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775 Jahre Hannover Wie lebt es sich in Hannover? Erstklassig!
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14:57 27.05.2016
Zauberhaft: Herrenhausen zählt zu Hannovers beliebtesten Orten – und das gilt beim Kleinen Fest ganz besonders. Quelle: dpa

Was ist wohl die Hauptattraktion Hannovers? Geht es nach herkömmlichen Reiseführern oder modernen Travel Guide Apps, liegen die Herrenhäuser Gärten und der Maschsee ganz vorn. Aber zum 775. Geburtstag der Stadt muss das Ranking ihrer Sehenswürdigkeiten vielleicht neu geschrieben werden. Die meisten Hannoveraner sehen auf Platz 1 das Neue Rathaus, gefolgt vom Maschsee und der barocken Gartenanlage mit dem Schloss. Das hat eine Umfrage unter Lesern der HAZ und NP ergeben, entwickelt von den beiden Zeitungen und dem Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Egal, ob Ur-Hannoveraner oder Zugezogener, egal, welches Alter oder Geschlecht – die befragten Hannoveraner lieben das Neue Rathaus. Das auf 6026 Buchenpfählen errichtete Gebäude, das 2013 seinen 100. Geburtstag erlebte, verkörpert den Wandel der Stadt. Über die Freitreppe in der Zentralhalle zur ersten Etage zu gehen, war beispielsweise noch bis in die Fünfzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts ausschließlich Oberstadtdirektor, Oberbürgermeister, Dezernenten und Ratsmitgliedern vorbehalten. Heute gehört auch diese Treppe unter der Kuppel allen Bürgern und wird eifrig genutzt bei Tagen der offenen Tür oder als Kulisse für Hochzeitsfotos.

Hannover ist längst nicht mehr die unterschätzte Schönheit von einst. Sehr zufrieden und zufrieden sind die 2621 Befragten mit Eigenschaften wie Stadt mit viel Grün, Verkehrskreuz des Nordens, sympathische Stadt zum Wohnen, bedeutende Hochschul- und Universitätsstadt und attraktiver Arbeitsort. Der schlechteste Wert ist ein knappes „befriedigend „und gilt dem Ruf als traditionsreiche europäische Metropole. Da ist noch Luft nach oben – spornt aber an und ändert sich auch bereits. Etwa wenn die Bilder vom Messebesuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama weltweit laufen oder wenn sich Bundespolitiker hier treffen wie zur Woche der Brüderlichkeit im März.

Neun von zehn Bewohnern geben ihrer Stadt gute oder sogar Bestnoten. Das hat die Verwaltung gerade dokumentiert mit einer umfangreichen repräsentativen Umfrage zur Bewertung der Lebensqualität in Hannover (siehe Bericht auf Seite 4). Knapp 5800 Einwohner gaben im Zeitraum von September bis Oktober 2015 ihre Einschätzungen ab. Die decken sich überwiegend mit den Ergebnissen der aktuellen HAZ- und NP-Leser-Bewertung. 32,1 Prozent benoten ihre Stadt mit einem „sehr gut“, 45 Prozent mit einem „gut“. Überhaupt nicht zufrieden sind nur 2 Prozent. Wobei, und das ist ein interessantes Detail, Männer ihre Heimatstadt offenbar kritischer sehen als Frauen. Nur 28,7 Prozent der Männer waren zur Bestnote bereit, aber 37,6 Prozent der Frauen.

Unter all den Eigenschaften, die Niedersachsens Landeshauptstadt zugedacht werden, dürfte sich Oberbürgermeister Stefan Schostok mit seinen Mitarbeitern ebenso wie die gesamte Kommunalpolitik über eine Einschätzung besonders freuen: Vielen Bürgern gilt Hannover als erstklassig. Als gastlich, großstädtisch, warmherzig. Hannoveraner unter und über 45 Jahren bewerten ihre Heimatstadt gleichermaßen positiv, wobei die Jüngeren Hannover grundsätzlich als übersichtlicher, sicherer, weltoffener und wirtschaftskräftiger bezeichnen als die ältere Generation. Frauen halten Hannover für lebenslustiger, weltoffener und vielfältiger als Männer. Einige Kriterien dokumentieren aber Handlungsbedarf. Sauberkeit und Sicherheit sind dabei zu nennen. Das allerdings überrascht nicht. Längst haben Verwaltung und Politik Verbesserungsvorschläge auf ihre Todo- Liste gesetzt.

