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Garten 3 : 1 für Chelsea
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11:12 13.06.2018
Zurückhaltende Bepflanzung: Der M&G Garden der Designerin Sarah Price spielt bei der Gestaltung mit Farbe, Oberfläche, Licht und Schatten. Die Granatapfelbäume wurden eigens für die Show angeliefert. Quelle: Anja Klein
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Auf der altehrwürdigen Chelsea Flower Show zeigt die Crème de la Crème der internationalen Gartendesigner und Pflanzenzüchter, was sie zu bieten hat. Die Karten für die Blumenschau sind heiß begehrt. Oft sind sie bereits kurz nach Verkaufsbeginn vergriffen und dies obwohl sie nicht wirklich günstig sind. Ein Tagesticket kostet rund 120 Euro. Man darf maximal sechs Karten pro Person kaufen und der Wiederverkauf ist streng verboten. Was natürlich trotzdem gemacht wird.

Für mich gehört der Besuch der Chelsea Flower Show zum (durchaus angenehmen) Tagesgeschäft. Aber lohnt sich ein Just-for-fun-Besuch für Gartenfans und Hobbygärtner? Ich habe diese Fragestellung gründlich durchdacht und präsentiere hier mein absolut subjektives Ergebnis.

Also, was spricht für den Besuch der Chelsea Flower Show?

Da wären zunächst die Schaugärten, die sind wirklich außerordentlich! Auf wenigen Quadratmetern werden hier extrem komplexe Gartenwelten geschaffen. Kaum zu glauben, dass die Gartenteams dafür nur drei Wochen Zeit haben. Die Gärten sehen aus, als wären sie schon immer da, gewachsen über Jahrzehnte.

In diesem Jahr hat mich der Welcome-to-Yorkshire-Garden sehr beeindruckt. Er imitiert eine typische Landschaft in Yorkshire, mit einem kleinen Cottage, einem Gemüsegarten, Blumen und einem für die Gegend typischen Bachlauf. Nichts davon wird nach der Show mehr da sein. Das Gelände besteht dann aus einer absolut ebenen, grünen Rasenfläche.

Das Spiel mit Farbe, Oberfläche, Licht und Schatten

In eine ganz andere Richtung geht der M&G Garden. Die Designerin Sarah Price spielt bei der Gestaltung mit Farbe, Oberfläche, Licht und Schatten. Die Bepflanzung ist eher zurückhaltend. Die verwaschenen Farbtöne von sonnenverbranntem Lehm beherrschen das Bild. Zwei knorrige alte Granatapfelbäume stehen vor einer roten Lehmwand. Schwer vorstellbar, dass sie erst vor wenigen Tagen mit einem riesigen Kran hierher transportiert wurden.

Gewinner auf den zweiten Blick

Nicht alle Gärten sehen so wild und gewachsen aus und nicht alle Gärten treffen meinen Geschmack. Der diesjährige Gewinnergarten gefiel mir zunächst eher weniger. Ich war wirklich überrascht, als er zum Best-of-Show ernannt wurde, und bin extra noch einmal hingegangen. Als Pressevertreterin darf ich den Garten betreten (alle Schaugärten sind eingezäunt und dürfen nicht betreten werden). Und ich muss zugeben: Von innen betrachtet war das Urteil nachvollziehbar. Mehr als 20 verschiedene Farne waren in den Beeten arrangiert und die dort gepflanzten Lilien (Lilium martagon) wachsen sogar in meinem Garten. Es gibt zu jedem Garten einen Flyer mit Pflanzliste zum Nachpflanzen, der auf großes Interesse beim Publikum stößt.

Publikumsmagnet ohne Drängelei

Und damit wären wir beim zweiten Grund, der für den Besuch spricht, dem Publikum. 157.000 Menschen besuchen die Chelsea Flower Show an den fünf Veranstaltungstagen, die sich über ein rund 4,5 Hektar großes Gelände erstreckt. Das sind ganz schön viele und an manchen Stellen wird es ganz schön eng.

Aber gedrängelt wird nicht. Wir sind schließlich in Great Britain. Dem Land der disziplinierten Schlangesteher. Und so wartet jeder geduldig, bis der Blick auf die Schaugärten frei wird. Derweil kann man in Ruhe die Kleidung der Besucher studieren. Auch hier gibt es viel Blumiges und teils Kurioses. Das ist eben Great Britain, das Land der liebenswerten Exzentriker. Und während man so wartet und guckt, kann man auch gut den Gesprächen der Ladys und Lords lauschen.

Mein Lieblingskommentar in diesem Jahr stammt von einem älteren, sehr gut gekleideten Ehepaar. Er im maßgeschneiderten Anzug, sie im eleganten Blumenkleid. Die beiden stehen vor einem Stand mit (schlammgrünen) Gummistiefeln, versunken in den Anblick. Er zu ihr (mit getragener Stimme und völlig ohne Ironie): „Amazing colours!” Sie neigt huldvoll zustimmend den behüteten Kopf.

Gold für Orchideen aus Deutschland

Im Great Pavillon zeigen die besten Pflanzenzüchter ihre neuesten Züchtungen. Zwei Meter hohe Fingerhutpflanzen, handtellergroße Begonienblüten, fleischfressende Pflanzen, die aussehen, als könnten sie nicht nur Fliegen verspeisen.

In diesem Jahr wurden dort zum ersten Mal Orchideen aus Deutschland präsentiert und zur großen Überraschung von Marai Karge-Liphard, der sehr netten Orchideenzüchterin, sofort mit einer Goldmedaille prämiert. Der absolute Ritterschlag für den Familienbetrieb aus Dahlenburg. Die 6000 Quadratmeter großen Orchideenhäuser in der Nähe von Lüneburg können das ganze Jahr über besucht werden. Am schönsten ist es dort in den Wintermonaten, dann blühen besonders viele seltene Orchideenarten.

Und was spricht gegen einen Besuch der Chelsea Flower Show?

Das ist schnell erzählt. Wer lässt denn im Mai den eigenen Garten für mehrere Tage allein? Fast hätte ich die Blüte meiner weißen Päonie verpasst. Nicht auszudenken. Als wir wegfuhren, waren alle Blüten geschlossen. Bei unserer Rückkehr waren sie weit geöffnet. Die Rosen vor dem Zaun blühen wie verrückt. Der Fingerhut geht mir bis zur Brust. Die Zierlauchknospen sind zu großen Bällen herangewachsen. Und die absolute Sensation – die Mini-Kiwi blüht zum ersten Mal seit vier Jahren. Mit etwas Glück steht diesen Sommer die erste bescheidene Ernte an. Ehrlich, mein eigener Garten lässt mein Herz viel schneller schlagen und höher hüpfen als alle preisgekrönten Schaugärten zusammen.

Zur Geschichte der Show

Bereits seit Mai 1913 veranstaltet die Royal Horticultural Society die Chelsea Flower Show am aktuellen Standort im Royal Hospital im Westen Londons. Weit davor, das erste Mal 1827, residierte sie bereits in Chiswick und auch in den Kensington Gardens. Bei den Ausstellungen brillierte zunächst der britische Adel mit seinen Gärtnern, später auch gewerbliche Gärtnereien.

Von Anja Klein/RND

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