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Restauranttests Weinbasis – eines der besten Restaurants der Stadt
Mehr Essen & Trinken Restauranttests Weinbasis – eines der besten Restaurants der Stadt
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00:16 13.11.2018
Wohl eines der besten Restaurants der Stadt: Sebastian Wilkens und Dennis Thies von der Weinbasis. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Alle Jahre wieder, kurz bevor die ersten Restaurantführer erscheinen, brodelt die Gerüchteküche: Wo müsste es, wo könnte es, wo sollte es in der Bewertung nach oben oder unten gehen? Herrliche Zeit! Ein Kaffeeklatsch ist nichts dagegen! Und da tratschen wir auch gerne mit! Schon in drei Tagen erscheint nämlich der neue Gault-Millau und wir finden, dass beispielsweise das Gasthaus Müller in Göxe (14/20 Punkte) deutlich unterbewertet ist, genauso wie die jungen, innovativen Feinschmeckerkonzepte des Jante (15/20 Punkten). Auch die Ole Deele in Großburgwedel könnte aufgewertet werden, wird gemunkelt.

Ebenfalls 15 Punkte hat die Weinbasis von Koch Dennis Thies und Sommelier Sebastian Wilkens. Hier machen wir heute auch Rast. Und klar, bei dem Lokalnamen blättern wir zunächst in der Weinkarte und möchten sie gar nicht mehr aus der Hand legen: In der Lektüre werden Liebhaber von großen Namen (Haut-Brion, Rothschild, Cos D’Estournel) ebenso fündig, wie auch Freunde von Besonderheiten. Es gibt Spezialitäten aus dem Jura oder weißen Châteauneuf-du-Pape. Es gibt saftige Pinotages und cremige Chardonnays aus Südafrika, es gibt fruchtigen Muskateller aus der Steiermark, würzigen Cabernet Sauvignon aus der Pfalz, frischen Sauvignon Blanc aus Menetou-Salon und, und, und – und das Beste: die Preise beginnen bei 27 Euro.

Gastrokritiker Hannes Finkbeiner war in der Weinbasis in der Lärchenstraße – und hält das Restaurant für eines der besten in Hannover.

Unser Menü besteht an diesem Abend aus fünf Gängen für 63 Euro, inkl. kleiner Häppchen vorweg (hausgebackenes, köstliches Blutwurstbrot oder Sellerieschaum mit Trüffeln) und feinem Süßkram hintendrein (Passionsfrucht-Pralinen oder Kürbiskernschokolade). Klar, die Küche muss bei diesem Preis haushalten, kann nicht auf jeden Teller Kalbsfilet, Steinbutt und Hummer häufen, aber das braucht es auch gar nicht. Thies holt auch aus lauwarmen Karotten viel heraus, indem er sie mit gepickeltem Blumenkohl, Kräutern und einem unverschämt wachsweichen Eigelb in Szene setzt. Oder indem er eine Kürbissuppe mit feinem Kürbisöl-Schaum krönt. Herrlich ist auch der Bananensplit mit feiner Schokomousse, Bananengel und -eis.

Einen Hauch Luxus gibt es bei einer würzig-sämigen Käsesoße auf Basis von Vacherin Mont-d´Or, die der Koch mit erdigen Sommertrüffeln, La Ratte-Kartoffeln und herber Schafsgarbe bespielt. Bei unserem zweiten Besuch probieren wir Garnelen mit Wakame und Sesam (14,50 Euro), trinken dazu ein Glas herausragenden, cremigen Silvaner (6 Euro). Zur feinen Rotbarbe mit Thymian-Mousseline mit Pilzen und getrockneten Tomaten (29 Euro) serviert uns Wilkens einen goldfarbenen Petro Ximénez (6 Euro). Ein Wein mit Noten von Trockenfrüchten, Kräutern, sogar Weinbrand – ein kantiger Geselle, ohne Frage, der aber in Kombination mit den buttrigen Noten des Gerichts seine vornehmste Seite offenbart. Einfach klasse.

Also nichts zu bemängeln in der Weinbasis? Doch. Hätten wir die Möglichkeit, würden wir den grundsympathischen Kellnern einen weniger förmlichen Service anempfehlen. Wir würden auch das Küchenteam bitten, bei der Gemüsequalität voll aufzudrehen, und zusätzlich einen Experimentierkasten mit Gewürzen aus aller Welt spendieren, damit manche Gerichte ihr volles Potenzial entfalten können. Und wir würden das riesige Wandgemälde mit Rebstöcken überstreichen, das uns an einen Themenrestaurant im Erlebnispark erinnert, womit die Weinbasis dann aber nicht mehr der Laden von Thies und Wilkens wäre, sondern der von Finkbeiner – du lieber Himmel! Dann würden wir am Ende an unseren eigenen Maßstäben gemessen!

Das wollen wir nun wirklich nicht erleben. Deswegen bleiben wir lieber auf unserer Seite des Tisches, die ist sicherer, und geben der unkomplizierten Wohlfühlküche in Kombination mit den ausgesuchten Weinen 9 von 10 Punkten. Und weil wir obendrein den Hut vor der tollen Preispolitik und dem zugänglichen Küchenstil ziehen – Punkte, die jedem Genusswilligen die Türen weit aufstoßen! –, ergibt das umgerechnet etwa 24 Punkte im Gault-Millau, 7 Sterne im Guide Michelin und macht die Weinbasis damit doch glatt zum besten Restaurant der Welt! Gut, das war jetzt übertrieben. Nach unserer Rechnung ist die Weinbasis aber eines der besten Restaurants der Stadt. Und das ist nicht übertrieben.

Fazit: Feine, unkomplizierte Küche, die vom Gast nicht viel abverlangt, außer sich genießerisch zurückzulehnen. Dazu lockt die hochspannende Weinauswahl. Gesamt 9/10 (Küche 9, Service, 8, Ambiente 8)

Kontakt: WeinBasis, Lärchenstraße 2, 30161 Hannover; Telefon: 0511-89711735; Internet: www-wein-basis.de; Öffnungszeiten: Di bis Sa, 18 bis 24 Uhr (Küche bis 22 Uhr)

Von Hannes Finkbeiner

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