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17:32 27.05.2016
Hannovers Persönlichkeiten im 17. Jahrhundert

Versprochen: Keine Frage dazu, wie Oberbürgermeister Stefan Schostok die Arbeit seiner Vorgänger Stephan Weil und Herbert Schmalstieg bewertet. Und auch keine Frage an sie, was sie von dem neuen Verwaltungschef halten. Alle drei würden ausweichen, denn es ist eine ungeschriebene Vereinbarung: sich nicht einmischen. Miteinander reden, aber nicht übereinander. Schostok, Weil und Schmalstieg verabreden sich privat höchst selten, treffen sich aber bei Terminen der Stadt, des Landes, von Verbänden, ihrer Partei, der SPD, oder bei großen Events regelmäßig. Und so unterschiedlich diese drei Männer sind, die Liebe zur Stadt eint sie.

Synonym für die Stadt

Drei Oberbürgermeister – aber keine drei Generationen. Herbert Schmalstieg ist mit seinen bald 73 Jahren der älteste. Und der erfahrenste. 1972 trat er als damals jüngster Oberbürgermeister einer bundesdeutschen Großstadt sein Amt an. Als er fast 35 Jahre später, 2006, in den Ruhestand ging, war er der dienstälteste Oberbürgermeister Deutschlands. Dazwischen lag eine Verwaltungsreform (bis 1996 gab es noch eine Zweigleisigkeit mit einem Oberstadtdirektor als Verwaltungschef im Rathaus) und zwei gewonnene Direktwahlen. Bei der einen stand nicht einmal sein Name auf den Plakaten, sondern einfach nur „Der Hannoveraner“. Schmalstieg war zum Synonym für die Stadt geworden, die vor allem durch sein Engagement die Weltausstellung Expo 2000 ausrichtete. Die in der Partnerschaft mit Hiroshima eine der lautesten Stimmen im Friedenseinsatz von weltweit 1000 Städten wurde. Das registrierte sogar die UNO-Vollversammlung und gewährte Hannovers OB und seinem Amtskollegen aus Hiroshima als einzigen Oberbürgermeistern in New York das Wort.

Schmalstieg steht für eine weit über die Landesgrenzen beachtete Integrationspolitik, für den Kampf um Menschenrechte. Aber auch für Verwaltungsreformen und den Abbau von Bürokratie, den Kampf um den Erhalt von Arbeitsplätzen, das Stadt-Land-Kulturabkommen. Er, der die Stadt kennt wie kaum ein anderer, hat auch Nachwuchstalente schnell ausgemacht. Seinen Nachfolger Stephan Weil schlug er 1997 als Stadtkämmerer vor. 2006 wurde Weil im ersten Wahlgang als OB gewählt. Im Januar 2013 gab er das Amt auf, wurde Ministerpräsident.

Kluge Investitionen

Sechs Jahre nur Oberbürgermeister von Hannover – da könne man keine großen Spuren im Vergleich zu Schmalstieg hinterlassen, sagt Stephan Weil oft. Wohl wissend, dass das anders ist. Der heute 57-Jährige schaffte einen Kraftakt: die Finanzen konsolidieren und mit klugen Investitionen die Stadt attraktiv für die Zukunft gestalten. Das brachte ihm Anerkennung ein. Sogar der Chef der hannoverschen CDU, Dirk Toepffer, der 2006 mit Weil um das OB-Amt konkurriert hatte, bescheinigte ihm, dass er die Stadt ordentlich verwaltet habe, „ohne Skandale, ohne große Fehler“. Von den bisher neun Haushaltssicherungsprogrammen hat Weil als Stadtkämmerer und OB sieben mitgestaltet. Diese sieben entlasteten den Stadthaushalt um 513 Millionen Euro, wobei der größte Brocken mit 321 Millionen auf Sachkosten entfiel. In der Verwaltung abgebaut wurden 1240 Stellen; die Personalkosten sanken um 76 Millionen Euro. Steuererhöhungen für den Bürger machten im selben Zeitraum lediglich 23 Millionen Euro aus.

