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Garten Wer haftet bei Sturmschäden?
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11:00 09.05.2018
Nach dem Sturm: Herabstürzende Äste von maroden Bäumen richten oftmals immensen Schaden an. Wer dafür aufkommt, entscheidet sich im Einzelfall.  Quelle: dpa
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Sie heißen „Friederike“ und „Kyrill“ und sorgen immer öfter für Schäden in Millionenhöhe: schwere Stürme. Und sie bereiten nicht nur der Versicherungsbranche Sorgen, sondern lassen auch hohe, alte Bäume in einem neuen Licht erscheinen. Worauf also sollten Baumbesitzer achten? Und wer kommt für die Schäden auf? Bis Orkantief „Friederike“ im Januar mit voller Wucht über Deutschland hinwegfegte, Dächer abdeckte und für Tausende heruntergefallene Äste und umgestürzte Bäume sorgte, hätte diese Antwort für Dieter Osler aus Hannover gelautet: Natürlich die Versicherung des Baumbesitzers! Umso größer seine Verwunderung, als der schwere Sturm einen rund 20 Zentimeter dicken Zedernast im Garten seines Nachbarn abriss und dieser Oslers Carport unter sich begrub. Schadenhöhe: Rund 850 Euro. Doch statt anstandslos zu zahlen, verwies ihn die Versicherung des Nachbarn an seine eigene Wohngebäudeversicherung. Osler kann das nicht nachvollziehen: „Ich bin doch der Geschädigte. Trotzdem werde ich finanziell bestraft, indem ich auf rund 250 Euro Selbstbeteiligung sitzen bleibe. Und, um überhaupt einen Schadensausgleich zu erhalten, mich zudem auch noch um das ganze bürokratische Gerenne kümmern muss. Da fühle ich mich gelackmeiert.“

Nachbars Zeder: Oft bleiben die Geschädigten auf den Kosten sitzen.  Quelle: Osler

Wichtig für Grundstücksbesitzer: Wohngebäudeversicherung

Die Verärgerung des ehemaligen Hochschullehrers kann Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. zwar nachvollziehen. Dennoch betont sie: „Genau für diesen Fall sollten Grundstücksbesitzer schließlich eine Wohngebäudeversicherung abschließen, immerhin lässt sich nur so ihr Zuhause umfassend absichern.“ Eine entsprechende Assekuranz schütze den Eigentümer einer Immobilie vor den finanziellen Folgen eines Sachschadens, der durch Sturmschäden (ab Windstärke acht), Feuer, Blitzschlag, Hagel, Leitungswasser und Überspannung entstehe.

Aber auch Baumbesitzer sind in der Pflicht, so die Pressereferentin: „Eigentümer von Bäumen haben eine sogenannte Verkehrssicherungspflicht. Das bedeutet, sie sind dafür verantwortlich, dass von ihrem Grundstück keine Gefahren für Nachbarn oder die Allgemeinheit ausgehen. Deshalb sollte regelmäßig der Zustand und die Standfestigkeit der Bäume überprüft werden, bestenfalls durch einen Fachmann.“ Kontrolliert werden sollten Stamm und Krone – einmal im belaubten und einmal im unbelaubten Zustand, also am besten im Sommer und Winter.

Baumbesitzer sollten auf Warnsignale achten

Doch woran lassen sich Schäden am Gehölz überhaupt erkennen? Der erste Blick des Hobbygärtners sollte auf totes Holz im Baum gerichtet sein: Tragen einzelne Äste keine oder nur vertrocknete Blätter oder ist ein Baum in einigen Bereichen nur noch spärlich belaubt, kann bei Eis, starkem Schneefall oder eben heftigem Sturm Gefahr durch herabstürzende Äste aus der Krone drohen. Auch Löcher in Ästen oder gar im Stamm lassen sich selbst für den Laien gut erkennen. Durch sie können beispielsweise Schädlinge und Krankheiten in das Holz eindringen. Weitere Warnzeichen sind Risse, Wunden, faule Stellen oder deutlich sichtbarer Pilzbewuchs.
Die Alarmglocken sollten beim Baumbesitzer schlagen, wenn Pilze am Stamm wachsen. Spätestens dann sollte ein Fachmann zu Hilfe gezogen werden. Solche Baumpfleger finden Grundstücksbesitzer beispielsweise über Fachverbände wie die Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung, den Fachverband geprüfter Baumpfleger oder ISA-Germany, die deutsche Sektion der internationalen Gesellschaft für Baumpflege.

Totes Holz im Baum oder unbelaubte Äste können erste Warnzeichen sein. Quelle: dpa

Aufgaben eines Baumgutachters

Der Baumgutachter prüft, ob das Gehölz gesund beziehungsweise noch stand- und bruchsicher oder durch Pilze und Krankheiten bereits so stark beeinträchtigt ist, dass es eine Gefahr darstellt. „In diesem Fall werden auch die notwendigen Baumpflegemaßnahmen angegeben – wie zum Beispiel die Entfernung der geschädigten Baumteile durch fachgerechten Baumschnitt, der Einbau einer Kronensicherung oder als letzter Ausweg die Fällung des Baums“, informiert die Servicewebseite www.baumpflegeportal.de. Denn: Lässt ein Grundstückseigentümer ersichtlich kranke oder vorgeschädigte Bäume unbehandelt auf seinem Grundstück stehen und werden diese Bäume vom nächstem Sturm gefällt, dann muss der Grundstückseigentümer für hierdurch entstehende Schäden aufkommen. Der Bundesverband Garten- und Landschaftsbau empfiehlt Gartenbesitzern daher auch, nach extremen Naturereignissen ihre Bäume einmal extra gut zu beobachten. Und vor allem sicherzustellen, dass sie nicht noch nachträglich umfallen oder einzelne Äste abbrechen. Damit keine Erreger ins Gehölz eindringen und Stamm und Äste schwächen können, sollten zudem Wunden am Baum möglichst schnell versorgt werden.

Eigentum verpflichtet

Was bedeutet die Verkehrssicherungspflicht für Eigentümer konkret?
 „Ich muss in meinem Haus und auf meinem Grundstück alles absichern, was ein vernünftig denkender Mensch als Gefahrenquelle erkennen würde“, sagt Rechtsanwältin Beate Heilmann von der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwaltverein. Das kann der Gartenteich auf einem nicht eingezäunten Grundstück sein, der Spielplatz eines Mehrfamilienhauses oder ein Baum. Sichern Eigentümer solche potenziellen Gefahrenquellen nicht, können im Schadensfall Ansprüche geltend gemacht werden.

Von Julia-Marie Meisenburg/RND

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