Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Garten Winterpoesie statt Langeweile
Mehr Garten Winterpoesie statt Langeweile
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:19 01.02.2018
Wunderschön: Mit Eiskristallen überzogene Pflanzen. Quelle: Montage: iStock, Pixabay

Wenn weder Unkraut gejätet noch Rasen gemäht wird, bleibt nicht nur mehr Zeit für die Planung – die kalte Jahreszeit öffnet auch die Augen. Den ungeliebten Frost können Pflanzenfreunde dabei durchaus als ihren Verbündeten sehen. Er räumt auf und zeigt die Stärken und Schwächen eines Gartens. Beste Bedingungen für eine Bestandsaufnahme und das anschließende Ideenschmieden. Natürlich zeigt sich auch ein gekonnt komponierter Garten im Winter nie so üppig und bunt wie im Mai und Juni.  Doch wer den Blick für die Bilder während der sogenannten Vegetationsruhe schärft, wird sie zu schätzen wissen.

Schönheit statt Schnitt

Besonders attraktiv wirken winterliche Gärten, wenn die Liaison aus klirrender Kälte und hoher Luftfeuchte die Pflanzen mit Raureif überzuckert und in glitzernde Skulpturen verwandelt. Fällt dann noch das schräge Licht der Wintersonne auf die Eiskristalle, malt die Natur Bilder, die jede andere Form der Gartendekoration überflüssig machen. Wer im Herbst die Beete „aufgeräumt“ und abgestorbene Stängel und Samenstände abgeschnitten hat, versäumt diesen Anblick. Ein Schlüssel für einen attraktiven winterlichen Garten liegt deshalb in der richtigen Pflege und der Erkenntnis, dass auch tote Pflanzenteile dekorativ wirken können. Was gefällt, ist letztlich Geschmackssache, als Faustregel mag gelten: Pflanzenteile, die auch nach dem Frost Haltung bewahren, werden erst im März abgeschnitten. Besonders attraktiv wirken beispielsweise die Halme des Chinaschilfs (Miscanthus), die Dolden des Gewürzfenchels (Foeniculum vulgare), die Blütenköpfchen des Sonnenhutes (Rudbeckia) oder die scheibenförmigen Samenstände hoher Fetthennen (Sedum-Hybriden). Letztere sitzen auf so stabilen Stängeln, dass sie sogar eine Haube aus Schnee mit Anmut tragen. Ein derart „unaufgeräumtes“ Staudenbeet bietet nicht nur mehr Abwechslung, sondern Insekten und Vögeln auch Winterfutter.

Pflanzenteile, die dem Frost trotzen, werden erst im März abgeschnitten. Quelle: Pixabay

Gehölze als Gerüst

Manchmal braucht es mehr als nur eine veränderte Pflege. Wenn die Augen im winterlichen Garten keinen Halt finden, kann das auch daran liegen, dass ihm ein tragendes Gerüst fehlt. Größere Ausrufezeichen mit einer räumlichen Wirkung können Gehölze setzen, denn sie prägen das Bild ganzjährig. Je nachdem, wie viel Platz zur Verfügung steht, könnte ein Baum oder ein Strauch einen Blickpunkt bieten. Dabei kommen außer immergrünen Arten wie Eibe (Taxus) oder Stechpalme (Ilex) auch Laub abwerfende Gehölze infrage, die den Garten im Winter statt mit Blättern anderweitig bereichern. Manche tragen Früchte – so wie der Zierapfel der Sorte Red Sentinel oder Rosen mit ihren Hagebutten. Andere wie der Duft-Schneeball (Viburnum x bodnantense Dawn), blühen im Winter. Doch es gibt auch subtileren Schmuck: Ihre kupferfarbene Rinde trägt die Mahagonikirsche (Prunus serrula) zwar das ganze Jahr über, doch zur Geltung kommt ihre äußere Haut erst im Winter, wenn die übrigen Pflanzen sich eher unauffällig geben und die schräg stehende Sonne die Rinde glänzen lässt. Dabei bietet diese Kirsche auch in den übrigen Jahreszeiten Höhepunkte: Im Frühling ist sie von rosafarbenen Blüten übersät, im Sommer spendet ihr Blätterdach Geborgenheit samt Schatten und im Herbst färbt sich das Laub gelb bis orange.

