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Die Oberstufe Der Baukasten fürs Abitur
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14:51 24.06.2014
Seit 2004 haben Schüler die Möglichkeit, Themenschwerpunkte für ihr Abitur zu bilden. Quelle: Dennis Boersch
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Es lässt sich nicht leugnen: Das Abitur in Niedersachsen ist anspruchsvoller geworden. Die „Kernfächer“ Mathematik, Deutsch und eine Fremdsprache müssen in der Oberstufe durchgehend belegt und alle vier Halbjahresergebnisse in die Berechnung der Abiturnote eingebracht werden. In zwei der drei Fächer findet zudem die Abiturprüfung statt.

Auch die Naturwissenschaften werden großgeschrieben. Mindestens ein Fach – Physik, Chemie oder Biologie – müssen die angehenden Abiturienten auswählen und ebenfalls alle vier Halbjahresnoten in die Berechnung der Abiturnote einbringen, auch wenn ihre Neigungen im sprachlichen oder musisch-kulturellen Bereich liegen.

Die eigentliche Abiturprüfung wurde ebenfalls erweitert. Statt vier Prüfungsfächer gibt es nun fünf: drei auf erhöhtem Anforderungsprofil, zwei auf grundlegendem, darunter ein mündliches Fach. „Verpflichtung hat Vorrang gegenüber individueller Wahlfreiheit“, sagt Rolf Bade, Ministerialrat im niedersächsischen Kultusministerium, „es ist unbestritten, dass bestimmte Kompetenzen wie grundlegende sprachliche, mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse sowie das Beherrschen möglichst zweier moderner Fremdsprachen unabdingbar sind, um an der Hochschule zu bestehen.“ Dies sei unabhängig davon, welches Studium aufgenommen werde, sagt Bade, der die Profiloberstufe federführend erarbeitet hat.

Diese startete zum August 2004, die ersten Schüler haben die neue Oberstufe bereits durchlaufen – ihr Abitur aber noch nach 13 Jahren Schulzeit abgelegt. Zurzeit besucht der erste Jahrgang die Profiloberstufe, der das Abitur nach der 12. Klasse machen wird. Diese Schüler befinden sich jetzt in Klasse 10 und legen in zwei Jahren ihre Prüfung ab – gemeinsam mit dem letzten Jahrgang, der noch 13 Jahre zum Abitur benötigt.

Das Neue an der Profiloberstufe? Sie unterteilt sich in die einjährige Einführungsphase in Klasse 10 und die zweijährige Qualifikationsphase in den Klassen 11 und 12, an deren Ende die Abiturprüfung steht. Außer den Ergebnissen der eigentlichen Abiturprüfung fließen insgesamt 36 Halbjahresnoten aus der Qualifikationsphase ins Abitur ein.

Charakteristisch für die Profiloberstufe sind die thematischen Schwerpunkte, für die sich die Schüler im zweiten Halbjahr der 10. Klasse entscheiden müssen. Daraus ergeben sich die fünf Prüfungsfächer und die Belegverpflichtungen in der Qualifikationsphase. Die angehenden Abiturienten können zwischen einem sprachlichen, naturwissenschaftlichen, musisch-künstlerischen, gesellschaftswissenschaftlichen oder sportlichen Profil wählen; die Zahl der Unterrichtsstunden pro Woche (mindestens 34) bleibt gleich.

Die Jugendlichen könngleichen allerdings nicht erwarten, dass ihr Gymnasium jeden dieser Schwerpunkte anbietet. Jede Schule muss das sprachliche und das naturwissenschaftliche Profil einrichten, die Bildung der anderen Schwerpunkte ist freiwillig. Das gesellschaftliche Profil ist ebenfalls häufig anzutreffen, das musisch-künstlerische Profil gibt es hingegen deutlich seltener. Und den sportlichen Schwerpunkt bieten lediglich zwei Schulen in der Region an: das Humboldt-Gymnasium in Hannover und die Kooperative Gesamtschule Hemmingen. „Es kommt selten vor, aber es kann passieren, dass ein Schüler die Schule wechseln muss, um seinen favorisierten Schwerpunkt belegen zu können“, sagt Bade.

Bei den fünf Prüfungsfächern müssen alle Aufgabenfelder erfasst sein: der sprachlich-literarisch-künstlerische Bereich (etwa Deutsch, Englisch, Kunst, Musik) ebenso wie der gesellschaftswissenschaftliche (Politik, Geschichte, Erdkunde, Religion) und der mathematisch-naturwissenschaftlich-technische (Mathe, Physik, Chemie, Biologie, Informatik). Nicht genug der Auflagen: Zwei der fünf Prüfungsfächer müssen Deutsch, Mathematik oder eine Fremdsprache sein, und drei Fächer werden auf erhöhtem Anforderungsprofil unterrichtet.

Eine weitere Neuerung der Profiloberstufe ist das Seminarfach. Das Fach, das Schüler in der Qualifikationsphase durchgehend belegen müssen und von dem zwei (von vier) Halbjahresnoten in das Abiturergebnis einfließen, soll Gelegenheit bieten, sich ausführlich mit einem Thema zu befassen und es von allen Seiten zu beleuchten. Beim Schreiben einer Facharbeit bekommen die Abiturienten einen ersten Eindruck vom wissenschaftlichen Arbeiten, wie es die Universität verlangt.

In die Gesamtqualifikation für das Abitur kann auch eine besondere Lernleistung einfließen. Diese tritt unter Umständen sogar anstelle des vierten schriftlichen Abiturprüfungsfachs, das auf „grundlegendem Anforderungsprofil“ unterrichtet wird. Besondere Leistungen können Qualifikationen sein, die die Schüler bei Wettbewerben wie „Jugend forscht“ oder „Jugend musiziert“ erworben haben. So viel Individualität bietet die Profiloberstufe dann doch.

Von Julia Penningsdorf

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