Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sparda Bank „Ich erfahre viel Unterstützung“
Mehr Finanzen Sparda Bank „Ich erfahre viel Unterstützung“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:58 14.09.2018
Brigitte Brzeski Quelle: privat
Hannover

Wie lange haben Sie Ihren Mann gepflegt?

Seit 2011 habe ich meinen Mann Helmut gepflegt. Am 5. August ist er gestorben. Für meinen Mann war es eine Erlösung, er hätte so nicht leben wollen. Für mich ist es schwer, wir waren mehr als 40 Jahre verheiratet, da lässt man nicht so einfach los. Doch am Ende ging es ihm so schlecht, das hätte ich allein nicht mehr stemmen können. Seit drei Jahren hatte er Pflegegrad 5, das war sehr extrem.

Wie ging es los, wie haben Sie sich informiert?
Mein Mann ist mit 69 Jahren an Demenz erkrankt. Zuerst ist mir das gar nicht so aufgefallen, einige merkwürdige Vorfälle habe ich überhaupt nicht wahrgenommen – bis es immer stärker wurde. 2011 kam dann die Diagnose. Die Infos vonseiten der Krankenkasse waren schlecht. Mit etlichen Telefonaten und Infos aus dem Internet habe ich mich so durchgewurschtelt. Unterstützung hatte ich zunächst nicht. Ein Pflegedienst kam stundenweise zur Betreuung, wenn ich länger arbeiten musste. Als Angehörige habe ich mich eher außen vor gefühlt. Aber die Mitarbeiter des Pflegedienstes haben mir Tipps gegeben und sehr geholfen.

Wie ging es weiter?

Vor drei Jahren hat mein Mann auch noch ein Bein verloren, da war ich noch berufstätig, ich bin Kinderkrankenschwester. Er kam dann in eine Tagespflege. Ich war schließlich längere Zeit krankgeschrieben. Zum 1. April 2018 bin ich mit 63 Jahren vorzeitig in den Ruhestand gegangen, mein Mann war mir wichtiger. Diese Zeit möchte ich auch nicht missen.

Wie sind Sie auf den Verein „wir pflegen“ aufmerksam geworden, und wie hat er geholfen?

Ein Filmteam hatte meinen Mann und mich eine Zeit lang begleitet. Der Film wurde im Januar im Fernsehen ausgestrahlt. Danach hat mich Frau Hallermann vom Verein „wir pflegen“ angerufen. Ich habe dann mit meinem Mann an einer Veranstaltung des Vereins teilgenommen, das war sehr interessant. So hat sich ein Kontakt entwickelt. Später habe ich eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen und bin vom Verein sehr gut unterstützt worden. Auch jetzt erfahre ich noch viel Unterstützung.

Wie kam es dazu, dass Sie Ihre Erlebnisse in einem Buch veröffentlicht haben?

Ich habe mir vor vier Jahren überlegt, ein Buch zu schreiben. Ziel war es, anderen Angehörigen zu zeigen, wie man mit so einer Situation umgehen kann, und ihnen Anlaufstellen zu nennen. Es ist zum Lachen und zum Weinen – und wurde gut angenommen. Nun überlege ich, noch ein zweites Buch zu schreiben – wie ich mich auf die Situation vorbereitet habe, wenn mein Mann für immer geht. Ich wollte in kein Loch fallen.

Was machen Sie heute?

Ich kümmere mich um die zwei Selbsthilfegruppen, eine dritte ist geplant. Und es soll einen runden Tisch mit „wir pflegen“ geben, um mal mit uns und nicht immer über uns zu sprechen.

„wir pflegen“

Der Verein „wir pflegen“ ist eine bundesweite gemeinnützige Interessenvertretung und Selbsthilfeorganisation für pflegende Angehörige. Mehr als 75 Prozent aller pflegebedürftigen Menschen werden familiär gepflegt. Der Verein engagiert sich für Entlastung, Unterstützung und vor allem für mehr soziale Absicherung pflegender Angehöriger.  „wir pflegen“ führt zudem unterschiedliche Organisationen und Initiativen zusammen.

Kontakt: www.wir-pflegen.net

Telefon: (030) 45 97 57 70

Eine Patientenverfügung ist für Ärzte juristisch bindend, sie muss allerdings absolut eindeutige Formulierungen enthalten.

21.09.2018

Referentin Katrin Jahns, Rehabilitationspsychologin und Projektleiterin des Vereins "wir pflegen" informiert im 2. Vortrag der Reihe am 24. Oktober 2018 zum Thema "Pflegefall - was nun?"

14.09.2018

Dr. Matthias Thöns, Facharzt für Anästhesiologie, Notfall-, Schmerz- und Palliativmedizin sowie „Spiegel“-Bestsellerautor informiert am 7. November 2018 über die Patientenverfügung.

21.09.2018