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Garten Unkraut bekämpfen ohne Chemie
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15:46 12.04.2018
Auch wenn es mühsam ist – im Beet hilft regelmäßiges Durchhacken gegen unerwünschte Pflanzen. Ausrupfen muss man allerdings doch noch. Quelle: Pixabay (2)

Obwohl ich den Begriff Unkraut deutlich großzügiger auslege als manch anderer Gärtner, gibt es auch in meinem Garten unerwünschtes Grünzeug. Als Biogärtnerin frage ich mich: Wie kann ich Unkraut mit natürlichen Mitteln bekämpfen? Unkrautvernichter kommt nicht infrage. Aber auch viele Hausmittel sind alles andere als umweltfreundlich.

Finger weg von diesen Hausmitteln

Essig kann nicht schädlich sein? Kann er doch. Damit Essig Unkraut vernichtet, muss er in hoher Konzentration aufgebracht werden. Das schmeckt weder den Pflanzen, die man erhalten will, noch den Bodenlebewesen. Mal abgesehen von dem Schaden, den er anrichtet, wenn er ins Grundwasser gelangt. Also heben Sie sich den guten Balsamico lieber für das Salatdressing auf.

Hopfen und Salz, Gott erhalt’s. Ja gut, der Spruch geht irgendwie anders. Aber wer denkt, dass Salz eine natürliche Methode zur Bekämpfung von Unkraut ist, bei dem ist Hopfen und Malz verloren. Oder haben Sie schon mal Salat am Meeresstrand geerntet? Bis auf sehr wenige Ausnahmen kommt keine Pflanze mit salzigem Boden zurecht.

Aber an Wasser ist nun wirklich nichts auszusetzen. H2O – natürlicher wird es nicht. Stimmt schon. Nur muss es, wenn es zur Unkrautvernichtung taugen soll, leider kochen. Kennen Sie das Gefühl unter der Dusche, wenn irgendwer im Haus das kalte Wasser voll aufdreht und aus angenehm warm kochend heiß wird? Noch schlimmer fühlt sich der Hummer im Kochtopf – und dem Regenwurm im Boden geht es ebenso. Keine gute Idee also. Gießen Sie sich mit dem kochenden Wasser lieber eine Tasse frischen Tee aus Gartenkräutern auf und freuen Sie sich an der lebendigen Natur im Garten.

Gute natürliche Unkrautbekämpfung

Es gibt gute Methoden zur natürlichen Unkrautbekämpfung. Methoden, die keinen Schaden im Boden und unter Bodenlebewesen anrichten. Leider sind die meisten von ihnen mit Arbeit verbunden. Für den Bewuchs zwischen Wegplatten ist der gute alte Fugenkratzer das Mittelder Wahl. Regelmäßig angewendet, ist das schnell erledigt. Aber wer schafft es schon regelmäßig, die Fugen zu kratzen? Ich eher nicht. Deshalb habe ich mich mit dem Fugenbewuchs weitgehend arrangiert. Viele der dort wachsenden Pflänzchen finde ich sogar ganz hübsch. Den Rest versuche ich zumindest vor der Samenbildung zu entfernen. Kluge (oder faule) Gärtner siedeln bewusst erwünschte Pflanzen in den Fugen an. Niedrige Moose sehen hübsch aus oder bei größeren Fugen trittfester Kissenthymian.

Unkraut mit Hacken in Schach halten

Unkraut im Beet lässt sich durch regelmäßiges Hacken gut in Schach halten. Einmal die Woche rasch mit der Ziehhacke durchgehen. Der Aufwand ist überschaubar. Tief wurzelnde Unkräuter muss man zuvor allerdings vollständig entfernen. Das klappt ganz gut beim Löwenzahn mit einem Pfahlwurzelstecher. Bei Giersch, Quecke und Zaunwinde gleicht das Ganze leider einer Sisyphosaufgabe.

