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Garten Süße Südstadt: Jetzt ist Traubenzeit
Mehr Garten Süße Südstadt: Jetzt ist Traubenzeit
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22:37 26.09.2015
Anna-Barbara Hopf in ihrem Kleingarten in der Südstadt. Quelle: Philipp von Ditfurth

Nun sind sie reif und im besten Fall auch süß: Der Herbst ist Hochsaison für knackige Weintrauben. Regional produzierte Früchte sind bislang Mangelware, aber vielleicht gedeihen auch in Ihrem Garten schon bald eigene Reben. Neue Pflanzen können auch jetzt noch gesetzt werden, solange die Erde warm ist. Die Pflege ist einfacher als zumeist vermutet und es gibt eine Menge Gründe, die rund 8000 Jahre alte Tradition des Traubenanbaus auch im eigenen Garten fortzusetzen.

Was der Wein braucht
Frisch von der Rebe gezupft, schmecken Weintrauben am besten. Botanisch korrekt zählen die Früchte des Echten Weins (Vitis vinifera) zu den Beeren und werden deshalb auch Weinbeeren genannt. Wer sie im eigenen Garten anbauen möchte, sollte ihnen einen Platz in voller Sonne in einem durchlässigen Boden reservieren. Ansonsten verlangen die Stöcke nicht viel. Selbst einen trockenen Sommer wie den gerade vergangenen vertragen die Pflanzen gut, denn ihre Wurzeln können über zehn Meter in die Erde reichen. Da muss man auch im Hochsommer nicht zur Gießkanne greifen.

Der richtige Schnitt
Wichtiger als das Wässern ist der Rückschnitt der Reben: Im Frühsommer werden die Triebe zwei bis vier Blätter über dem Fruchtansatz eingekürzt. Triebe, die keine Früchte ansetzen, werden abgeschnitten. Im Winter werden die abgeernteten Ruten zwei Knospen über dem Haupttrieb gekappt, denn der Weinstock trägt seine Trauben am einjährigen Holz. Wer sich unsicher ist, kann beim ersten Schnitt einen Fachmann beauftragen. Mit etwas Übung geht der Schnitt jedoch Jahr für Jahr routinierter von der Hand. Außer an die Bedürfnisse der Pflanze, sollten Sie bei der Standortwahl aber ruhig auch an sich selbst denken. Denn sobald die Früchte reif sind, ziehen die Trauben Wespen magisch an. Eine mit Wein berankte Pergola sieht zwar hübsch aus, doch im Spätsommer brauchen Gartenbesitzer einen zweiten Sitzplatz, auf den sie ausweichen können. 

Die Wahl der Sorten
Robust und wenig anfällig gegen gefürchtete Pilzkrankheiten wie Mehltau sollten die gepflanzten Stöcke auf jeden Fall sein und anders als im Erwerbsanbau sollte der Weinstock dekorativ wirken. Sorten wie Excelsior, Buffalo, Magliasina oder Muscat Bleu schmecken süß, sind robust und haben schönes Laub. Gerade Kinder mögen vor allem kernlose Züchtungen wie Vanessa oder Venus. Die Liste empfehlenswerter Sorten ließe sich fortsetzen, zumal die Favoriten von Region zu Region verschieden sind. 

Bei der Suche nach der passenden Rebe lohnt manchmal auch ein Blick über den Gartenzaun. Gerade beim Wein empfehlen sich regionale und in Vergessenheit geratene Sorten, die im Handel nicht zu bekommen sind. Manchmal kann daraus ein kleiner Exkurs in Sachen Heimatkunde werden und man kommt mit Menschen ins Gespräch, die Wein schon lange im Garten oder Kleingarten anbauen und vielleicht den ein oder anderen Steckling über den Zaun reichen. Wein bringt die Menschen eben einander näher und das nicht nur in seiner flüssigen Form.

Wein aus dem eigenen Garten
Dass Trauben aus Privatgärten zu Wein verarbeitet werden, ist zwar selten, aber möglich, sofern genug Platz vorhanden ist: Allerdings sind mindestens 20 Weinstöcke nötig, wenn man einen eigenen Jahrgang keltern möchte. Wer den Wein nicht verkauft und lediglich ein paar Flaschen für den Eigenbedarf und als Hobby abfüllt, braucht hierfür keine amtliche Erlaubnis. Entsprechendes Zubehör gibt es im Fachhandel und bei spezialisierten Versendern. 

Der Gärtner muss aber nicht gleich zum Winzer werden, wenn die Ernte mal etwas üppiger ausfällt. Eigener Traubensaft ist schließlich auch etwas Besonderes und lässt sich gut selbst herstellen. Mit einem Dampfentsafter geht das ganz einfach. Die Trauben – gern auch mit Stielen – einfach mit ein wenig Zucker in den Einsatz schütten und während des Entsaftens immer wieder etwas stampfen. In Flaschen, die mit kochendem Wasser sterilisiert wurden, hält der heiß abgefüllte Rebensaft rund ein Jahr und erinnert im Winter an die Sonne, die den Trauben ihre Süße geschenkt hat. Wer mag, kann auch einen Teil des Saftes zu Gelee weiterverarbeiten, das als Brotaufstrich schmeckt – oder eine Bratensauce verfeinert.

Vorteil Südseite: Trauben wachsen in Weinbaugebieten besonders gut. Aber eigentlich kommen sie in jedem Garten mit einem Plätzchen in voller Sonne klar, erklärt die Bayerische Gartenakademie. So ein Standort zur Südost- und Südseite ist auch nötig, um sie vor Pilzerkrankungen durch Echten und Falschen Mehltau zu schützen. Dabei stehen sie am besten auch unter einer Pergola oder einem Vordach oder werden mit Folien vor Feuchtigkeit geschützt. Allerdings betonen die Experten, dass viele Tafeltrauben bei richtiger Pflege und gutem Standort weitestgehend gesund bleiben.
Diese Sorten empfiehlt die Akademie für den Hausgarten: Die Sorte Muscat bleu hat blaue Trauben, die süß und aromatisch schmecken. Sie ist frosthart. Die Traube Venus ist ebenfalls blau und hat keine Kerne. Die Beeren schmecken leicht nach Erdbeere. Die Besonderheit der Pflanze sind die großen Blätter, die sich gut zum Bewachsen einer Pergola eignen. Auch diese Sorte ist frosthart. Die ebenfalls blaue Ontario widersteht Pilzkrankheiten gut und ist winterfest. Ihre blauen Trauben sind groß und fest.

Palatina ist eine grün-gelbe Sorte mit starkem Wuchs und saftigen, fruchtig-süßen Trauben. Sie ist allerdings anfällig für Echten Mehltau. Die grün-gelbe Birstaler Muskat schmeckt sehr süß mit – wie der Name schon sagt – feinem Muskataroma. Sie kommt gut mit Frost klar und ist robust.

Die grün-gelben Trauben von Garant schmecken sehr süß und nach Muskat. Die Pflanze wächst stark und gilt grundsätzlich als gesund. Die ebenfalls grün-gelbe New York hat kernlose, aber kleinere Beeren mit feinem Fruchtaroma. Auch diese Pflanze hat sehr große Blätter und ist frosthart. Leider ist sie anfällig für Falschen Mehltau.

Von Stefanie Syren

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