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Reinhard Urschel
Reinhard Urschel über die niedersächsischen Politiker in Berlin

Die Dynastie


Wäre der Abgeordnete Eckart von Klaeden eine Aktie, hätte man ihm in den vergangenen Wochen das Etikett „schwächer notiert“ anhängen müssen. An der politischen Börse war er weniger nachgefragt, obwohl sein Wert nicht angezweifelt wurde. Gestern ging die Aktie Klaeden ziemlich steil nach oben. Börsianer würden sagen: Es gab positive Nachrichten. Der kann man das noch sagen? – junge Mann aus Hildesheim wird Parlamentarischer Staatssekretär im Kanzleramt, was ihm an dieser noblen Stelle den noblen Titel Staatsminister einträgt.

Wäre Philipp Rösler eine Aktie, müssten die Kommentare noch euphorischer ausfallen. An der Nachrichtenbörse der Hauptstadt ist der Jungstar des Kabinetts Merkel zu Beginn der vergangenen Woche noch nicht einmal gehandelt worden. Jetzt ist er dort ein Spitzenwert.

Die Börse kennt zwar angeblich keine Gesetzmäßigkeiten, aber aus einer besonderen landsmannschaftlichen Warte lässt sich für die politischen Notierungen nun doch eine erkennen. Es scheint im Bund unmöglich zu sein, nicht von Niedersachsen regiert zu werden. Seit Helmut Kohl mit seiner pfälzischen Wahlverwandtschaft den Kabinettstisch räumen musste, haben sich Leute aus der Tiefebene dort niedergelassen – und festgesetzt.

Die Schröder-Steinmeier-Trittin-Funke-Struck-Bulmahn-Truppe mit mehreren „Parlamentarischen“ im Schlepptau ist schon erstaunlich groß und mächtig gewesen für das weite Land zwischen Watt und Brocken. Unter der neuen Herrschaft ist man an Steinmeier-von der Leyen-Gabriel auch nicht vorbeigekommen, und nun drängeln die Jungen an den Kabinettstisch. Rösler als richtiger Minister, Klaeden als Minister mit Titel ehrenhalber. Die Niedersachsen-Dynastie scheint gesichert.

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