Die Rotstiftpolitik hat – das geben auch Kritiker zu – der Stadt nichts von ihrer Attraktivität genommen. In einigen Bereichen waren sogar Steigerungen möglich. 96-Fan Stephan Weil erinnert sich gern daran, wie er den Umbau des damaligen Niedersachsenstadions für die Fußball-WM 2006 managte. Unter ihm fiel die Entscheidung für die Ansiedlung des europäischen Tierimpfstoffzentrums des Pharmariesen Boehringer, den Bau des Schlosses in den Herrenhäuser Gärten, den Anbau des Sprengel-Museums. Das, so sagt er, „eine Fankurve für die Kunstfreunde“ sei. Nicht nur Sport und Kultur, auch die City hat sich positiv verändert. Stadtentwicklung hatte schon Schmalstieg von Anfang an im Blick. Als erste deutsche Stadt hatte sich Hannover 1972 mit einem Stadtentwicklungsplan beschäftigt und ausgehend von wissenschaftlicher Bewertung die Weichen für die eigene Zukunft gestellt. Unter Weils Regie entstand der Dialogprozess City 2020 mit den Visionen für eine attraktive Umgestaltung der Innenstadt. Stefan Schostok, OB seit Oktober 2013, bringt als neuen vorläufigen Höhepunkt das Programm „Mein Hannover 2030“ ein, entwickelt in einer beispiellosen Bürgerbeteiligung.

Bildung und Infrastruktur

Finanzen konsolidieren, den Flüchtlingsstrom nicht nur bewältigen, sondern Tausenden von Neubürgern den Zugang zu Bildung, Arbeit, Integration sichern – das waren gleich zum Auftakt die größten Herausforderungen für den heute 52-Jährigen. Hannover müsse lebens- und liebenswert sein, findet er wie seine Vorgänger und will dafür in ganz großem Stil investieren. Gerade erst hat Schostok mit Stadtkämmerer Marc Hansmann ein Memorandum vorgestellt. Mehr als eine halbe Milliarde Euro sollen binnen zehn Jahren in Bildung und Infrastruktur fließen, in Bau und Sanierung von Kitas und Schulen, in Stadtteilprojekte. Allein drei Grundschulen entstehen neu; ein Gymnasium wird gebaut, acht Kindertagesstätten kommen hinzu; neue Stadtteilkulturtreffs entstehen; und die Stadt leistet mehr für Wohnungsbau. Das alles finanziert die Stadt auch mit neuer Kreditaufnahme. „Muss sein“, meint Schostok. Schließlich wachse Hannover und „als wirtschaftlich solide und sozial sehr ausgewogene Stadt“ sei sie für dieses Programm 500 plus gut gerüstet. Versprechen hin oder her. Zu diesem Kraftakt müssen seine Vorgänger dann doch was sagen. „Eine Stadt ohne Visionen und Investitionen in die Zukunft ist eine verlorene Stadt“, sagt Alt-OB Herbert Schmalstieg. „Jeder Euro, investiert in Hannover tut der Stadt gut und ist richtig“, findet Stephan Weil. Wer würde da widersprechen?

Aus dem hannoverschen Wörterbuch

Keine Lusten

Mit Hauptwörtern geht der Hannoveraner oft eigenwillig um. Anderswo hat man keine Lust, dies oder das zu tun; in Hannover hat man keine Lusten. „Gehste mit in‘e Masch?“ „Keine Lusten heute!“ – Diese originelle und originäre Redensart würde auch heute noch jedem Hannoveraner gut anstehen! Gebraucht sie, wann immer es geht, ehe sie vergessen wird!

Pindopp

Anderswo sagt man Kreisel oder plattdeutsch Küsel, aber die hannoverschen Kinder schlagen Pindopp. Dieser wird mit der Schnur „angemacht“ und dann kunstvoll gepeitscht, sodass er „orntlich“ Sätze macht. Pin ist der Nagel in der Spitze, dem Dopp des Kreisels.

Vera König