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Garten Der Kaktus ist wieder da
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15:14 15.12.2015
Vielfältiger Minimalist: Kakteen sorgen für Retro-Charme im Wohnzimmer. Quelle: Fotolia
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In der Mode gilt das Gesetz schon lang: Alles kommt irgendwann wieder. In der Inneneinrichtung ist es das Gleiche: Omas alter Küchenschrank oder der olle Nierentisch sind länger wieder beliebt. Derzeit sieht man immer häufiger eine Pflanze, die jahrzehntelang aus der Moder war: den Kaktus. In Cafés steht er auf schmalen Fensterbänken oder dunklen Holztischen. Und Menschen ohne grünen Daumen haben einen zu Hause. Nur wieso? Ein paar Gründe lassen sich ausmachen:

Pflegeleicht und schön anzusehen

Schon als Kind lernen die meisten: Einen Kaktus muss man nur einmal die Woche gießen. Die Pflanze braucht nicht viel Wasser und geht nicht schnell kaputt. Wer also bislang keine Pflanzen hatte, weil er zu faul zum Gießen war, braucht sich beim Kaktus keine Sorgen zu machen. „Er braucht keine tägliche Zuwendung“, sagt der Präsident der Deutschen Kakteen-Gesellschaft (DKG), Andreas Hofacker. Auch beim Düngen sind Kakteen nicht sonderlich anspruchsvoll: In der Hauptwachstumszeit zwischen Mai und August reicht es, wenn er alle drei Wochen etwas Flüssigdünger bekommt. Auch dabei kann sparsam vorgegangen werden. Einige Arten belohnen die Geduld später mit farbenfrohen Blüten.

Ein Begleiter über Jahre - oder Jahrzehnte

Ein Kaktus ist so schlicht wie schön – er wächst langsam und wahrt die Form. Ein Kaktus begleitet einen jahrelang oder gar jahrzehntelang, bestimmte Arten werden sogar um die 200 Jahre alt. „Einen Blumenstrauß schmeißt man nach einer Woche weg, von einem Kaktus hat man lange was“, sagt Hofacker.

In Szene-Läden sieht man die Pflanze immer öfter: Wer etwa in das japanisch-französische Café „Two and Two“ in Berlin-Neukölln kommt, kann seinen Kaffee neben zahlreichen Kakteen genießen, auch das in vielen Blogs gerühmte Lokal „Le Bon“ im Berliner Stadtteil Kreuzberg setzt bei der Einrichtung auf die stachelige Pflanze. „Ich mochte Kakteen schon als Teenager“, sagt Eri Wada, Chefin im „Two and Two“. Zu jedem Exemplar gehört natürlich ein Übertopf. Auf Wohnblogs wie „Homestory“ sind Tipps zu finden, wie der Kaktus besonders zur Geltung kommt: „Geradezu edel wirken die großen Stacheligen in goldenen oder bronzenen Übertöpfen, und besonders gut machen sie sich in einem hellen, eher minimalistischen Wohnumfeld.“ Wer es verspielt mag, greift zu grünen Übertöpfen – in Kaktusform.

Rückkehr zum Ursprünglichen

Der Kaktus passt gut in die Zeit. In den Neunzigerjahren kaufte man sich noch aufblasbare Kakteen, heute stehen wieder die echten in der Wohnung. Denn immer mehr Menschen besinnen sich auf Handgemachtes und Ursprüngliches. Wer sein Brot selbst backt und das Wohnzimmer mit selbst gepflückten Blumen dekoriert, findet wohl auch Gefallen an Zimmerpflanzen – besonders an einer so unaufgeregten wie dem Kaktus.

Vielfalt und Spaßfaktor

Kein Kaktus sieht aus wie der andere. Schlichte runde Knolle oder verästelte Arme, mit Blüte oder ohne Blüte, haarig oder glatt, groß oder klein: die Vielfalt der Pflanze besticht. Zugleich ist jedoch jede dritte Kaktus-Art vom Aussterben bedroht, wie die Weltnaturschutzunion erst kürzlich mitteilte. Grund ist der illegale Handel mit den Pflanzen und ihren Samen. Besser also nicht bei unbekannten Internethändlern bestellen, rät die DKG. Wer beim Blumenhändler, im Baumarkt oder spezialisierten Gärtnereien kauft, mache dagegen nichts falsch. Wer nicht gleich kaufen will, kann natürlich auch den öffentlichen Anblick genießen. Viele botanische Gärten haben auch Kakteen-Gewächshäuser.

Wüstenflair fürs Wohnzimmer

Wer Kinder und Kakteen hat, ist klar im Vorteil – zumindest, wenn es um Geburtstagsfeste für die Kleinen geht. Schließlich lässt sich die Cowboy-Party viel besser verkaufen, wenn man sich ein bisschen Wüstenflair ins Wohnzimmer holt. Als Alternative bietet sich dafür natürlich immer noch die aufblasbare Variante an. Hier besteht jedenfalls keine Pieksgefahr.

Wissenswertes rund um Kakteen

  • Die Pflanzenfamilie der immergrünen Kakteengewächse (Cactaceae) zählt in mehr als 100 Gattungen 1500 bis 1800 Arten. 33 Arten sind vom Aussterben bedroht, weitere 78 Arten sind gefährdet oder stark gefährdet.
  • Die 1892 in Berlin gegründete Deutsche Kakteen-Gesellschaft e.V. vertritt heute rund 5000 Botaniker, Hobbyzüchter und Fensterbrettsammler.
  • Die bis zu vier Meter lange Kletterpflanze Binsenkaktus (Rhipsalis baccifera) ist die am weitesten verbreitete Kakteenart und kam ursprünglich als einzige außerhalb von Amerika vor.
  • Die aus vielen Wildwest-Filmen bekannten Kandelaberkakteen (Carnegiea gigantea, Foto) stehen in den Wüsten von Kalifornien, Arizona sowie Mexiko und werden bis zu 15 Meter hoch.
  • Carnegiea gigantea und die mit ihnen verwandte Gattung der Ferokakteen werden bis zu 200 Jahre alt. Schnell wachsende Arten wie Echinopsis mirabilis bringen es dagegen nur auf 10 bis 15 Jahre.
  • Der heute als „Schwiegemutterstuhl“ bekannte Echinocactus grandis wurde von den Azteken im 14. Jahrhundert als ritueller Opfertisch verwendet. Für den Jagdgott Mixcoatl wurden Menschen auf seinen langen Stacheln aufgespießt.
  • Die berauschende Wirkung des Peyote-Kaktus (Lophophora williamsii) war den Ur-Amerikanern schon in prähistorischer Zeit bekannt. Das später aus dem Peyote-Kaktus isolierte Halluzinogen Meskalin wurde in den 1920er Jahren auch in Europa zur Modedroge.
  • Die Comedian Harmonists sangen in ihrem Klassiker „Mein kleiner grüner Kaktus“ Ende 1934 „und wenn ein Bösewicht was Ungezognes spricht, dann hol ich meinen Kaktus und der sticht, sticht, sticht“ – da galt für das Sextett bereis ein deutschlandweites NS-Auftrittsverbot.

Von Alexandra Stahl

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