Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Garten Besseres Hausklima
Mehr Garten Besseres Hausklima
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:35 28.03.2018
Wertsteigerung: Immer mehr Menschen wollen in begrünten Häusern wohnen.  Quelle: Fotolia

Begrünte Hausfassaden bieten nicht nur einen schönen Anblick, sondern leisten auch einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz, da sie Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere bieten und zur Verbesserung des Klimas erheblich beitragen. Grüne Wände schlucken zudem Lärm und binden Schadstoffe und Staub.

Wer plant, seine Hausfassade zu begrünen, sollte dabei einige Aspekte beachten, denn nicht jede Pflanze eignet sich für jede Fassade. „Am besten eignen sich heimische Pflanzen, denn auf sie sind die heimischen Insekten und Vögel am besten eingestellt“, erklärt Magnus Wessel, Leiter der Naturschutzpolitik- und -koordination beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Berlin. Ältere Fassaden sollten immer vorher auf ihre Tauglichkeit geprüft werden. „Raue Wände eignen sich prinzipiell gut für frei rankende Pflanzen wie wilden Wein.“ Rankhilfen sind dann sinnvoll, wenn es sich um glatte Wände handelt oder die Begrünung leichter wieder entfernbar sein soll.

Umstrittener Efeu bei Wildbienen beliebt

Für alle Begrünungstechniken gilt, dass die Pflanzen ein Beet benötigen, in dem sie wurzeln können. „Blumenkübel sind nicht so passend, denn bei ihnen muss die Erde alle paar Jahre ausgewechselt werden und die Wurzelballen können zu groß werden. Wenn dann die Pflanze schon sehr groß ist, stellt das Wechseln des Topfes eine echte Herausforderung dar“, meint Wessel. Für eine besondere Variante der Fassadengestaltung sind auch alte Spalierobstarten geeignet. „Wer die alten Sorten an der Hauswand anpflanzt, hat nicht nur einen echten Hingucker, sondern tut auch ganz gezielt etwas für ihre Erhaltung. Und je nach Gegend ist sogar die Anpflanzung von Pfirsichen möglich.“

Beim Thema Efeu scheiden sich bekanntlich die Geister – doch er bietet nicht nur zahlreichen Insekten eine Heimat. „In den letzten Jahren wurde eine Wildbienenart neu entdeckt, die auf Efeu spezialisiert ist“, berichtet Magnus Wessel. Die immergrüne Pflanze hat sehr gute Klettereigenschaften. „Man muss schon aufpassen, dass der Efeu sich nicht unter das Dach schiebt, ansonsten ist er hervorragend für eine Begrünung geeignet“, erklärt Wessel. Dass Insekten und Spinnen von der Fassadenbegrünung aus ins Haus krabbeln könnten, könne zwar nie ausgeschlossen werden. „Aber hier haben wir ja auch deren Antagonisten, etwa Vögel, mit an Bord, deshalb ist die Gefahr nicht ganz so groß“, meint Wessel.

Wand muss das Gewicht tragen

Zur Begrünung von Fassaden gehört auch die Pflege der Kletterpflanzen. „Wilde Arten benötigen keine zusätzliche Wasserzufuhr. Und bei kleineren Gebäuden wie etwa Gartenlauben kann mit einer einfachen Umleitung der Dachrinne erreicht werden, dass auch der Boden mitbewässert wird. Zur Pflege gehört auch der regelmäßige Rückschnitt der Pflanzen. „Es ist sinnvoll, hier abschnittweise vorzugehen und in verschiedenen Monaten eine Fläche nach der anderen zurückzuschneiden. Das sorgt für die Erhaltung der Artenvielfalt und sieht auch besser aus. Auch hier gilt natürlich, dass die Brutzeiten eingehalten werden müssen“, betont Wessel. Grundsätzlich sollte bei direkter Begrünung darauf geachtet werden, dass die Wand auch das Gewicht der Pflanze trägt. „Das Eigengewicht ist eine potenzielle Belastung – etwa Knöterich muss deshalb regelmäßig zurückgeschnitten werden“, rät der Fachmann.

