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12:20 26.04.2018
Kahlschlag durch Weichtiere? Muss nicht sein. Mittlerweile gibt es viele effiziente Methoden zur Schneckenabwehr im Garten.  Quelle: iStock

Wenn von den mühsam gehegten Salaten und Ziersalbeipflanzen nur noch löchrige Überreste im Beet stehen, erklärt selbst der friedlichste Hobbygärtner den schleimigen Weichtieren den Krieg. Ein Gegenmittel muss her. Doch um es gleich vorwegzunehmen: Gelegentliche Maßnahmen reichen nicht aus. Um Schnecken wirklich dauerhaft zu bekämpfen, brauchen Gartenfreunde Geduld, eine ausgiebige Strategie und einen Mix mehrerer Methoden, die den Schnecken das ganze Jahr über das Leben schwer machen.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) sieht im massenhaften Auftreten gerade von Nacktschnecken einen Hinweis auf eine Störung des natürlichen Gleichgewichts. Er empfiehlt deshalb vor allem, Schneckenfeinde wie Igel, Spitzmäuse, Blindschleichen und Vogelarten wie Amseln, Stare oder Elstern im eigenen Garten zu fördern, ihnen Unterschlupf zu bieten. Auch Laufkäfer, Glühwürmchen und Hundertfüßler und deren Larven sollten im naturnahen Garten nicht fehlen – auf ihrem Speiseplan stehen nämlich Eigelege und Jungschnecken.

Barriere mit Sägemehl und Kalk bauen

Weil die schleimigen Invasoren viel Feuchtigkeit brauchen, sollten Hobbygärtner zudem den Boden rund um gefährdete Pflanzen möglichst offen halten und nicht oder nur sehr dünn mulchen. Hilfreich sei auch, rund um die bei Schnecken beliebten Beete eine breite Schicht aus Sägemehl und Kalk zu streuen – die Weichtiere meiden nämlich raue Oberflächen. Auch verätze der Kalk ihre Sohle. Einziger Haken: Bei Regen ist diese Methode nur bedingt wirksam oder muss häufig wiederholt werden.

Kaffee vertreibt Schnecken

Um Schnecken aus den Beeten fernzuhalten, verderbe laut NABU auch flächig ausgestreuter Kaffeesatz den Tieren den Hunger und vertreibe sie. Da das Koffein in größerer Konzentration wie ein Nervengift wirke, sei es sogar tödlich für Schnecken. Daher spreche auch nichts dagegen, einen starken Bohnenkaffee auf die Blätter der bei den Vielfraßen besonders begehrten Pflanze zu sprühen. Eine ebenfalls gängige Methode sei es, Schnecken durch den Einsatz von Pflanzen wie Kapuzinerkresse, Phacelia, Rosmarin, Farne oder Gräser das Leben schwer zu machen. Die nämlich werden von den Weichtieren verschmäht. Zwischen das Gemüse gepflanzt, könnten sie Schneckenbefall zumindest eindämmen.

Der frühe Vogel fängt die Schnecke

Auf jeden Fall sinnvoll sei das regelmäßige Absammeln der Tiere in den Abend- oder frühen Morgenstunden. Hilfreich seien dabei, so ein Tipp der Naturschützer, hohl liegende Bretter oder umgedrehte Blumentöpfe im Beet. Sie dienen den Schnecken als Verstecke, unter denen Hobbygärtner sie dann täglich leicht absammeln können.

Vorbeugen bereits im Spätherbst

Für Hobbygärtner mit großem Garten eigne sich auch das Halten von indischen Laufenten, Khaki-Campbell-Enten und Hühnern – sie gelten als ausgezeichnete Schneckenvertilger, machen allerdings auch selbst nicht unbedingt vorm Salatbeet halt. Ehe sich die schleimigen Schlemmer also überhaupt so richtig wohl fühlten, rät der NABU zur Vernichtung von Schneckeneiern bereits im Spätherbst nach den ersten Frösten beziehungsweise im zeitigen Frühjahr. Dazu sollten die Beete gründlich durchgeharkt werden. Grundsätzlich gelte zudem, gefährdete Beete nicht abends, sondern frühmorgens zu gießen, sodass die nachtaktiven Schnecken die Feuchtigkeit nicht mehr zur Nahrungssuche nutzen können. Statt flächendeckender Bewässerung empfehle es sich außerdem, jede Pflanze alle zwei bis drei Tage einzeln und kräftig zu gießen. So fänden Schnecken keine größeren feuchten Flächen vor, auf denen sie sich fortbewegen könnten.

„Bierfalle“ zieht Schnecken aus dem Nachbargarten an

Von der als Geheimtipp geltenden „Bierfalle“, bei der ein mit Gerstensaft gefüllter Becher im Beet ebenerdig eingegraben wird, raten die Naturschützer ab: Die Anlockwirkung des Bieres kann leicht zum Bumerang werden, denn so werden auch leicht Schnecken aus dem Nachbargarten angezogen.

Mit der Chemiekeule auf Schneckenjagd

Wer bei der Jagd auf die gefräßigen Feinschmecker statt auf natürliche Mittel lieber auf die Chemiekeule wie Schneckenkorn als Abwehrmittel setzt, sollte das Präparat bereits im März/April ausbringen. Achten sollte man darauf, dass nur Mittel mit dem Wirkstoff Eisen-III-Phosphat zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um ein natürliches Mineral, das für die Umwelt unschädlich ist und sogar eine Zulassung für den ökologischen Landbau besitzt. Das Präparat gilt als sehr regenfest und führt zu Zellveränderungen im Darm der Schnecken. Wenn die Tiere eine tödliche Menge davon aufgenommen haben, ziehen sie sich in den Boden zurück, verenden dort. Wichtig: frühzeitig und flächendeckend nachstreuen, denn Eisen-III-Phosphat wirkt erst in relativ hohen Dosen. Vor allem Haustierbesitzer und Biogärtner sollten vom Schneckenkorn-Mittel mit dem Wirkstoff Metaldehyd die Finger lassen: In größerer Menge aufgenommen, kann das Mittel für Haustiere tödlich sein.

Jäger verschmähen manche Vielfraße

Die gefräßigsten Schnecken sind die sogenannten Spanischen Wegschnecken (Arion lusitanicus). Die schleimigen Vielfraße sind äußerst beweglich: Ihr Aktionsradius beträgt stolze 15 Meter pro Tag. In Sachen Nahrungsaufnahme sind sie weniger wählerisch als die heimischen Nacktschnecken und außerdem widerstandsfähiger gegen Sonne und Trockenheit. Natürliche Schneckenjäger wie Igel und Erdkröte verschmähen die „Spanier“ – sie produzieren ihnen zu viel Schleim und schmecken bitter.

Von Julia-Marie Meisenburg/RND

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