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Restauranttests So schmeckt es bei Viet Cuisine an der Limmerstraße
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20:31 30.03.2018
Inhaber Le Huy Anh mit dem vietnamesischen Nationalgericht Bun Cha La Lot (gefüllte Betelblätter). Quelle: Villegas
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Hannover

  Von der Portionsgröße der Suppe Pho Bo sind wir wirklich erstaunt: Für den Preis von 5,50 Euro würde bei Streetkitchen Viet Cuisine in Linden auch ein Feldarbeiter satt. Auch von der würzigen Brühe, den ordentlichen Reisnudeln und den gesottenen Rindfleischscheiben sind wir angetan. Es sind die Feinheiten, bei denen wir uns murren hören: Die großen Stücke rohen Ingwers machen uns keine Freude, die Zwiebeln sind nur kurz gedünstet, haben Biss, bringen aber ansonsten keine Geschmacksaufwertung. Und die Limettenscheibe, die auf der Oberfläche dahintreibt, erzeugt mehr Bitternis durch die Schale als Frische durch den Saft. Authentisch ist das nicht, blickt man einmal frühmorgens in eine Garküche Hanois. 

Die traditionelle Frühstückssuppe der Nordvietnamesen wird dort stets mit vielen frischen Kräutern wie Minze und Koriander serviert. Dort steht in der Tischmitte auch immer ein Sieb mit geschnittenem Blattsalat. Es gibt Limettenschnitze (zum Ausdrücken) und Chilis, die einen das Fürchten lehren. In der Suppe finden sich oft geschmälzte Zwiebeln, die der Kreation kontrastreiche Süße und Röstaromen beisteuert. Meist sind Erdnüsse dabei. Wer wünscht, bekommt als Topping gehacktes Ei, Lauchzwiebeln oder sogar Innereien. Schon klar, wir sind hier in Hannover und nicht in Hanoi, aber etwas mehr Enthusiasmus hätte dem Nationalgericht sicher gut getan – zumal die meisten Zutaten jeder gut sortierte Supermarkt bietet.

Eindrücke aus dem beliebten vietnamesischen Imbiss an der Limmerstraße.

Beim Bun Bo Xao Sa und Bun Cha La Lot (jeweils 5,50 Euro) ist die Machart ähnlich, die Bilder der Gerichte in der Speisekarte haben allerdings herzlich wenig mit der Realität zu tun. Dafür ist der Geschmack gut. Bei beiden Gerichten finden sich Reisnudeln, Erdnüsse, Minze, Salat und Röstzwiebeln (aus der Dose?) in einem kräftigen Sud. Das erste Gericht wird mit gebratenem Rindfleisch serviert, das zweite Gericht mit ganz vorzüglichen Hackfleischbällchen in Betelblättern eingeschlagen – ein Klassiker der vietnamesischen Küche und ein tolles Geschmackserlebnis: Das ganz eigene, pfeffrig-frische Aroma der Blätter passt hervorragend zu dem würzigen Hackfleisch. Für Entdeckungsfreudige sehr zu empfehlen!

Neuer Tag, neues Glück

Trotz aller Kritik: Wir sind mit dem Imbiss bis hierhin ganz zufrieden, auch angesichts der Preise. Es wirkt nur alles ein wenig schluderig und lieblos. Oder liegt das vielleicht nur an Tag und Uhrzeit? Es ist nämlich Sonnabend, 13 Uhr. Und in dem kleinen Lokal trampeln sich die Leute auf den Füßen. Erhöhtes Gästeaufkommen? Hakt es daran? Wäre jedenfalls eine Erklärung. Also kommen wir an einem Montag wieder. Kurz nach 12 Uhr treten wir durch die Türen, haben aber das Gefühl, es sei noch Wochenende. Einige Leute stehen sogar Schlange, um einen Sitzplatz zu ergattern, was sehr viel über die Beliebtheit des Imbisses aussagt.

Für den Glasnudelsalat (5,50 Euro) hat das Küchenteam zwar mit Freude zur Flasche mit Fischsoße gegriffen, aber im Zusammenspiel mit knackigem Weißkohl, Möhren, Minze, Röstzwiebeln, Erdnüssen und Hühnchen lässt sich dieses Mal nicht meckern: Es ist besser als am Wochenende. Beim Fisch in Tamarinde (6 Euro) entspricht die Qualität des Rotbarsches zwar dem Preis, die Soße erinnert auch eher an ein gelbes Curry, als an eine substanzielle Tamarindensoße, aber geschmacklich ist auch dieses Gericht gut gemacht, mit schöner Schärfe und vielen Kräutern. Klasse ist auch das Glas Nuoc Chan Da (2,80 Euro), frischer Limettensaft mit Zucker. 

Unser Favorit bleibt an diesem Tag aber das vegetarische Dau Xao Dua (5,50 Euro). Dahinter verbergen sich knusprig ausgebackene Tofuwürfel, die in einem herrlich würzigen, lauwarmem Sud aus Reisessig, Fischsoße, Chili und Knoblauch liegen. Dazu kommt allerhand Beiwerk: Frische von Koriander und Lauch, Röstnoten von Sesam und Knoblauch, Süße von Ananas. Auch nach der zehnten Gabel entdecken wir noch neue Nuancen. Am Ende sind wir satt, aber nicht überfressen. Und rundum zufrieden.Dazu muss man auch nicht in Hanoi sein. Glücklicherweise.

Fazit: Liebe zum Detail haben wir bei Streetkitchen nur bedingt gefunden, aber der Geschmack ist gut, die Portionen groß und die Preise fair. Von 10 Punkten erhält der Vietnamese für das Essen 6, für den Service 6 und für das Ambiente ebenfalls 6 Punkte. 

Weitere Informationen 

Streetkitchen – Viet Cuisine, Limmerstraße 26 30451 Hannover

Telefon: (05 11 ) 98 63 88 34

E-Mail: streetkitchen_vietcuisine@ymail.com

Internet: www.streetkitchen-viet-cuisine.de

Öffnungszeiten: So bis Do: von 12 bis 22 Uhr, Fr und Sa: 12 bis 23 Uhr

Barrierefreiheit: nein 

Von Hannes Finkbeiner

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