicht vor allem in ihrer Wortwahl großzügig sind.

Zur Galerie
Das Street-Food-Festival macht vier Tage in Hannover Station – und bietet Exotisches von Käse-Maniok-Bällchen bis zu Burgern mit Straußenfleisch und Whiskeyzwiebeln.

Nach einem Rundgang über das Areal haben wir auch das Gefühl, die „Hunderten exotischen Gerichte aus aller Welt“ übersehen zu haben. Die „kulinarische Weltreise durch alle Länder und Kontinente“ kommt uns schlichtweg etwas lückenhaft vor, aber Erdkunde war auch nie unser bestes Fach. Vielleicht hilft Mathematik. Wir schauen auf das Online-Standverzeichnis des Veranstalters. Dort sind zwar 75 Austeller aufgeführt, aber die Liste ist so lückenhaft wie unser Empfinden. Es fehlen Zahlen in der Reihe. In Wahrheit sind es 64 Stände. Zieht man davon noch die essensfernen (Bühnen, Kinder) ab, sind wir bei 59. Getränke (Bier, Smoothies, Cocktails etc.) schlagen mit 10 Ständen zu Buche, Sachen zwischen zwei Gebäckhälften (Burger, Wraps, Sandwichs, Hot Dogs etc.) mit rund 16. So wird es übersichtlicher.

Zwei Stände bieten auch Insekten an

Die tolle Nachricht: Trotz gelegentlicher Wartezeit scheinen die knapp 50 Stände und Trucks, die Essen anbieten, durchweg was von ihrer Arbeit zu verstehen. Und da ein Magen ja auch nur begrenztes Fassungsvermögen besitzt, dürfte jeder Besucher etwas finden, dass ihn satt und glücklich macht, denn auch Entdeckungsfreudige kommen auf ihre Kost. Bei dem Stand von Mary Hänel etwa, die Afrikanische Eintöpfe bietet, in denen die kenianischen Gewürzmischungen und Fleischsorten wahrhaft tolle Abwechslung bieten. Beim süßlich-herzhaften Krokodilgulasch (9 Euro) zum Beispiel, das mit Ananas, Mango, Papaya und Guave zubereitet wird. Bei den Gewürzen steigen uns Ingwer und Cumin die Nase, das Fleisch erinnert vom Kaugefühl an Hühnchen. 

Zwei Stände bieten auch Insekten. Die Tierchen sind sehr knusprig, schmecken entfernt nussig. Hochgenuss ist das keiner, aber allemal eine Erfahrung. Gut sind die Tacos von El Fuego. Beim Cheesy Chicken (7 Euro) wird die knusprige Tortilla aus Cheddar und Gouda zubereitet. Exzellent schmeckt die klassisch aus Maismehl zubereitete Tortilla mit würzigem Chili con Carne (6 Euro) – wer um einen Löffel mehr vom würzigen Zwiebel-Tomaten-Mix bittet, tut dem Geschmack etwas Gutes. Beim einzigen Asia-Stand des Festivals (Kungfood Tee & Restaurant) schmeckt das panierte Hühnerfleisch (9 Euro) mit Knoblauch, Ingwer oder Sesam ganz ordentlich. Die chinesischen Maultaschen mit Huhn (7 Euro) sind Fertigware.

Ein herrlicher Snack findet sich bei Hawelka’s Brasilien Klassiker: Die selbst gemachten Kartoffelbällchen mit einer Füllung aus Spinat, Mozzarella oder Huhn sind exzellent zubereitet, dazu gibt es einen feinen Schmand mit Knoblauch und Senf. Eine Wucht ist das knusprige Panino mit Parmaschinken, Gorgonzola-Creme, Rucola und Dosenbirnen (6 Euro) von Ini Panini – dazu ein Glas eisgekühlter Weißwein und es bleibt kein Wunsch offen, außer vielleicht die Lust auf ein Dessert. Es gibt Waffeln, Frozen Yoghurt oder auch Poffertjes. Beim Wiener Strudelhaus werden unter anderem Apfel- und Heidelbeer-Quark-Strudel mit Vanilleeis oder -soße (je 4,50 Euro) angeboten. Die Spezialitäten sind zwar Fertigwaren, aber von sehr guter Qualität. Richtig großartig sind außerdem die selbst gemachten Eis am Stiel (3 Euro) von Viva Paleta, die ohne Zusatz- oder Konservierungsstoffe zubereitet werden. Frisch und hochfein ist die Variante Limone-Ingwer, cremig und fruchtig kommt Brombeer-Joghurt- Honig daher. Zusätzlich gibt es auch Cocktailvarianten. Beim Watermelon-Mojito ist die Komposition regelrecht karibisch, die Temperatur des Eises arktisch – so gesehen wird es am Ende doch noch eine Weltreise. Wer weiß.

Street Food Festival Hannover, Schützenplatz, Bruchmeisterallee 1a, 30169 Hannover. Das Festival dauert noch bis einschließlich Sonntag. Öffnungszeiten: am heutigen Sonnabend von 11 bis 22 Uhr, am Sonntag von 11 bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet 3 Euro (Kinder unter 14  Jahren kostenfrei).

Von Hannes Finkbeiner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wir bestellen am selben Abend bei drei unterschiedlichen Bringdiensten unser Essen. Am Ende überzeugt uns fast ein wenig klischeehaft: die Pizza, geliefert vom Bistro-Bringdienst da Toni.

28.04.2018
Restauranttests Berufsbildenden Schule 2 Hannover - So gelingt eine Sauce Hollandaise

Die klassische Begleitung zu Stangenspargel ist eine Holländische Soße. Bei der Zubereitung gibt es einiges zu beachten. Ein Blick ins Schulbuch.

27.04.2018

Das Zeitfür ist das neue Landtagsrestaurant im Leineschloss. Die schicke Location hat Riesenpotenzial. Aber Feinschliff fehlt noch, findet HAZ-Feinschmecker Hannes Finkbeiner.

16.04.2018
Anzeige