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Garten Summ, summ: Pflanzen, die Bienen schmecken
Mehr Garten Summ, summ: Pflanzen, die Bienen schmecken
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15:46 07.02.2018
Unersättlich: Bienen und Hummeln brauchen das ganze Jahr über Pollen und Nektar, um überleben zu können.  Quelle: Pixabay

Sie gelten als gesellig, fleißig, perfekt organisiert und produzieren leckere Nahrung: Honigbienen. Wohl kaum ein anderes Insekt hat ein so gutes Image, fasziniert als Sympathieträger und Nutztier seit Jahrhunderten. Mehr als 80 Prozent der heimischen Pflanzen müssen von ihnen bestäubt werden, um sich zu erhalten und erneuern zu können. Und doch ist der Lebensraum der emsigen Nützlinge und ihrer „wilden Kolleginnen“ zunehmend bedroht. Die Gründe dafür sind vielfältig: Es fehlt ihnen an Nahrung, zudem machen ihnen Parasiten, Bienenkrankheiten und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln das Leben schwer. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Denn Hobbygärtner und Balkonbesitzer können einen enormen Beitrag dazu leisten, dass die Insekten ausreichend Pollen, Nektar und einen geeigneten Lebensraum finden. Garten- und Landschaftsarchitektin Simone Kern, die mit ihrem Ratgeber „Mein Garten summt – ein Platz für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln“ 2017 den Deutschen Gartenbuchpreis gewonnen hat, gibt Tipps, wie die private Freifläche bienenfreundlich gestaltet wird.

Vielfältiges Pflanzenangebot von Frühling bis Herbst

„Bienen und Hummeln brauchen Pollen und Nektar – und zwar das ganze Jahr über“, erklärt die Expertin, die sich auf die naturnahe Planung und Gestaltung von kommunalen Freiflächen, Schulgeländen und Privatgärten spezialisiert hat. Für die Pflanzenwahl im Garten und auf dem Balkon sollten heimische nektar- oder pollenreiche Pflanzen wie Krokusse, Winterlinge, Weiden, Salbei, Fetthenne, Akelei, Lauch, Astern und Heilziest berücksichtigt werden. Kern: „Sie bieten vor allem Wildbienenarten Nahrung. Idealerweise sollte die Pflanzenzusammenstellung so sein, dass vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein ein Nahrungsangebot vorhanden ist. Absolute Bienenmagneten sind auch Kräuter wie Rosmarin, Thymian, Lavendel und Borretsch, die problemlos auf dem sonnigen Balkon oder der Fensterbank im Topf gezogen werden können.“ Verzichten sollten Bienenfreunde stattdessen auf beliebte Klassiker wie Geranien oder Forsythien. „Die sehen vielleicht schön aus, sind ökologisch jedoch völlig wertlos.“ Überhaupt seien bei vielen unserer üppigen und herrlich duftenden Zierpflanzen die Blütenblätter züchterisch vermehrt. Landschaftsarchitektin Kern: „Dabei spricht man von gefüllten Blüten. Entweder haben diese gar keine Staubbeutel mehr oder sie sind so dicht, dass sie den Tieren den Zugang zur Nahrungsquelle verwehren.“

Einen Teil des Gartens naturnah gestalten

Gartenbesitzer können neben dem Kauf passender Pflanzen noch mehr für die wichtigen Nützlinge tun. Eine Wildstrauchhecke, beispielsweise aus Kornelkirsche oder Weiden, bietet Schutz und Nahrung. Und natürlich schaffen auch Apfel-, Birnen- oder Kirschbäume eine reich gedeckte „Bienentafel“ im privaten Paradies. Wer über eine nicht ganz ordentliche, naturnahe Ecke im Garten hinwegsehen kann, lässt einen Teil des Grundstücks verwildern, sorgt beispielsweise mit einem Stapel Totholz im Schatten für Unterschlupf. Auch eine Wildblumenwiese oder Trockenmauern seien ideal. Anstatt aus Beton und Asphalt sollten Gartenwege aus Kies oder Sand gestaltet werden. Kern: „Weil in den Hohlräumen der Stängel zahlreiche Larven von Wildbienen überwintern, sollten Gärtner darauf verzichten, im Herbst alle Pflanzen herunterzuschneiden. Bei vielen Stauden ist das nicht notwendig und kann problemlos Ende Februar nachgeholt wer den.“ Wer den Nützlingen ein geeignetes Quartier schaffen will, baut ihnen ein „Insektenhotel“. Anleitungen dazu finden sich beispielsweise im Internet auf den Seiten des Naturschutzbund Deutschland e. V. (www.nabu.de) oder unter www.bienenretter.de/wildbienenhotel/.

Pestizide schaden Nützlingen

Aus dem Schuppen verbannen sollten Naturfreunde zwingend auch Pflanzenschutzmittel und Insektizide. Kern: „Ihr Einsatz – sowohl in der Landwirtschaft, aber auch im Privatgarten – hat mit zum weltweiten Bienensterben beigetragen. Viele Menschen wissen beispielsweise noch immer nicht, dass Mittel wie Glyphosat die Gehirnprozesse der Tiere stören und ihre Kommunikation, Navigation und Pollensammelfähigkeit einschränken. Sie verlieren die Orientierung, finden schlimmstenfalls nicht zurück in den Bienenstock und verenden.“ Wen Unkraut im Beet wirklich stört, sollte stattdessen zu ökologisch unbedenklichen Mitteln wie Brennnesseljauche greifen oder klassisch per Hand jäten. Und noch einen Tipp gibt die Garten- und Landschaftsarchitektin: „Auch Bienen haben Durst. Um ihnen zu helfen, kann man im Garten oder auf dem Balkon eine Vogeltränke aufstellen, in die einige flache, herausragende Steine gelegt werden. So können sie leichter an das Wasser kommen, laufen nicht Gefahr, zu ertrinken.“

Obstbauern setzen auf „Teilbienen“

Die Vorbereitungen für die Obstsaison 2018 laufen auf Hochtouren. Nach dem schlechten Vorjahr schauen viele Landwirte angespannt in die Zukunft. Wegen des Bienensterbens werden nur noch maximal die Hälfte der Pflanzen wildbestäubt. Das Online-Netzwerk BEEsharing, auf dem Imker etwa 5800 Bienenvölker zur Bestäubung anbieten, gibt Tipps, wie sich durch gezielte Bestäubung der Ertrag steigern lässt. „Obstbauern, die auf professionelle Bestäubung gesetzt haben, konnten im Vergleich zu umliegenden Betrieben bis zu 50 Prozent mehr Ertrag erzielen“, sagt Wolfgang Reuter, selbst Imker und Co-Gründer von BEEsharing.

Von Julia-Marie Meisenburg

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