In den letzten Jahren hat sich das Machtverhältnis zwischen mir und der Zaunwinde immer mehr verschoben. Ich habe sie einfach zu lange gewähren lassen. Solange sie nur den Zaun für sich beanspruchte, war alles gut. Von dort aus ist sie längst in die Beete ausgewandert, hat die Johannisbeersträucher übernommen, die Heidelbeeren und im letzten Jahr sogar den Kompost. Sah hübsch aus. Keine Frage. War aber verheerend. Über den Kompost verteilt sich die einnehmende Winde im schlimmsten Fall im ganzen Garten.

Die Zaunwinde ist ein zähes Luder. Aber ganz ohne Licht gibt auch sie irgendwann auf. Abdecken ist daher die Methode der Wahl. Das gilt auch für ihre Brüder und Schwestern im Geiste – Quecke, Giersch und Schachtelhalm. Mein Nachbar deckt seine Beete über drei Viertel des Jahres mit einer hässlichen schwarzen Unkrautfolie ab. So sehr hasse ich die Zaunwinde nun doch nicht, um mir den ganzen Garten zu verschandeln.

Unkraut bekämpfendurch Abdecken

In den Beeten halte ich sie weiterhinmit frühzeitigem Jäten in Zaum. Am Zaunund zwischen den Beerensträuchern decke ich den Boden großflächig mit Pappe (Paketbandreste aus Kunststoff entferneich vorher) und einer dicken Schichtaus alten Zeitungen ab. Vorher streue ichgroßzügig grobe Hornspäne und eine Portion fein vermahlenen organischen Dünger aus. Pappe und Papier entziehen dem Boden bei der Verrottung Nährstoffe, durch die Extraportion Futter jedoch vermeideich Mangelerscheinungen bei den Beeren. Auf die Pappschicht kommt eine großzügige Lage Holzhäcksel. Rindenmulchwürde ich bei Gemüse- und Obstkulturen aufgrund der darin enthaltenen Gerbsäure nicht empfehlen. Alles gut angießen – und Ruhe ist für die nächsten ein, zwei Jahre.

Diese Methode kann man auch infrisch angelegten Staudenbeeten sehr gut anwenden. Und sogar bei stark verunkrauteten Gemüsebeeten kann man es damit versuchen. Dazu die gesamte Fläche abdecken und nur für die vorgezogenen Gemüsepflanzen die Unterlage kreuzweise einritzen. Die Pappschicht würde ich bei Gemüse allerdings mit einer Schicht aus torffreier Blumenerde und nicht mit Holzhäckseln bedecken. Nach zwei, spätestens drei Jahren geben auch die hartnäckigsten Unkräuter auf und Sie können auf die Abdeckung verzichten.

Natürlich können Sie auch gekauftes Unkrautvlies aus dem Gartencenter verwenden. Aber das geht je nach Gartengrößeganz schön ins Geld. Pappe und Zeitungen hat man meist sowie im Haus. Wegen der Druckerschwärze müssen Sie sich keine Gedanken machen. Heute ist Druckerschwärze frei von schädlichen Bestandteilen. Nur auf Hochglanzprospekte sollten Sie verzichten.

Auf den Holzhäcksel werden sich im Laufe der Zeit wieder unerwünschte Kräuter ansiedeln. Diese lassen sich jedoch leicht entfernen. Die Zaunwinde wird es nicht so schnell durch die Pappschicht schaffen – und wenn, dann bin ich diesmal vorbereitet.

Pestizide verboten

Auf versiegelten Flächen wie Gehwegen, einer gepflasterten Auffahrt oder Terrassen dürfen Pflanzenschutzmittel generell nicht verwendet werden. Verstöße gegen das Pflanzenschutzgesetz können mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Die Pestizide könnten mit dem abfließenden Oberflächenwasser über die Kanalisation in das Trinkwasser gelangen, erklären Verbraucherschutzdienste. Laut dem Verband der Naturfreunde kaufen Deutschlands Hobbygärtner für 65,7 Millionen Euro „Gartenpestizide“.

Von Anja Klein/RND

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