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Studium & Beruf Jobwechsel - Der Sprung ins kalte Wasser
Mehr Studium & Beruf Jobwechsel - Der Sprung ins kalte Wasser
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17:45 19.06.2012
Ein Jobwechsel muss gut überlegt sein. Quelle: Fotolia.com
Hannover

Die Nürnbergerin Jutta Metzger schaut auf eine Bilderbuchkarriere zurück: Von der Krankenschwester gelang ihr der Aufstieg in die Geschäftsleitung von Europas größter augenärztlicher Klinik. Als OP-Schwester stieg sie 1987 in der Fürther Augenarztgemeinschaft Ober-Scharrer ein. Ihr Chef, Armin Scharrer, erkannte früh, dass Metzger über Führungspotenzial und Organisationstalent verfügt, und förderte sie entsprechend: 1996 wurde sie seine Assistentin und ist inzwischen Mitglied der Geschäftsleitung. Damit hat sie Verantwortung für 400 Mitarbeiter an 13 Standorten.

Doch jetzt hat sie das Gefühl, dass sie sich innerhalb der Klinikstrukturen nicht mehr weiterentwickeln kann. Hinzu kommt, dass sie am Starnberger Roots&Wings-Institut eine fünfjährige Coachingausbildung absolviert, die sie im Sommer abschließt. „Es steht der nächste Karriereschritt an“, sagt sie voller Selbstvertrauen. Deshalb macht sie sich in München als Coach und Teamentwicklerin selbstständig. - „Find your sweet spot“, sagt Personalguru Jörg Knoblauch dazu. Der Buchautor aus dem württembergischen Giengen empfiehlt, seiner Begeisterung zu folgen. Nur wer für seine Tätigkeit brennt, findet tiefe Befriedigung im Beruf. Für die Selbstständigkeit sei Begeisterung sogar „unerlässlich“.

Wenn die Möglichkeit besteht, sich aus dem Angestelltendasein in die Selbstständigkeit rüberzuhangeln, ist es oft empfehlenswert, diesen langsameren Übergang zu wählen. „Doch irgendwann muss man springen“, sagt Knoblauch, „dann gilt ganz oder gar nicht.“ Ideal ist, wenn in derartigen Situationen Geschäftskontakte mitgenommen werden können. So kennt Jutta Metzger die Szene genau. „Es gibt schon eine Kooperationsanfrage mit einem Beratungsunternehmen, das sich auf Unternehmensentwicklung und Marketing spezialisiert hat“, erzählt sie. Da passe sie mit ihren Themen Personal- und Teamentwicklung sowie Führungskräftetraining gut rein. Zudem gebe es bereits erste Kundenanfragen.

Manchmal sind es auch familiäre Gründe, weshalb die Karriere nicht völlig geradlinig verläuft. Knapp fünf Jahre arbeitete Marcel Dompert nach dem Studium als Assistent für Jörg Knoblauch, schrieb an seinen Büchern mit, entwickelte Seminare zum Thema Personal und beriet Unternehmen. Doch mit der Geburt seines Sohnes orientierte sich der Betriebswirtschaftler von der Ostalb zurück nach Esslingen. Das familiäre Netzwerk von vier Großeltern kann den Kleinen versorgen, während die Eltern wieder arbeiten gehen. So der Plan. Inzwischen hat Domperts Frau eine Halbtagsstelle als Kinderärztin gefunden, und er selbst arbeitet auf freiberuflicher Basis für den Tempus-Inhaber Knoblauch.

„Solche Umbrüche benötigen Zeit“, weiß Helmut Meyer, „und vor allem viel Energie.“ Der Hannoveraner kennt aus Karriereberatungen zunehmend das Problem, die beiden Berufe eines Paares und das Familienleben unter einen Hut zu bekommen. Da müssen klare Entscheidungen mit hohem Bewusstsein getroffen werden, die eventuell schmerzvolle Konsequenzen haben. „Ich hätte mir die Jobsuche nicht so schwierig vorgestellt“, gesteht auch Dompert. Allerdings sieht er auch die positiven Seiten, denn seine Bewerbungserfahrungen fließen wiederum in die Tempus-Seminare ein.

„Gute, tragfähige Kontakte sind wichtig“, bestätigt Meyer. Damit meint er nicht nur das berufliche Vitamin B, sondern zuerst Freunde und Eltern. Wer sich neu orientiert, muss sich über seine Ziele, Talente, Motive und Werte klar werden. Das funktioniert nur im Gespräch mit Vertrauten. Sonst ist die Chance groß, dass der Betroffene auf einer anderen Stelle in genau derselben Sackgasse landet. „Berufs- und Karriereentscheidungen werden in der Regel sehr unbewusst getroffen“, findet der 54-jährige Personalberater. Letztlich sei entscheidend, dass jeder zu seinem beruflichen Umbruch steht, sagt Meyer. Diese Überzeugung erfasst auch das Umfeld und überzeugt künftige Arbeitgeber.

Sind berufliche Fehlentwicklungen erkannt, sollte niemand allzu lange mit der Korrektur warten. Irgendwann fehle der Schwung und Elan. Stattdessen drohen depressive Verhaltensweisen oder Burn-out. Dem stimmt auch Personalberater Knoblauch zu. Es gelte: „Love it, change it or leave it.“ Entweder die berufliche Situation mit allen Konsequenzen akzeptieren, das berufliche Umfeld gestalten oder kündigen. Je früher die Entscheidung falle, desto leichter sei sie.

Jens Gieseler

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