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Garten Die Natur hat uns so viel zu erzählen
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11:24 30.05.2018
"Die Natur ist nie in Eile. Alles geschieht zur rechten Zeit", sagt Pflanzenexpertin Marjolein Holtkamp. Quelle: iStock
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Ein Buch über Wildkräuter – was hat denn den Anstoß dafür gegeben, Frau Holtkamp?
Es gibt viele interessante und umfangreiche Bücher über Kräuter. Aber ich wollte ein Nachschlagewerk im Taschenformat, das für jeden leicht verständlich ist. Ein Buch, das man leicht mitnehmen kann, wenn man mit Gruppen und Kindern radelt oder wandert. Ein Buch, das man auch vor dem Schlafengehen oder beim Picknick lesen kann. Ich konnte es nicht finden, also habe ich selbst daran gearbeitet. Es wurde eins mit 52 Kräutern.

Ein Leben ohne Kräuter und Pflanzen? Nicht vorstellbar für Marjolein Holtkamp. Quelle: privat

Wie ist Ihr Interesse für Kräuter überhaupt entstanden?
Als Kind verbrachte ich den ganzen Tag auf dem Hof. In den Feldern spielen, Blumen pflücken und Halsketten aus Gänseblümchen machen. Viele Kinder interessieren sich für die Natur, merke ich jetzt. Der Punkt ist, dass wir, wenn wir älter werden, leider einen großen Teil dieses Interesses verlieren. Zumindest ging es mir so. Ich begann, in der Werbebranche und später auch in der Zeitschriftenbranche zu arbeiten. Wollte das Beste für meinen Job, meine Familie, mein Zuhause tun. Volle Kraft voraus. Aber dann protestierte mein Körper. Mir wurde klar, etwas zu spät, dass ich nicht mehr mithalten konnte und ins Krankenhaus musste. Die Diagnose lautete Addison-Krankheit. Mir wurde klar, wie wertvoll ein Körper ist. Wie wichtig es ist, gut auf sich selbst aufzupassen. Aber die Frage war: Kann ich mich da rausholen? Ich musste zurück zur Basis. Zu den kleinen Dingen. So kamen auch die Kräuter in mein Leben.

Und was fasziniert Sie genau an diesen Kräutern?
Die Natur hat uns so viel zu erzählen. Sie ist nie in Eile. Alles geschieht zur rechten Zeit. Pflanzen oder Bäume wählen den besten Platz für sich selbst. Zum Beispiel wachsen Bäume, die viel Wasser brauchen, neben dem Wasser. Mit nur ein wenig Wissen von Pflanzen und Bäumen in die „Wildnis“ zu gehen ergibt auf unterschiedliche Weise Sinn. Es ist ein Gefühl wie Meditation oder Achtsamkeit – das Beobachten der Natur hält Sie davon ab, an die Arbeit oder Sorgen zu denken.

Nach welchen Kriterien haben Sie die beschriebenen Pflanzen ausgewählt?
Die Kräuter und Bäume in „Wildkräuter“ finden wir in unserem eigenen Garten, unterwegs, im Park, auf dem Campingplatz – und wahrscheinlich als Produkt im Naturladen. Das ist auch ein Grund, warum ich die wissenschaftlichen Namen genannt habe. Wenn Sie in einer Apotheke auf der Suche nach einem Naturprodukt sind, um einen blauen Fleck loszuwerden, dann können Sie in der Produktinformation auf der Verpackung „Bellis perennis“ oder „Symphytum officinalis“ lesen. Das sind zwei sehr häufig vorkommende Kräuter, die um uns herum wachsen, die wir nicht einmal kennen.

Marjolein Holtkamp: „Wildkräuter – entdecken, erkennen, verarbeiten“. LV.Buch. 128 Seiten, 14 Euro. Quelle: Verlag

Haben Sie Lieblingsrezepte?
Einmal während eines Spaziergangs suchte ich nach Zitronenmelisse, weil ich eine echte Kräuterbutter für Freunde machen wollte. Als ich einige Pflanzen gefunden hatte, beschloss ich, meinen Freunden ein Bild zu schicken, um ihnen zu zeigen, was es zum Abendessen gibt. Ich schätze, sie hatten nicht sehr viel Vertrauen in meinen Fund, weil sie zurückgescherzt haben: „Mjammie  ...“ Aber sie haben es wirklich geliebt. Die Limonade aus Zitronenmelisse ist auch im Sommer mein täglicher Favorit. Ich habe diese Rezepte aufgeschrieben, weil sie sehr einfach zu befolgen sind und man sie deshalb auch mit Kindern gut ausprobieren kann.