Stauden zum Staunen

Auch eine Etage tiefer, unterhalb der Gehölze, setzen Pflanzen im Winter Akzente. Einige Stauden machen weder durch attraktive Samenstände auf sich aufmerksam, noch ziehen sie sich zurück und hinterlassen kahle Erde: Sie sind gewachsen, um zu bleiben, und wintergrün. Diese Blattschmuckstauden bedecken den Boden auch in der kalten Jahreszeit mit teilweise raffiniert gemustertem Laub. Beim Vorfrühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum) sehen einige Sorten so aus, als hätte man auf die nierenförmigen Blätter dunkelgrüne Tannenbäumchen gedruckt. Seinen Namen verdankt dieses Alpenveilchen dem Zeitpunkt der Blüte, seine Blätter trägt es vom Herbst bis zum Frühling. Auch das Laub der Purpurglöckchen (Heuchera) trotzt dem Winter, wobei hier die Farbpalette Rot- und Ockertöne bis hin zu hellem Limonengrün bietet. Für großflächige, den Boden bedeckende Pflanzungen empfiehlt sich die Elfenblume. Sie bildet einen ganzjährig dichten, rund 30 Zentimeter hohen Blätterteppich. Als besonders unkompliziert und attraktiv gilt die im April blühende Sorte Orangekönigin.
Die Pläne für einen ganzjährig attraktiven Garten lassen sich schon in einigen Wochen umsetzen. Sobald der Boden wieder aufgetaut ist, beginnt im März die Pflanzzeit für Stauden und Gehölze.

Was im Wintergarten jetzt noch ansteht

Auch wenn sich der Garten derzeit noch im Winterschlaf befindet, stehen für Hobbygärtner einige Arbeiten auf ihrem Grundstück an. So sollten sie nun etwa Bäume auf Schäden durch Mäuse, Wühlmäuse und Hasen kontrollieren. Dazu rät die Gartenakademie Rheinland-Pfalz. An den Obstbäumen verbliebene Mumienfrüchte müssen spätestens jetzt entfernt werden. Und bei einer Witterung von über zehn Grad können schon erste Behandlungen gegen die Kräuselkrankheit anstehen. Sie wird durch einen Pilz verursacht und befällt Pfirsich-, Nektarinen- und Mandelbäume. Der Pilz übersteht den Winter als Geflecht auf Zweigen und Knospenschuppen. Steigen die Temperaturen auf über zehn Grad, zerfällt das Pilzmyzel in kleine Zellen und kann nun bei Regen in die jungen Knospen  eingespült werden und so die jungen Blätter infizieren. Ist ein Pflanze von der Kräuselkrankheit befallen, macht sich das durch gelbgrüne bis rötliche wellige Ausbeulungen an den Blättern bemerkbar.

Von Stefanie Syren/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Garten Schutz vor Einbrechern - Tatort Gartenlaube

In den Wintermonaten sind viele Kolonien meist menschenleer, das lockt Randalierer und Einbrecher an. Wie man sich schützen kann, lesen Sie hier...

25.01.2018

Das Gartenjahr 2018 steht im Zeichen von Gemütlichkeit, Freiluft-Kochsessions und Nachhaltigkeit – aber auch der digitale Wandel ist laut Experten ein Thema, vor allem bei männlichen Hobbygärtnern.

18.01.2018

Ist es für die Einlagerung geeignet, gibt es viele Möglichkeiten, Obst und Gemüse in guter Qualität durch die kalte Jahreszeit zu bringen. Wie das am besten gelingt, erfahren Sie hier...

10.01.2018