Nicht immer werden die Befragten mit Wünschen nach Verbesserungen auf so offene Ohren stoßen wie in diesem Fall. Die Auswertung dokumentiert vielleicht kein Krachen, aber doch schon ein deutliches Knistern gerade in der Verkehrspolitik. In diesem Bereich punktet die Üstra. Zwei von drei HAZ und NPLesern finden ihren Service sehr gut oder gut. Mit den Bussen und Bahnen, so ihre Einschätzung, kommen sie problemlos überall hin.

Jeder Zweite hält seine Stadt für fahrradfreundlich. Allerdings wünschen sich ebenso viele einen Ausbau der Fahrradinfrastruktur, angefangen bei einem besseren Netz und sinnvoller Ampelschaltung bis hin zu mehr Schnellwegen. Nicht ganz so eindeutig wird der Autoverkehr gesehen. Zu viele Kraftfahrzeuge sind in der City unterwegs, meint jeder Zweite, aber jeder Vierte sieht es genau andersherum. Fast 50 Prozent wünschen sich mehr Parkplätze. Und Ausbesserungen der Straßen halten sogar fast 60 Prozent für dringend geboten.

Zufrieden sind die Befragten, was das kulturelle Angebot angeht. Für etwa die Hälfte sind Theater und Ausstellungen wichtig, knapp 85 Prozent finden Kinos sehr wichtig oder wichtig. 80 Prozent legen Wert auf Pop- und Rockkonzerte, 70 Prozent auf Kleinkunst und Kabarett. Was in der Oper läuft, interessiert nicht ganz so viele. Wichtig sind deren Angebote nur 32 Prozent. Insgesamt messen Frauen dem kulturellen Leben fast durchweg mehr Bedeutung zu als Männer. Hannoveraner über 45 Jahren finden Kultur wichtiger als Jüngere, mit Ausnahme von Diskotheken und Kinos. Als Einkaufsstadt hat Hannover einen sehr guten Ruf zu verteidigen und auszubauen: Unter den umsatzstärksten deutschen Einzelhandelsstandorten bringt es die City auf Platz fünf. Hannover rangiert hier knapp hinter Köln und deutlich vor Düsseldorf. Die Georgstraße zählt zu den attraktivsten Shoppingmeilen Deutschlands. Als wichtigsten Einkaufsbereich sieht fast jeder Befragte die City, gefolgt von der Lister Meile und Linden mit Limmerstraße und Lindener Markt. Natürlich werden auch hier Wünsche laut: weniger Ketten, mehr inhabergeführte Geschäfte, mehr Luxusbrands und ein tolles Boutiquenangebot.

Info

69 % der befragten Hannoveraner sind der Auffassung, dass mehr Geld in das Thema E-Mobilität investiert werden sollte.

Danke für die vielen Tipps und Anregungen. Danke überhaupt an die HAZund NP-Leser für die Bereitschaft, sich an dieser Umfrage zu beteiligen. Sie liefert einen Baustein mehr, Hannover als lebens- und liebenswerte Stadt weiter zu gestalten. Eine Stadt, deren Namen der Dichter Kurt Schwitters folgendermaßen interpretierte: „Hannovers Rathaus gehört den Hannoveranern, und das ist doch wohl eine berechtigte Forderung. Der Unterschied zwischen Hannover und Anna Blume ist der, dass man Anna von hinten und vorn lesen kann, Hannover dagegen am besten nur von vorne. Liest man aber Hannover von hinten, so ergibt sich die Zusammenstellung dreier Worte: ,re von nah‘. Das Wort ,re‘ kann man verschieden übersetzen: ,rückwärts‘ oder ,zurück‘. Ich schlage die Übersetzung ,rückwärts‘ vor. Dann ergibt sich also die Übersetzung des Wortes Hannover von hinten: ,Rückwärts von nah‘. Und das stimmt insofern, als dann die Übersetzung der Wortes Hannover von vorn lauten würde: ,Vorwärts nach weit‘. Das heißt also: Hannover strebt vorwärts, und zwar ins Unermessliche.“

Dieses Loblied auf seine Heimatstadt hat Schwitters übrigens geschrieben, als die Rathaustreppe noch längst nicht frei zugänglich für alle Bürger war!

Vera König