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Garten Wenn die Wühler lästig werden
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10:44 20.06.2018
Harmloser Hügelbauer: Der Maulwurf steht seit 1988 unter Naturschutz. Während seine Erdhaufen manches Beet verschandeln, richtet der Insektenfresser immerhin keinen Schaden an Pflanzen an.  Quelle: dpa

Schon Comicurvater Wilhelm Busch, der als feiner Naturbeobachter galt, brachte einst seinen Ärger über „den schwarzen Wühler“ aufs Papier. So dichtete er in „Der Maulwurf“ anschaulich, wie ein „Gärtner namens Knoll“ dem eifrigen Schädlingsvertilger den Garaus machte. Dabei gibt es über den Maulwurf durchaus Positives zu berichten: Weil er sich ausschließlich von Regenwürmern, Insekten und deren Larven ernährt, droht Gartenpflanzen durch das bis zu 16 Zentimeter große Tier keine Gefahr. Prinzipiell kann man sich also über Maulwürfe freuen – zeigt ihre Anwesenheit im Garten doch, dass der Boden gesund ist und es dort zahlreiche Kleinlebewesen gibt. Der Naturschutzbund (Nabu) rät Gärtnern daher zu mehr Gelassenheit angesichts von aufgetürmten Erdhügeln auf Rasenflächen und Rabatten und gibt zu bedenken: „Die ausgeworfene lockere Erde kann hervorragend für ein Blumenbeet genutzt werden.“

Maulwürfe sind nützliche Insektenfresser. Doch nicht jeder Gärtner freut sich über die Erdhügel auf dem Rasen. Quelle: Pixabay

Vertreiben statt töten

Wer sich damit jedoch nicht abfinden will und die hartnäckigen Insektenfresser, deren Verwandte Spitzmäuse und Igel sind, dauerhaft aus dem grünen Privatparadies verjagen will, muss den Naturschutz beachten. Denn anders als die Wühlmaus, die ähnlich kapitale Erdbauten errichten kann, wird der Maulwurf per Gesetz behütet.

Das bedeutet für den genervten Gärtner, dass der den lästigen Tunnelbauer zwar vertreiben, auf keinen Fall aber töten darf. Auch das Fangen mit sogenannten Lebendfallen ist verboten – Stress und Nahrungsmangel könnten lebensbedrohlich für das Tier sein. Ehe sich Gärtner jedoch auf die Pirsch begeben, gilt es zu prüfen, ob die Erdhaufen im Beet wirklich vom Maulwurf stammen oder ob dort womöglich eine Wühlmaus ihr Unwesen treibt. Sicher unterscheiden lässt sich das anhand der Hügellandschaft: So weisen flach verlaufende Tunnelsysteme auf Wühlmäuse hin. Typisch sind längere Gänge, über denen sich die Bodenoberfläche leicht aufwölbt, dicht unter der Grasnarbe. Da die Tiere die Erde mit ihren Hinterbeinen aus dem Gangsystem hinausdrücken, entstehen oberirdisch eher flache Haufen, die häufig mit Graswurzeln durchsetzt sind. Auch wenn im Gang angebissene Gehölzwurzeln zu erkennen sind, ist der Übeltäter eindeutig eine Wühlmaus.

Chaotische Maulwurfsgänge

Der Maulwurf dagegen legt je nach Bodenbeschaffenheit sehr tiefe Tunnelsysteme an. Die überschüssige Erde drückt er dabei durch einen nahezu senkrecht in die Tiefe führenden Gang an die Erdoberfläche. Von oben betrachtet, sind Maulwurfshügel fast kreisrund. Der Gang befindet sich meist genau in der Mitte unter dem Haufen. Weil der kleine Erdbewohner nur Tunnel gräbt, um Regenwürmer und Co. aufzuspüren, und dabei ausschließlich seinem Geruchssinn folgt, sind die Gänge entsprechend chaotisch angelegt und gekennzeichnet durch viele plötzliche Richtungswechsel.

Kampf mit allen Sinnen

Handelt es sich bei Erdhügeln tatsächlich um das Werk eines Maulwurfs, ist zu dessen friedlicher Vertreibung hilfreich zu wissen, dass der kleine Untertagearbeiter wegen seiner fein ausgeprägten Sinnesorgane weder Krach noch Gestank oder Erschütterungen mag. Diese Aversionen sind es, die sich Gärtner zunutze machen können. Der NABU rät beispielsweise dazu, aus Zweigen vom Lebensbaum, Holunder oder Knoblauch eine intensiv riechende Brühe anzusetzen und in kleineren Mengen in die Gänge zu schütten. Aber Vorsicht: Natürlich darf der Wühler durch diese Maßnahme nicht ertränkt werden. Auch der Fachhandel hält geruchsintensive „Vergrämungsmittel“ bereit. Anwender sollten jedoch beachten, dass die Präparate gleichmäßig auf das Gangsystem verteilt werden. Dazu muss der Tunnel alle paar Meter geöffnet und die stinkende Substanz eingefüllt werden. Diese Prozedur ist mindestens einmal wöchentlich zu wiederholen – solange nämlich, bis der clevere Erdbewohner keine neuen Haufen mehr aufwirft.

Schiefe Töne: Eine schräg eingegrabene Flasche erzeugt bei Wind Geräusche, die der Maulwurf nicht mag. Quelle: dpa

Willkommen, Fressfeinde!

Effektiv zur Vertreibung sei auch die akustische Methode, rät der NABU: Man kann zum Beispiel Holzpfähle in die Haufen schlagen und so oft wie möglich dagegen klopfen, sodass sich der Maulwurf manchmal einen ruhigeren Ort aufsucht und den Garten dafür verlässt. Als Geheimtipp unter Gärtnern gilt auch die leicht schräg in den Boden eingegrabene Flasche, die bei Wind einen Ton erzeugt. Auch andere Klangspiele, bei denen beispielsweise an Fäden aufgehängtes altes Besteck gegen einen Metallständer schlägt, sollen sich zum Vertreiben eignen.

Mäusebussard, Schleiereule, Graureiher, Fuchs, Steinmarder, Iltis und Wiesel gelten als natürliche Widersacher der Wühler. Um diese Fressfeinde in den Garten zu locken, sollten Gärtner also möglichst viele Unterschlupfmöglichkeiten für sie schaffen, beispielsweise indem sie Steinhaufen oder Gehölzhecken anlegen.

Den Maulwurf zieht es in Großstädte

Wie viele Maulwürfe es gibt, weiß niemand. Der stellvertretende Geschäftsführer vom Bund Naturschutz Bayern, Martin Hänsel, sagte vor Kurzem, den Maulwurf ziehe es in Großstädte: „Insgesamt geht man durch die zunehmende Landwirtschaft davon aus, dass die Gesamtzahl der Maulwürfe abnimmt. Die Stadt ist ein Refugium geworden, wie auch für Vögel oder den Igel“, sagte Hänsel in einem Zeitungsinterview. Der Maulwurf komme locker über Feldwege und einspurige Straßen. „Das macht er aber nur, wenn der Randstein nicht zu hoch ist und er auf der anderen Seite eine sichere dunkle Böschung als Silhouette erkennt“, so Hänsel.

Von Julia-Marie Meisenburg/RND

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