Sie beschreiben und gestalten jede Pflanze individuell und liebevoll, fast so, als wären sie lebende Personen ...
Oh, ist das so? Das war mir gar nicht bewusst. Aber es stimmt, dass ich wirklich angefangen habe, sie zu lieben und zu bewundern. Die Natur ist für mich Kreativität und gibt mir Energie und Freude. Oder sollte ich sagen, die Natur ist für mich Energie und gibt mir Kreativität und Freude? Schließlich hat sie mir auf meinem Weg zur Heilung sehr geholfen. Oje, vielleicht rede ich ja auch gerade so, als wären sie Menschen?

„Wildkräuter“ zeigt viele Aspekte jeder Pflanze. Was sind die wichtigsten für Sie?
Für mich machen alle verschiedenen kleinen Dinge zusammen jede Pflanze zu etwas Besonderem. Generell ist es schön zu wissen, dass jede Pflanze „Zeichen zum Lesen“ zeigt. Diese Zeichen sind eine nützliche Erinnerung, um zu wissen, wo eine Pflanze eine unterstützende Rolle spielen könnte. Vielleicht ist es nicht immer offensichtlich, aber wenn man zum Beispiel die geschälte Rinde der Birke betrachtet, sollte man sehen, dass sie an eine Ekzemhaut erinnert.

Gibt es denn Lieblingskräuter?
Als Erstes die Schafgarbe. Die Geschichte besagt, dass dieses Kraut für Menschen geeignet ist, die 1000 Dinge auf einmal tun wollen – also passt es zu mir –, und für tausend Dinge gut sein sollte. Dann die Ringelblume. Dieses magische Kraut ist vor allem unter seinem wissenschaftlichen Namen Calendula bekannt. Nicht zu vergessen: Der Löwenzahn! Sie können die gelben Blüten für eine gesunde, zart schmeckende Tasse Tee verwenden. Löwenzahn hat viele Mineralien und Vitamine und ist gut für verschiedene Dinge wie zum Beispiel die Verdauung.

Ist es in erster Linie ein Buch für erwachsene Leser?
Es ist für alle Altersgruppen geeignet. Man kann nicht früh genug anfangen: Legen Sie das Buch in den Kinderwagen, um sich selbst und Ihr Kind Stück für Stück zu unterrichten. Oder lesen Sie es mit Ihrem Kind vor dem Schlafengehen. Die zwei beigefügten To-do-Poster sind nützlich für Exkursionen oder Geburtstagsfeiern. „Wildkräuter“ ist auch für Jugendliche zu empfehlen. Machen Sie eine Expedition und lassen Sie sie einige Fragen beantworten oder lassen Sie sie ein paar Blätter mitbringen. Haben sie das Richtige gefunden? Machen Sie einen Wettbewerb, der mit einem Fotowettbewerb der schönsten Pflanze abgeschlossen wird. Dann fragen Sie: „Warum hast du diese Pflanze als deine Lieblingspflanze gewählt?“ Der Erfolg ist garantiert!

Und das lässt sich mit Kräutern selbst machen

Wildkräuterbutter aus Gundermann
Sie benötigen:
Butter, Knoblauch, Meersalz, Olivenöl, Gundermann (oder andere Kräuter)

So geht’s:
Ein halbes Päckchen Butter weich werden lassen und ein paar Blättchen und Blüten fein schneiden. Ein paar Blüten zur Dekoration zurückbehalten. Zwei Knoblauchzehen schneiden oder pressen. Ein bisschen Meersalz und Olivenöl hinzufügen. Dann alle Zutaten vermengen. Die Butter in ein schönes Schüsselchen geben und im Kühlschrank wieder fest werden lassen. Mit ein paar Blüten garniert servieren. Sie können natürlich noch andere essbare Wildkräuter für Kräuterbutter verwenden: Wiesenklee, Spitzwegerich, Gänseblümchen oder die bekannten „wilden“ Küchenkräuter Schnittlauch, Petersilie, Thymian oder auch Salbei.

Sommerseife
Sie benötigen:
Blüten und Blütenblätter von Lavendel, Ringelblume oder Gänseblümchen, ein Stückchen Naturseife oder Seifenflocken sowie Mineralwasser (oder Blütenwasser)

So geht’s:
Die Naturseife raspeln und mit Wasser und Kräutern mischen. Passen Sie das Mischungsverhältnis nach Gefühl an und kneten Sie, bis eine feste Masse entsteht. Den „Seifenteig“ mit Plätzchenformen ausstechen oder zu „Vollmondkugeln“ formen. Seife an einen Ort legen, an dem sie gut trocknen kann. Im Kühl- oder Gefrierschrank wird der Prozess beschleunigt.

Interview: Sonja Steiner/RND

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