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Garten Zaungäste gucken per Mausklick ins Beet
Mehr Garten Zaungäste gucken per Mausklick ins Beet
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11:51 05.04.2018
Alternative Freizeitgestaltung: Während seine Kumpels am PC zocken, beackert Felix lieber seinen Garten – und teilt seine Erfahrungen auf seinem Youtube-Kanal „Felix Hobby Garten“.  Quelle: Montage: RND/Youtube

Wenn Felix in der Küche seines Elternhauses im niedersächsischen Emsland zum ersten Mal Paprikasamen der Sorte „California Wonder“ vorzieht, gucken ihm dabei bis zu 1200 Menschen über die Schulter – allerdings nur virtuell. Denn der Berufsschüler ist ein angehender Youtube-Star: Auf seinem Videokanal „Felix Hobby Garten“ gibt er bereits in der vierten Gartensaison Tipps rund um das Anziehen von Tomaten, das Stecken von Kartoffeln oder das Ansetzen einer Brennneseljauche.

Während sich seine Mitschüler mit Mädels treffen, in der Disco abhängen oder Computerspiele am PC zocken, zieht es den Teenager ins Beet. Immer mit dabei: Handy, Camcorder und ein Stativ, um die Gartenpflege auch tatsächlich in Ton und Bild festzuhalten. Auf vier mal zwölf Metern wachsen dort Möhren neben Erbsen, Kohl, Zwiebeln, Radieschen und Kürbis. Aber auch an Mais, Hirse, Himbeeren, Kohlrabi und Erdbeeren hat sich der Web-Nachwuchsgärtner schon versucht. Ab April sollen Hühner und ein Gewächshaus ins grüne Paradies Einzug halten. Was ihn am Gärtnern reizt? „Eben noch hat man etwas ausgesät, schon wenige Wochen später steht man vor zwei Meter großen Pflanzen“, schwärmt der Schüler. „Aber auch die Kultivierung von ungewöhnlichen, alten Kartoffelnexoten wie dem ,Duke of York‘ oder der ,roten Emmalie‘, ist eine Herausforderung.“

Teenager ist Gärtner und Internetsternchen

Doch warum trägt er seine Gartenleidenschaft buchstäblich in die Weiten des Webs? „Am Anfang, da war ich gerade mal 13 Jahre alt, war das alles eine Idee von einem Freund und mir – wir haben gedacht, wir könnten mit dem Youtube-Kanal schnelles Geld verdienen.“ Der Kumpel ist inzwischen abgesprungen, reich ist Felix auch noch nicht geworden. Trotzdem wächst seine Fangemeinde im Netz inzwischen genauso schnell wie seine Sammlung von Tomatensorten (mehr als 25 werden es in diesem Frühjahr sein): „Vor einiger Zeit hatte ich gerade einmal 400 Youtube-Abonnenten, jetzt werden es täglich mehr. Mein Ziel ist es, bis zum Ende des Jahres auf über 2500 Follower zu kommen.“ Was sind das für Leute, die dem jungen Mann dabei zusehen, wie er sich im Beet die Hände schmutzig macht, Tomaten ausgeizt oder für Gründüngung im Gemüsegarten sorgt? Felix Wilming verfolgt das ganz genau: „70 Prozent meiner Youtube-Abonnementen sind Männer, die größte Zielgruppe ist mit rund 57 Prozent zwischen 25 und 34 Jahre alt. Rund 85 Prozent meiner Zuschauer kommen aus Deutschland – insgesamt aber verfolgen meine Videos Personen aus insgesamt 25 Ländern.“ „Krass“ findet es Felix, dass ein Video, in dem er einen Laubpuster vorstellt, mehr als 25.000 Klicks erhält. „Den Leuten scheint zu gefallen, was ich da mache“, freut er sich.

Mädchen finden das Gartenhobby uncool

Mit dem zunehmenden viralen Erfolg werden übrigens auch die Reaktionen in seinem direkten Umfeld positiver, sagt der 17-Jährige, der zudem noch Fußball spielt und Inliner fährt: „Als ich mit der Gartenarbeit und dem Hochladen von Videos angefangen habe, haben sich Mitschüler, aber auch einige Freunde ganz schön darüber lustig gemacht. Sie waren echt skeptisch, haben mich aufgezogen, dass ich niemals überhaupt Abonnenten finde. Witzig war das für mich nicht. Inzwischen finden immer mehr mein Hobby ziemlich cool – vor allem, wenn wir im Sommer grillen und der Mais aus meinem Garten direkt auf ihrem Teller landet ...“ Nur bei den Mädels kann Felix damit nicht wirklich landen, verrät er: „Da ist es eher ein Minuspunkt, die Reaktionen sind eher abweisend. Mir ist das egal: Wer mein Hobby nicht akzeptieren kann, der passt auch nicht zu mir“, sagt er ganz selbstbewusst.

Treffen der Garten-Youtube-Szene

Wichtiger sind ihm da die Reaktionen seiner Fangemeinde, denen er sein Know-how als Pflanzenexperte näherbringen will: „Spannend finde ich die Kommunikation mit den Zuschauern, die meine 140 Videos angucken, kommentieren, mir gelegentlich auch Tipps geben oder mir mal Saatgut über meine Amazon-Wunschliste zuschicken.“ Und dann ist da natürlich auch noch der Austausch mit anderen „Garten-Youtubern“, den Felix sowohl beim Videokanal selbst, aber auch durch andere soziale Medien wie Instagram, Snapchat und über eine  Whatsapp-Gruppe unterhält: „Mein großes Vorbild ist Ralf Roesberger vom ,Der Selbstversorgerkanal‘. Welche Kniffe der so parat hat, wie er Videos dreht und mit seinen Followern umgeht, das ist einfach cool.“ Am 6. Mai trifft sich die Szene beim „Gartenyoutubertreffen“ in der Nähe von Köln. Natürlich wird dann auch Felix Samen, Sprossen und Stauden kurzfristig verlassen, sich mit anderen viralen Hobbygärtnern austauschen und auf die Suche nach neuen virtuellen „Zaungästen“ gehen: „Ich glaube schon, dass ich durch dieses Treffen, das auch bei Youtube zu sehen sein wird, neue Follower auf meinen Kanal aufmerksam machen kann.“

Noch mehr Netz-Garten

Immer mehr Hobbygärtner teilen ihre Gartenabenteuer im Internet. Ein paar Inspirationen gefällig?

www.leelahloves.de
www.der-kleine-horrorgarten.de
www.berlingarten.de
www.biobalkon.de
https://berlinerlandpomeranze.blogspot.de
http://fraumeise.de
https://wirgartenkinder.de
http://www.tage-im-garten.de

Von Julia-Marie Meisenburg/RND

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