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Aktuelles Bei Bestattungsangeboten im Netz auf Preistransparenz achten
Mehr Finanzen Aktuelles Bei Bestattungsangeboten im Netz auf Preistransparenz achten
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10:02 25.10.2016
Bestattungsangebote gibt es inzwischen auch im Internet. Das Portal Mymoria wirbt mit Preistransparenz und einem Rund-um-Angebot. Quelle: Britta Pedersen
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Berlin

Wenn von "einem besonders attraktiven Marktsegment" die Rede ist, denkt man eher nicht an Tod und Trauer. Doch genau so beschreibt der Manager eines Berliner Wagniskapitalfonds das Bestattungsgewerbe.

Der VC Fonds Kreativwirtschaft Berlin der landeseigenen Investitionsbank und eine Investorengruppe unterstützen seit dem Frühjahr die Start-up-Firma Mymoria. Sie betreibt eine Online-Plattform, die die Planung einer Bestattung "sicher von zu Hause" verspricht, und das "bei voller Kostenkontrolle".

Die Bestattungskosten sind ein heikles Thema für das Gewerbe. Es steht unter dem Generalverdacht, Verzweiflung und Hilflosigkeit Angehöriger auszunutzen, um dicke Geschäfte zu machen. Oliver Wirthmann, der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Bestatter, meint dazu: "In diesem Segment gibt es kein Preisgefühl." Statistisch werde man alle 18 Jahre mit dem Tod eines engen Angehörigen konfrontiert, den Kunden fehlten deshalb Erfahrungswerte. Vergleichsportale wie Bestattungen.de und Bestattungsvergleich.de werben damit, günstige Angebote für den Trauerfall zu finden. Mymoria bietet selbst Arrangements an.

Wirthmann als Vertreter der etablierten Branche ist von den Online-Wettbewerbern nicht begeistert: "Viele wissen nicht, dass diese Portale provisionsbasiert sind. Das ist ein großes Problem", sagt er. "Wir raten davon ab, solche Vergleichsportale zu nutzen. Besser ist ein Preisvergleich von mehreren Bestattern in der Region und dabei Kostenvoranschläge einzuholen."

Verbraucherschützer halten hingegen neue Angebote von Online-Portalen und Discountern grundsätzlich für positiv. "Wir freuen uns über Alternativen", sagte der Jurist Matthias Wins von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern in Rostock und erinnert an die Optiker, die erst nach Jahrzehnten Konkurrenz durch Filialketten bekamen.

Er erfahre immer wieder von Fällen, in denen sich Hinterbliebene vom örtlichen Bestatter überrumpelt und ausgenutzt fühlten, erzählt Wins. Ein Test vor zwei Jahren habe gezeigt, dass die Unternehmen selten bereit seien, ihre Geschäftsbedingungen offenzulegen. Klar sei aber auch, dass es bei Online-Angeboten ebenso "böse Überraschungen" geben könne.

Mymoria-Mitgründer Björn Krämer wirbt für sein Portal mit Preistransparenz und einem kompletten Angebot: "Wir machen alles bis auf die Dienstleistungen vor Ort wie Überführung und Trauerfeier." Dafür werde einer von mehr als 100 Partner-Bestattern engagiert.

Im Falle des Falles informierten sich ohnehin viele Hinterbliebene im Internet über alles rund um die Bestattung, sagt Krämer. Warum also nicht Informationen gleich mit einem Angebot verbinden - das war die Idee. Auf der Webseite kann man wählen vom anonymen Abschied (900 bis 1500 Euro) über "Klein & Privat" (1000 bis 2500 Euro) bis zum großen Abschied für 3000 bis 7000 Euro.

Wirthmann verweist auf eine wenige Wochen alte Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag des Bestatterverbands. Dabei nannten 70 Prozent der Befragten die persönliche Beratung als wichtigsten Punkt bei der Beurteilung eines Bestattungsunternehmens. Genau das könnten Online-Portale nicht bieten.

Alexander Helbach von Aeternitas, einer Initiative für Bestattungskultur, sieht das ähnlich. Die online angebotene Telefonauskunft sei "keine richtige Beratung". Dazu müsse man sich schon mal zwei Stunden mit den Angehörigen an einen Tisch setzen. Gehe es aber darum, einen entfernten Verwandten beizusetzen, hält er Internet-Portale für durchaus nützlich.

Deren Angebote könnten tatsächlich "trotz Provision relativ günstig sein, weil es einen Preiskampf zwischen den Anbietern gibt". Manche lokale Bestatter wollten mit den Portalen kooperieren, weil sie sich zusätzliche Aufträge versprächen, berichtet Helbach. Anderen wiederum seien Provisionen von 10 bis 20 Prozent zu teuer und lehnten Partnerschaften deshalb ab. Für Wirthmann ist die Hotelbranche ein mahnendes Beispiel: Erst hätten sich die Hoteliers über Booking.com und HRS gefreut, inzwischen seien sie über deren Marktmacht besorgt.

dpa

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