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Margit Kautenburger zur Trinkwasserknappheit

Der Durst wächst


Die Wiesen sind gelb vertrocknet, die Leine führt in diesen heißen Sommertagen deutlich weniger Wasser als üblich. Dennoch schießt ein erfrischend kühler Schwall klaren und sauberen Wassers aus unseren Wasserhähnen, wann immer wir sie aufdrehen.

In Deutschland ist dies eine Selbstverständlichkeit, über unser wichtigstes Lebensmittel machen wir uns kaum Gedanken. Denn Wasser ist bei uns im Überfluss vorhanden. Auch während wochenlanger Hitzeperioden wird es nicht knapp. In vielen Regionen der Erde sieht das anders aus. In Südeuropa, Asien und Afrika wird das lebenswichtige Nass immer knapper.

Fast eine Milliarde Menschen haben kein sauberes Trinkwasser. Darunter leiden vor allem Kinder. In den Entwicklungsländern sterben täglich 4500 Kinder durch schmutziges Wasser und mangelnde Hygiene. Wasser, das ist angesichts dieser Zahlen offensichtlich, muss gerechter verteilt werden – ein Problem, über das Wissenschaftler und Entscheidungsträger auf der jetzt zu Ende gegangenen Weltwasserwoche in Stockholm beraten haben. Was die Fachleute beunruhigt, ist der wachsende Durst: Die zunehmende Weltbevölkerung braucht immer mehr Wasser für ihre Ernährung. Die Landwirtschaft gehört zu den größten Wassernutzern und –verschmutzern. 40 Prozent aller Nahrungspflanzen wachsen heute auf bewässerten Feldern.

560 Liter für vier Becher Kaffee

Zwar gehen die Deutschen seit Jahren sparsamer mit Wasser um – im Schnitt rund 125 Liter nutzt jeder täglich. Doch unser tatsächlicher Verbrauch ist um ein Vielfaches größer. Mit allem, was wir kaufen und verbrauchen, steigern wir den Wasserumsatz. Trinkt Familie Meyer morgens vier Becher Kaffee, verbraucht sie dafür einen Liter Wasser aus der Leitung. Aber 560 Liter sind nötig für Anbau und Transport der dafür benötigten Menge Kaffee. Für eine einzige Tomate aus Spanien werden 14 Liter Wasser verbraucht, 16 000 Liter Wasser sind notwendig, damit ein Kunde ein Kilogramm Fleisch erwerben kann.

Ist der Kauf von Tomaten aus Spanien deshalb schlecht? Nein, aber der erschreckend hohe Wasserverbrauch für dieses und andere Produkte zeigt, dass wir behutsamer mit der wertvollen Ressource Wasser umgehen müssen.

Zwar besteht die Oberfläche der Erde zu 70 Prozent aus Wasser, doch nur drei Prozent davon sind Süßwasser. Geht dessen Verschwendung ungebremst weiter, hat dies dramatische Folgen für die Wirtschaft. Vor allem die bevölkerungsreichen Länder Asiens müssten große Mengen an Weizen, Reis und Mais importieren. Nicht nur Flüsse und Seen werden in großem Stil angezapft, auch Grundwasserspeicher werden leer gepumpt. Ganze Regionen im Nordwesten Indiens, im Westen der USA, in Afrika und Nordchina drohen für lange Zeit auszutrocknen. Der Mangel ist nicht naturgegeben.

Noch sind die strapazierten Reservoirs zu retten, und schwere Konflikte, ja Kriege um das kostbare Gut Wasser zu vermeiden. Auf den Feldern gibt es die größten Sparpotenziale. Mit einer modernen Bewässerung könnte Wasser viel effektiver genutzt werden. Israel hat auf diesem Feld Pionierarbeit geleistet. Dort wird nicht mehr in praller Sonne aus vollen Rohren bewässert, sondern das Wasser wird den Ackerpflanzen nachts tröpfchenweise zugeführt. Deutsche Ingenieure könnten weniger entwickelten Ländern Hilfestellung leisten: beim Einsatz innovativer Agrartechnik, beim Bau und der Sanierung von Leitungen, beim Aufbau einer sanitären Grundversorgung.

Wasser – ein Allgemeingut

Auch die Verbraucher können etwas bewegen: Warum nicht die Macht der Handelsriesen nutzen, um Agrarbetriebe zur Umstellung auf effiziente Bewässerung zu zwingen? Am effektivsten wäre es allerdings, wenn die Kosten der Verschwendung sich in den Produktpreisen widerspiegeln würden. Dann wären Fleisch und Gemüse aus Trockengebieten schnell aus den Regalen verschwunden. Wenn Wasser für alle zugänglich und bezahlbar bleiben soll, muss das wichtigste aller Lebensmittel vor allem eines bleiben: Allgemeingut. Die Klagen der Bürger, deren Wasserversorgung privatisiert worden ist, gleichen sich überall auf der Welt: Ob in England oder Bolivien, in Holland oder auf den Philippinen: Leitungssysteme verrotten, Gebühren steigen, wenn es Konzernen nur um eine möglichst hohe Rendite geht.

In Deutschland garantieren zahlreiche kommunale Wasserwerke, dass Wasser das am besten überwachte Lebensmittel zum erschwinglichen Preis bleibt. Wir sollten diese Versorgung nicht aufs Spiel setzen.

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  • Wasser, Klima, Mensch, Natur & Blödheit +++ Astrologe Wolfgang Heisig Hannover – 23.08.09
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