Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Ausbildung Wie werde ich...? Schönheitschirurg
Mehr Studium & Beruf Ausbildung Wie werde ich...? Schönheitschirurg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:22 18.08.2014
Die meisten Patienten sind Frauen: Bernd Loos bei einer Nasenkorrektur. Quelle: Uwe Anspach
Anzeige
Karlsruhe

Modell Micaela Schäfer hat sich ihre Brüste vergrößern lassen - und steht dazu. Wenn sie in Fernsehshows wie "Dschungelcamp" ihre sehr aufrechten Brüste vor sich herträgt, denkt sich mancher Zuschauer: Die spinnen, die Busenwunder. Genau wie alle Schönheitschirurgen, die so etwas machen.

Bernd Loos, 43, kennt das. Er ist plastisch-ästhetischer Chirurg. Das Wort Schönheitschirurg kann er nicht leiden. Wird er so bezeichnet, schwingt häufig die Meinung mit: Das ist kein richtiger Arzt. Der operiert gesunde Menschen. "Das ist einer der Nachteile an unserem Beruf, dass in den Medien ein falsches Bild vermittelt wird." Schönheitschirurg ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Auch etwa ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt darf sich so nennen. Eine spezielle Ausbildung haben Fachärzte der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie. Sechs Jahre dauert die Facharztausbildung.

In der Plastischen Chirurgie gibt es vier Hauptrichtungen, die alle Teil dieser Ausbildung sind. In der rekonstruktiven Chirurgie geht es zum Beispiel darum, angeborene Fehlbildungen zu korrigieren. In der Handchirurgie beschäftigen sich die Ärzte mit Fehlbildungen der Hand. In der Verbrennungschirurgie sind die Behandlung von Brandwunden Thema. Schließlich gibt es die eigentliche ästhetische Chirurgie, die oft über das rein Funktionale hinausgeht. Das sind Eingriffe, die nicht immer zwingend medizinisch notwendig sind.

Zur Facharztausbildung gehört auch, zum Beispiel abgetrennte Körperteile wie einen Finger wieder anzunähen. Jeden Nerv, jeden Knochen, jeden Muskel müssen die Fachkräfte dann wiederherstellen. Das ist Kleinstarbeit. "Oft geht es um ganz feine Nerven und Blutgefäße", erklärt Prof. Jutta Liebau. Sie ist Präsidentin der

Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen. Angehende Chirurgen sollten gerne mit dem Messer arbeiten, sagt Helge Jens. Er ist im Vorstand der

Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie. Den großen Vorteil der Arbeit sieht er in der Vielfalt der Eingriffe: "Andere Fachärzte beschäftigen sich ein Leben lang mit ein und derselben Körperregion. Bei uns kommt fast alles vor, von der Haarverpflanzung bis zum amputierten Zeh."

Ausbildungsplätze für die Facharztausbildung gibt es nur begrenzt. Wer einen bekommt, hat aber gute Berufsaussichten, sagt Jens. Die Operationszahlen stiegen leicht an. Die Gehälter sind gut. Laut Tarifvertrag erhält ein Berufseinsteiger im öffentlichen Dienst mehr als 4200 Euro. Hinzu kommen Zulagen. Bernd Loos verweigert manchmal Eingriffe. Das ist der Fall, wenn Frauen Busenwunder werden wollen oder er eine Verhaltensstörung zu erkennen glaubt. Meistens aber kommen die Patienten erst zu ihm, wenn sie lange mit sich gehadert haben. Das Schönste am Beruf sei, schnell das Ergebnis zu sehen und viel positives Feedback zu bekommen. Er weiß, dass ästhetische Eingriffe noch immer ein Tabu sind. Aber er hofft auf mehr Verständnis in der Öffentlichkeit. Die durchschnittliche Patientin sei kein Busenwunder.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Berlin (dpa/tmn) – Applaus, Rampenlicht und große Bühne: Balletttänzer leben einen Traum. Doch bis zum Startänzer oder zur Primaballerina ist es ein langer Weg – und die Karriere währt nur kurz.

11.08.2014

Elektro-, Fahrzeug- oder Textilunternehmen: Industriekaufleute gibt es fast in jeder Branche. Jedes Jahr beginnen Tausende Jugendliche die Ausbildung. Die Ansprüche der Betriebe sind hoch: Die Mehrheit der Lehrlinge hat inzwischen Abitur.

04.08.2014

Das bisschen Haushalt macht sich von allein? Von wegen! Wer in Kitas oder Krankenhäusern den Betrieb am Laufen halten will, braucht sogar eine dreijährige Ausbildung.

28.07.2014
Anzeige