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Matthias Koch über Guido Westerwelle

Das Drama

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Was ist schon Schlimmes geschehen bei den Auslandsreisen des neuen deutschen Außenministers? Sein Lebenspartner, ein Sporteventmanager, hat ein paar neue Kontakte knüpfen können. Zudem konnte auch der Repräsentant einer Exportfirma, an der Westerwelles Bruder beteiligt ist, hier oder da neue Leute kennenlernen. Das war’s schon.

Von handfester Korruption, von Straftaten gar, kann nicht die Rede sein. Klar ist allerdings auch, dass Westerwelle sich selbst auf diese Weise in eine Grauzone manövriert hat. Und dass er den jetzt eingeschlagenen Weg nicht fortsetzen darf. Denn schon bei der Erweckung eines bösen Scheins droht Schaden für die Bundesrepublik Deutschland.

Die FDP sollte aufhören, Kritik am Außenminister als schwulenfeindlichen Reflex abzutun. Ein heterosexueller Minister, der im Ausland Geschäfte seines Bruders oder seiner Lebensgefährtin zu fördern scheint, hätte dasselbe Problem.

Im Übrigen wäre es ein Irrtum von Westerwelle, die Missgunst allein bei SPD, Grünen und Linken zu orten. Westerwelles eigentliches Drama liegt in seinem nachlassenden Rückhalt innerhalb der eigenen Koalition. In der Union wird unter der Hand bereits an Jürgen W. Möllemann erinnert. Der hatte sich erlaubt, als Wirtschaftsminister auf einem Briefbogen seines Hauses Chips für Einkaufswagen zu empfehlen, die von der Firma seines Vetters vertrieben wurden. Mit von Tag zu Tag wachsendem Entsetzen musste Möllemann lernen, dass ihn niemand mehr im Amt halten wollte, auch die eigenen Leute nicht. Im Januar 1993 trat er von allen staatlichen Ämtern zurück. Der damalige Kanzler Helmut Kohl sah ungerührt zu. Allzu oft war ihm der liberale Vizekanzler mit seinen schrillen Tönen auf die Nerven gegangen. Mit dem ruhigen und seriösen neuen Vizekanzler Klaus Kinkel regierte es sich damals viel besser.

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