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02:15 06.06.2016
Tomaten-, Paprikapflanzen und Kräuter kommen in die Erde – der Nachwuchsgärtner gräbt erst einmal um. Quelle: Fotolia
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Den Mund blau-rot verschmiert, die Hände braun gefleckt und schwarze Ränder unter den Fingernägeln: Viele Kinder, die gern im Garten sind, genießen diesen mit allen Sinnen. Und deshalb ist die schönste Zeit im Jahr für sie die Beeren- und Obstzeit. Zurzeit reifen die ersten Erdbeeren, in den nächsten Wochen wird es in manchem Kleingarten auch Kirschen, Johannisbeeren, Himbeeren, Blaubeeren und Brombeeren geben. Wer sich wünscht, dass Kinder oder Enkelkinder Spaß an Pflanzen und vielleicht gar am Gärtnern haben, sollte dafür sorgen, dass es im Garten etwas zu naschen gibt.

Kleine Helfer sind im Garten gern gesehen. Quelle: Privat

Naschen erlaubt

Nun besitzt nicht jeder eine große Parzelle mit mehreren Beerensträuchern, doch zumindest Erdbeeren können auch im handtuchgroßen Reihenhausgarten oder sogar auf dem Balkon angepflanzt werden. Außer Beeren sind auch Tomaten bei Kindern beliebt. Kleinere Kinder naschen gern süße, kleine Tomaten. Zu empfehlen sind zum Beispiel die Kirschtomate „Pepe“, die gelbe Cocktailtomate „Mirabell“ oder die „Mexikanische Honigtomate“. Es gibt auch Johannisbeertomaten, deren Früchte ebenso klein sind wie die des namensgebenden Beerenstrauchs.

Topf oder Beet

Mit Schulkindern können Tomatenpflanzen auch selbst gezogen werden. Ab Februar kommen dafür Samen in kleine Töpfchen, die auf die Fensterbank gestellt oder im Gewächshaus untergebracht werden. Die Pflänzchen müssen möglicherweise vereinzelt werden, bevor sie dann ab Mai in den großen Kübel oder (wenn die Sorte dafür geeignet ist) ins Beet dürfen. Wer dem Tomatenanbau eine individuelle Note geben möchte, kann die Kinder große Tonkübel zuvor mit ungiftigen Acrylfarben anmalen lassen. Ob Topf oder Beet: Tomaten müssen in jedem Fall an Stöcke angebunden werden und möglichst geschützt stehen. Kinder reagieren sehr frustriert auf eine verregnete Ernte oder eine vom Wind zerstörte Pflanze.

Kräuter für Kindernasen

Auch duftende Kräuter wie Schokoladenminze, Zitronenbasilikum, Orangenthymian, Cola-Kraut (Eberraute) oder Lakritztagetes können Eltern mit Kindern gemeinsam ins Beet pflanzen. Die Kräuter duften schon bei der leichtesten Berührung. Mit Schulkindern können nach der Ernte daraus wohlriechende Sträuße gebunden oder Kräuteröle angesetzt werden.

Bohnen am Tipizelt

Schon unsere Großmütter wussten, dass Bohnen und Erbsen in jeden Garten gehören. Erbsen sind süß und naschbar, Bohnen können an einem selbstgebauten Tipi hinaufranken. Für das Tipi benötigt man acht bis zehn lange Bambusstäbe oder Äste eines Haselnussstrauchs. Mit einem Seil oder Gartenschlauch wird ein größerer Kreis auf zuvor gelockerten Boden gelegt. Entlang des Kreises werden dann die ungefähr zweineinhalb Meter langen Stangen in den Boden getrieben. Oben wird alles mit einem Kokosstrick zusammengebunden. An jedem Stab werden dann drei bis fünf Stangenbohnen-Samen eingegraben. Nach vier bis sechs Wochen ist das Tipi dicht bewachsen und ein vor allem bei kleinen Kindern beliebtes Versteck. Und: Verstecken ist eins der liebsten Spiele von Kindern im Garten.