Fassaden mit wildem Wein, Knöterich oder Efeu sehen nicht nur schön aus, sie sind auch kleine Kraftwerke, die das Klima verbessern. Wie sehr jede einzelne grüne Fassade tatsächlich zur Verbesserung des Klimas beitragen kann, zeigt eine von dem Hamburger Klima-Architekten Florian Betzler entwickelte Formel zur Wasserverdunstung (Green Density Factor) und der daraus entstehenden Kühlung (Green Cooling Factor). „Damit kann genau errechnet werden, wie viel Begrünung nötig ist, um die Versiegelung, die durch einen Hausbau entsteht, zu kompensieren“, erklärt Betzler, der in Hamburg das erste komplett begrünte Haus gestaltet und für eine große Atomforschungseinrichtung den gesamten Gebäudekomplex begrünt hat.

Städte wirken wie kleine Heizkörper auf das Klima

„Städte bedecken heute etwa ein Prozent der Landflächen, und sie wirken wie Heizkörper auf das Klima“, betont der Architekt. Denn die Energie, die durch Heizung und Klimaanlagen der Häuser in die Atmosphäre abgegeben wird, lässt die Temperatur in Städten immer mehr ansteigen und trägt damit immer stärker zur Erderwärmung bei. „In den Städten wird bereits etwa 50 Prozent des globalen Energiekonsums benötigt“, weiß Betzler. Die Versiegelung (siehe Infokasten) bedingt den Verlust der Verdunstungskälte des lokalen Regens. Dies führt zum Überhitzen von Stadträumen, auch bekannt als städtische Hitzeinseln. „Begrünung an den Fassaden und auf den Dächern sorgt dafür, dass das Regenwasser im Kreislauf bleibt und trägt entscheidend durch die Verdunstung zur Kühlung bei“, erläutert er weiter. „Zur Begrünung eignen sich auch Moose gut“, ergänzt er. Moos sollte man dabei komplett sich selbst überlassen.

„Zur Verbesserung des Stadtklimas kann jeder beitragen, denn irgendetwas kann man immer begrünen, und sei es, dass man Blumentöpfe auf den Balkon stellt“, meint Betzler. Magnus Wessel vom BUND hat noch einen anderen Aspekt im Blick: „Fassadenbegrünung kann auch die erste Naturkunde für Kinder sein – sie müssen nur den Kopf aus dem Fenster strecken.“ Und Architekt Betzler sieht einen ganz pragmatischen Effekt: „Wer sein Haus begrünt, steigert dessen Wert, denn immer mehr Menschen wollen in begrünten Häusern wohnen.“

Stichwort Versiegelung

Laut Umweltbundesamt sind etwa 46 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen versiegelt, das heiß bebaut, betoniert, asphaltiert und gepflastert. Sprich, der Boden ist luft- und wasserdicht abgedeckt. Damit gingen wichtige Bodenfunktionen, eben vor allem die Wasserdurchlässigkeit und die Bodenfruchtbarkeit, verloren, bemängeln die Experten der Behörde mit Blick auf die ökologischen Auswirkungen.

So habe eine übermäßige Bodenversiegelung unmittelbare Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, Regenwasser kann weniger gut versickern und die Grundwasservorräte auffüllen. Zudem steige das Risiko, dass es bei starken Regenfällen zu Überflutungen kommt, da die Kanalisation die oberflächlich abfließenden Wassermassen nicht fassen kann. Ebenfalls verheerend ist die negative Beeinflussung des Kleinklimas: Versiegelte Böden können kein Wasser verdunsten, weshalb sie im Sommer nicht zur Kühlung der Luft beitragen. Hinzu kommt, dass sie als Standort für Pflanzen ungeeignet sind, welche somit als Wasserverdunster und als Schattenspender ausfallen.  caro

Von Sonja Steiner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Unter Gärtnern zählt das „schwarze Gold“ zu den Topdüngern: Kompost. Er schont Umwelt und Portemonnaie, ist nährstoffreich und verwertet Garten- und viele Küchenreste sinnvoll. Und mit ein paar Tipps ist kompostieren auch noch denkbar einfach.

20.03.2018

Mit den ersten Sonnenstrahlen zieht es viele Hobbygärtner nach draußen: Aussaaten vorbereiten, Beete, Bäume und Sträucher in Form bringen und Kübel herrichten: Welche Arbeiten stehen an, damit sich Gärten und Balkone in grüne Paradiese verwandeln?

16.03.2018

Tulpen! Wenn nicht sie, welche Pflanzen im Garten lassen sich dann als Klassiker bezeichnen? Gerade zur Osterzeit sind ihre bunten Kelche beliebt. Hier die wichtigsten Fakten – von Tomatendünger über geeignete Beetpartner bis zur wahren Herkunft.

15.03.2018