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Matthias Koch zur Merkel in der Türkei

Auf der Brücke


In der Diplomatie geht es nicht allein um Inhalte, es geht auch um den Ton. In diesem Punkt hat Angela Merkel in Ankara schon viel erreicht. Allzu lange dachten viele Türken, die christdemokratische Kanzlerin in Berlin sei ihre ärgste Feindin in Europa.

Allzu lange auch wurde Merkel im Inland verdächtigt, mit antitürkischen Ressentiments Wahlkampf machen zu wollen. Für diese düsteren Deutungen ist jetzt kein Platz mehr.

Merkel hat mit ihrem Ja zu mehr türkischen Schulen in Deutschland ein Zeichen für ein weltoffenes Land gesetzt. Zugleich hat sie deutlich gemacht, dass Berlin der Fortsetzung der ergebnisoffenen Beitrittsverhandlungen nicht im Wege stehen wird. Eher wird auf diesem Weg, wenn man es realistisch sieht, die Türkei über ihre eigenen Füße stolpern, etwa in der Zypernfrage.

Merkels Modell einer „privilegierten Partnerschaft“ wird in Ankara immer noch missverstanden: von vielen als Ausflucht, von manchen gar als Demütigung. Doch wenn die Verhandlungen in den kommenden Jahren ins Stocken geraten, könnte das Modell in neuem Licht betrachtet werden. Was spricht dagegen, ungeachtet diverser fortbestehender Schwierigkeiten die Türkei rasch durch eine Vielzahl gemeinschaftlicher Regelungen fest an die EU zu binden?

Wichtig ist, dass die Türkei als immer stärker werdende Regionalmacht nicht ziellos und bindungslos durch die Weltpolitik taumelt. Die Nähe Erdogans zur Führung des Irans zum Beispiel hat oft genug dem Westen Anlass zum Stirnrunzeln gegeben. Doch in diesen Verbindungen liegt auch eine Chance für die weltweite Diplomatie. Die Brückenfunktion der Türkei ist oft genug abstrakt beschrieben worden. Jetzt wird es Zeit, die Brücke praktisch zu nutzen.

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