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Albrecht Scheuermann zu Obamas Bankenplan

Das Ziel stimmt


Die Reaktion der Börsen war eindeutig. Besonders die Kurse von Bankaktien gingen in die Knie, als US-Präsident Barack Obama vor einigen Tagen den großen Knüppel aus dem Sack holte.

Nie wieder sollten große Geldhäuser die Regierungen dermaßen unter Druck setzen können wie in der nun abklingenden Krise geschehen – so die Ansage des US-Präsidenten, als er seine Pläne der Öffentlichkeit vorstellte. Freilich gibt es das schöne Sprichwort, dass nichts so heiß gegessen wird wie gekocht. Und die Obama-Attacke gegen die Finanzwirtschaft hängt sicher auch damit zusammen, dass der Präsident innenpolitisch ziemlich unter Druck steht und deshalb nun mit seinem Vorgehen gegen eine Branche punkten will, die nicht nur in den USA stark in Misskredit geraten ist.

Nicht ohne Grund. Schließlich ist die schlimmste Krise seit der Großen Depression des vergangenen Jahrhunderts maßgeblich den Geschäftspraktiken von Banken zuzuschreiben. Sie setzten auf der Jagd nach Renditen und Boni ein gewaltiges spekulatives Karussell in Gang, das dann schließlich außer Kontrolle geriet. Man muss gerecht sein: Keineswegs waren alle Banken daran beteiligt, und es waren auch nicht nur die Banken, die das Desaster verursacht haben – aber bei ihnen liegt der Kern des Problems.

Verbot des Eigenhandels

Obamas Vorschläge, die maßgeblich vom früheren US-Notenbankpräsidenten Paul Volcker entwickelt wurden, zielen darauf ab, das Bankensystem weniger krisenanfällig zu machen. Vor allem soll erreicht werden, dass es künftig keine „systemrelevanten“ Banken mehr gibt, die der Staat unter allen Umständen retten muss, um das Finanzsystem vor dem Kollaps zu bewahren.

Zentraler Bestandteil des Reformplans ist das Verbot des Eigenhandels für Geschäftsbanken. Banken, die Einlagen entgegennehmen und Kredite vergeben, sollen nicht mehr auf eigene Rechnung an den Finanzmärkten spekulieren dürfen. Dies Geschäft an den Märkten wäre dann nur noch speziellen Investmentbanken gestattet, die wiederum selbst keine Kundeneinlagen entgegennehmen oder Kredite vergeben dürfen. Ein solches Trennbankensystem ist in den USA nichts Neues. Es wurde nach der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren eingeführt, Ende des vergangenen Jahrhunderts jedoch wieder aufgegeben.

In Deutschland wird dagegen seit jeher das Universalbank-Prinzip hochgehalten. Die Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken wäre hier also etwas ganz Neues, sollten die Obama-Ideen international durchgesetzt werden. Allerdings spricht auch ein gewichtiges Argument für die Universalbank: Da sie ein größeres Geschäftsspektrum abdeckt, ist die Abhängigkeit von einer bestimmten Ertragsquelle und damit das Risiko geringer.

Problematisch an dem Obama-Plan ist zudem, dass die Trennung in der Praxis nicht so leicht zu kontrollieren ist. Schließlich müsste man dann auch verhindern, dass eine Geschäftsbank einer Investmentbank Kredit gibt – die diesen dann wiederum für eigene Finanzgeschäfte verwendet.

Neue Kreditblase verhindern

Nun geht es darum, Vor- und Nachteile sowie die möglichen Nebenwirkungen abzuwägen. Dabei sollte man die Gründe für die Entstehung der jüngsten Krise nicht aus dem Auge verlieren. Entstanden ist sie durch eine gewaltige Blase auf dem US-Immobilienmarkt. Diese konnte nur deshalb entstehen, weil die Banken Kredite mit äußerst lockerer Hand verteilten. Dies wiederum ging nur deshalb so leicht, weil sie die Kreditforderungen auf dem Weg der sogenannten Verbriefung schnell wieder loswerden konnten – zu einem beträchtlichen Teil auch an deutsche Banken von der Industriekreditbank über die SachsenLB bis zur Dresdner Bank, die dadurch schließlich ins Trudeln gerieten.

Die mit lautem Krach geplatzte Blase war eine Kreditblase. Die Großbanken konnten mit relativ geringem Eigenkapital ungeheure Kreditvolumina bewegen – was die Experten als Leverage- oder Hebeleffekt bezeichnen. Wer also verhindern will, dass es wieder zu einer solchen Katastrophe kommt, muss dafür sorgen, dass künftig Eigenkapital und Verschuldung der Banken im Lot bleiben. Auf welchem Weg dies erreicht wird, darüber müssen sich die Regierungen einigen. Nationale Alleingänge bringen vielleicht innenpolitisch Punkte, führen aber auf den weltumspannenden Kapitalmärkten nicht zum Ziel. Der US-Präsident hat darin aber völlig recht: Es darf nicht wieder passieren, dass Banken Regierungen erpressen können – und sich vom Steuerzahler retten lassen, nachdem sich die Manager die Taschen vollgestopft haben.

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