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HAJ Hannover Marathon „Dieses Jahr traue ich Fate Tola den Rekord zu“
Mehr Familie HAJ Hannover Marathon „Dieses Jahr traue ich Fate Tola den Rekord zu“
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14:34 04.04.2018
Zehn Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit: Christoph Kopp ist eines der bekanntesten Gesichter in der deutschen Marathon-Szene. Quelle: Sielski
Hannover

Christoph Kopp ist einer der bekanntesten Köpfe der deutschen Marathonszene. Der gerade 70 Jahre alt gewordene Ex-Sprinter (100 Meter auf Asche in 11,1 Sekunden) war 18 Jahre lang Sportlicher Leiter beim Berlin- Marathon und ist zum zehnten Mal Top- Athletenverpflichter des HAJ Hannover Marathon. Grund genug für ein Jubiläumsinterview, das Christoph Dannowski führte.

Sie begannen hier 2009. Wie hatten Sie den Hannover Marathon vorher wahrgenommen?

Na ja, vom Marathon hatte ich vorher schon einiges gehört. Leider nicht nur Gutes: In der Zeit vor Stefanie Eichel gab es Streckenfehlleitungen, die Organisation war überwiegend in ehrenamtlichen Händen oder wurde eher nebenher gemacht. Das geht bei einer Veranstaltung dieser Dimension natürlich nicht. Mit eichels: Event hat es eine 180-Grad-Wendung zum Positiven gegeben. Es wurde alles professioneller, die Entwicklung lässt sich fast sensationell nennen.

Woran Sie Ihren Anteil haben?

Wir haben die Streckenrekorde auf eine international anerkannte Marke gesetzt, das stimmt wohl. Aber da geht noch mehr. Ich möchte dem Marathon zu meinem Zehnjährigen schon ein Krönchen aufsetzen. Ein Streckenrekord wäre absolut wünschenswert.

Ist es in den zehn Jahren einfacher geworden, Spitzenläufer und Stars nach Hannover zu holen?

Mit Sicherheit. Das Silver-Label hat dazu beigetragen, und es ist natürlich auch eine Frage des Budgets. Das Budget für Top-Läufer konnten wir in der Zeit verdreifachen, das ist ja auch eine wesentliche Voraussetzung für diese Zertifizierungen. Du brauchst zwölf internationale Athleten aus mindestens fünf Nationen. Das sind alles Leute, die nur einen Frühjahrs- und einen Herbstmarathon pro Jahr laufen, sich vier Monate auf jeden Marathon vorbereiten und davon leben müssen. Aber man muss sagen: Mit dem Hannover Marathon kann auch international jeder Läufer, jeder Manager jetzt etwas anfangen. Wir sind eine ordentliche Nummer in der Szene geworden.

 Lässt sich ein Streckenrekord eigentlich organisieren?

Es braucht eine homogene, größere Gruppe bis Kilometer 30, dann vielleicht zwei, drei Ausreißer, die noch bis 35 zusammenbleiben, bevor einer alleine vorne weggeht. Eine schnelle Strecke hatte Hannover ja schon, jetzt wird sie noch schneller, weil einige Kurven und Kehren rausfallen. Zehn bis 15 Grad, trocken und windstill – so wäre das ideale Wetter, wenn wir das nicht haben, ist leichter Regen besser als kräftiger Wind. Und dann sind möglichst viele Zuschauer das Zünglein an der Waage, damit es wirklich klappt.

Sie setzen Ihre Hoffnungen auf die Neu-Hannoveranerin Fate Tola?

Das stimmt, ich habe länger nichts aus ihrem Trainingslager in Äthiopien gehört, das ist ein gutes Zeichen. Sie wird erst kurz vorm Marathon wieder da sein, hoffentlich in einer Form, die geeignet ist, den Titel zu verteidigen. Letztes Jahr war sie dem Rekord schon nahe, dieses Jahr traue ich ihr den Rekord zu. Wir werden sie mit guten Tempomachern nach Kräften unterstützen.

Andere Marathons stagnieren oder verlieren Starter, Hannover legt zu. Warum?

Hannover ist gegen den Trend unterwegs, das stimmt. Die Stadt ist vorzeigenswert, die Organisation erstklassig, das spricht sich zunehmend rum in Deutschland, und immer mehr Lauf-Touristen kommen. Hannover ist mittlerweile eine Stadt, in der man oder frau mal gelaufen sein sollte. Aber gerade auf der Marathondistanz sind wir noch steigerungsfähig, wenn wir international bekannter werden. Ich traue uns schon eine Zahl von 4000 oder sogar 5000 Marathonis in fünf, sechs Jahren zu.

Zum zweiten Mal in Folge wird die deutsche Halbmarathon-Meisterschaft hier entschieden. Ist Hannover jetzt eine Meisterschafts-Stadt?

Wir sind zumindest offen für Meisterschaften und haben den Kurs dafür. Mal die deutsche Marathon-Meisterschaft auszurichten wäre schon ein enormer Schritt nach vorne. Ab 2020 ist das möglich. Wo steht Hannover im nationalen Ranking? Berlin, Frankfurt und Hamburg bilden zahlenmäßig die Spitzengruppe, dahinter kommt gleich Hannover auf Augenhöhe mit Köln, Düsseldorf und München.

Freuen Sie sich auf das große Marathon-Wochenende?

Ich freue mich sogar sehr, bin aber auch ein bisschen angespannt, ob das mit meinem Jubiläumsgeschenk zum Zehnten klappt. Ich würde Hannover und der Steffi wirklich gerne einen Rekord schenken.

Interview: Christoph Dannowski