Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Miteinander Zu Besuch in der „Villa Stern“
Mehr Familie Miteinander Zu Besuch in der „Villa Stern“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:04 08.06.2017
Freuen sich auf zahlreiche Gäste: Geschäftsführerin Bettina Unruh mit ihren Mitarbeitern Andreas Noske (links) und Arne Krüger-Brörken. Quelle: Christina Diekmann
Hannover

Über Inklusion wird viel gesprochen, aktiv gelebt wird sie noch zu selten. Die Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt ist für Menschen mit Behinderung oft unmöglich.

In Oldenburg setzt das neu eröffnete Hotel und Café „Villa Stern“ genau dort an. Direkt am Eingang werden die Besucher herzlich begrüßt. Über einen Aufzug geht es barrierefrei in die oberen Stockwerke, in denen sich 13 Zimmer, eine Suite und eine Appartement-Wohnung befinden. Jedes Zimmer ist nach einer berühmten Person benannt und mit besonderen Details dekoriert. So zum Beispiel mit einem Medizinball und Spinden im Zimmer „Max Schmeling“.

Zwölf Menschen arbeiten hier, sechs haben eine körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigung. Unter ihnen ist auch eine taubstumme Person, daher haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Gebärdensprachkurs absolviert. Damit Lese- und Schreibschwache im Café arbeiten können, gibt es Bestellkarten mit Piktogrammen, auf denen die Gäste Speisen und Getränke ankreuzen, erklärt Geschäftsführerin Bettina Unruh. Eine Hotelfachfrau leitet das Haus, alle anderen erhielten vorab eine Schulung.

Mit der „Villa Stern“ hat Bettina Unruh ihren Traum verwirklicht. In Deutschland gibt es bislang 40 solcher Hotels. „Als Unternehmerin sehe ich es als meinen Auftrag an, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Denn wir sollten nicht nur über Inklusion sprechen, sondern sie auch aktiv umsetzen“, erklärt sie. 1,4 Millionen Euro haben Kauf und Sanierung des Hauses gekostet. 250000 Euro wurden von der Aktion Mensch, 300000 Euro vom Integrationsamt Oldenburg beigesteuert.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Beeinträchtigung sind hier Teil des ersten Arbeitsmarkts und werden nach Tarif bezahlt. Das ist der Unterschied zu gemeinnützigen Werkstätten. Dort gibt es nur eine Art Taschengeld zusätzlich zur Grundsicherung.

Dass Unruhs Idee goldrichtig ist, zeigte die Resonanz auf die sechs ausgeschriebenen Stellen: Mehr als 60 Bewerbungen gingen ein.

Christina Diekmann (Sozialverband VdK)