„Leistung muss sich wieder lohnen“, war eine dieser Floskeln mit Ewigkeitswert, vorgetragen im Brustton eines wahren rhetorischen Recken. Motto: „Das muss man doch noch sagen dürfen.“ Westerwelle nahm Druck aus dem Kessel, den er zuvor Tag für Tag im Stil eines polemischen Anheizers erhöht hatte. Man kann darüber spekulieren, ob ihm langsam selbst mulmig geworden ist angesichts des Ärgers, den er mit seinen Äußerungen ins Lager der eigenen Koalition getragen hat. Oder vielleicht dämmert ihm langsam, dass seine maßlosen Gespreiztheiten ihm am meisten schaden könnten, weil der erste Diplomat des Landes plötzlich wieder als pubertärer politischer Pfau wahrgenommen wurde, ein Image, das er eigentlich schon hinter sich gelassen hatte. Es wäre eine Erleichterung, wenn mindestens eine dieser beiden Möglichkeiten zuträfe, aber leider sind Ausbrüche dieser Art bei egomanischen Politikerpersönlichkeiten wiederkehrende Anfallsleiden.
Die Kanzlerin hat ihre Art, mit solchen Misshelligkeiten umzugehen. Sie wiederholte sich und schuf nochmals Abstand zu ihrem „Wunschpartner“. Das lässt Raum für die notwendige sachliche Debatte über das Thema Hartz IV und das Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes. Ein Fingerzeig auf den Ernst der Lage kam gestern vom Deutschen Institut der Wirtschaft: Niemals gab es so viele junge Menschen oder kinderreiche Familien in Deutschland, die arm oder fast arm waren. An dieser Tatsache kann sich eine verantwortungsbewusste Sozial- und Wirtschaftspolitik nicht mit peinlichem Wortgeklingel vorbeistehlen. Am Tag nach Aschermittwoch darf man das selbst von Guido Westerwelle erwarten.
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Kommentare
Westerwelle jk – 21.02.10
Der Westerwelle hätte besser Finanzminister werden sollen, da wäre er wesentlich ruhiger.Warum ?
Na, dann hätte er einen Arsch voller Schulden :)