Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg reagierte sofort und klug – und lud die Bischöfin zum Gespräch. Und siehe da: Die Gegensätze in der ethisch-moralischen Diskussion sind gar nicht so groß wie man denkt, auch die Politik denkt bereits (wenn auch leise) über eine irgendwie geartete Rückzugsperspektive aus Afghanistan nach. Und die Kirche spricht der Politik nicht die Moralität ihres Handelns ab.
So klug wie Guttenberg, der jetzt mit Käßmann sogar nach Afghanistan fliegen will, sind indes nicht alle. Vom Wehrbeauftragten Reinhold Robbe ahnt man, dass er nicht den tiefen Teller erfunden hat, wenn er Käßmann „populistische Fundamentalkritik“ vorwirft. Die Tatsache, dass Käßmann ausspricht, was die Mehrheit der Deutschen denkt, macht sie in Robbes Augen bereits zur Fundamentalistin.
Und Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann, der sich etwa bei der Flüchtlingspolitik bislang keineswegs als protestantischer Grübler und Verantwortungsethiker präsentiert hat, greift zu fremden Federn und führt bei seiner Kritik der „Gesinnungsethikerin“ Käßmann den Nationalliberalen Max Weber an, der Politik als das Bohren dicker Bretter bezeichnet hat. Das muss jetzt in der Afghanistan-Frage geschehen. Käßmann hat das Brett nur angebohrt – aber an der richtigen Stelle.
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