Spielend helfen

Überhaupt sollte von Kindern unter zwölf nicht erwartet werden, dass sie tatsächlich mitgärtnern. Unverkrampft sollte es zugehen im Familiengarten: Kleinkinder dürfen ruhig mal ein Gänseblümchen essen und aus Erde und Wasser den beliebten „Kallamatsch“ anrühren.

Drittklässler beanspruchen zwar schon mal ein eigenes Beet für sich und sind anfangs auch bereit, Unkraut zu jäten. Auch können sie aus einem großen, wasserdichten Topf und ein paar Wasserpflanzen einen eigenen Mini-Teich anlegen. Im Zweifelsfall wird in den Wochen danach dennoch das Trampolin oder die Freundin im Nachbargarten wichtiger sein als die eigene Gartenecke. Angepflanzt werden sollten also möglichst pflegeleichte und langlebige Pflanzen.

Von Christiane Eickmann

Nachgefragt ...

„Das Draußensein genießen“

... bei Anke Leitzgen, Autorin „Meine Gartenwerkstatt. Quelle: Privat

Wie kann ich Kinder fürs Gärtnern begeistern?
Also, ich bin nicht der Typ für einen durchgetrimmten Garten. Ich möchte das Draußensein auch genießen. Stressfreies Gärtnern ist daher ein gutes Stichwort. Mit einer entspannten Haltung überträgt sich die Begeisterung auch auf Kinder. Ich halte es ganz simpel: Wer mithelfen möchte, wird altersgemäß eingespannt. Aber wer lieber Ball spielt oder im Gras liegt und den Wolken nachschaut, macht eben das. Ganz nebenbei färbt der grüne Daumen ohnehin am besten ab.

Welche Pflanzen eignen sich denn als Einsteigerpflanzen für Kinder?
Eigentlich alles, was schnell wächst und pflegeleicht ist. Katzengras und Kresse etwa. Ein echter Klassiker ist die Feuerbohne. Sie wächst irrsinnig schnell und rankt. Außerdem hat sie hübsche Blüten, ist robust und recht genügsam, was den Standort angeht. Erdbeeren sind ein super Kinderobst. Es schmeckt köstlich und gehört zu den ersten süßen Dingen, die man im Jahr pflücken kann.

Bei allem Genuss, eine gewisse Verantwortung braucht es doch auch ...
Naja, ein bisschen dranbleiben muss man schon. Die Pflanzen zeigen ja an, wann sie etwa Wasser brauchen, indem sie die Blätter schlapp runterhängen lassen. Das lässt auch Kinder nicht kalt.

Was nehmen Kinder denn speziell beim Gärtnern mit?
Selbstwirksamkeit. Also: Ich kann allein etwas aufziehen, das nahrhaft ist und schmeckt. Das ist ein spannender Gegenpart in der heutigen hochtechnisierten Welt. Das Thema Garten kann ja auch ausgedehnt werden – etwa auf Insekten, die im Garten leben und sich wunderbar anhand eines Insektenhotels beobachten lassen.

Und was ist mit den Kindern, die mitten in der Stadt leben?
Auch da gibt es ganz tolle Konzepte, wie die essbare Stadt, bei denen es darum geht, öffentliche Grünflächen zum Gärtnern zu nutzen. Und selbst im Blumenkasten auf dem Balkon ist einiges möglich, Kräuter wie Basilikum lassen sich auch wunderbar im Kasten ziehen oder Salat in einem Blumenkübel. Wie aufwendig man das Gärtnern betreiben möchte, das muss sowieso letztlich jede Familie für sich entscheiden.

Interview: Carolin Burchardt

Buchtipp: „Meine Gartenwerkstatt“, Anke M. Leitzgen, Thekla Ehling, Judith Drews. 143 S., Gerstenberg Verlag, 19,95 Euro

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