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Klaus von der Brelie zu Afghanistan

Die Lage verkannt


Er hat ja recht, im Prinzip jedenfalls: Mit Soldaten allein kann der Wiederaufbau in Afghanistan nicht gelingen. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat dies am Wochenende offen angesprochen und zwei Positionen besetzt: Er fordert, mehr zivile Entwicklungshelfer an den Hindukusch zu entsenden.

Außerdem erteilt er einer Ausweitung des Bundeswehr-Kampfeinsatzes in Afghanistan eine klare Absage. Damit streichelt Gabriel die Seele seiner geschundenen Partei und sagt, was viele seiner Parteifreunde von ihm erwarten.

Doch der Lage in Nordafghanistan wird der SPD-Chef damit nicht gerecht. Dort sind die Taliban inzwischen so mächtig geworden, dass ausländische Entwicklungshelfer um ihr Leben bangen müssen, wenn sie beispielsweise die von ihnen gebauten Schulen besuchen wollen. Unterricht für Mädchen ist seit Wochen schon unmöglich, weil die Taliban den Lehrern nach dem Leben trachten und auch den Eltern der Mädchen massiv zusetzen. Angesichts dieses Debakels sollte Gabriel noch einmal in sich gehen und einräumen, dass Entwicklungshilfe nur in einem sicheren Umfeld geleistet werden kann. Und genau das sollen Tausende Soldaten aus aller Welt in Afghanistan gewährleisten.

Deutsche Hilfsorganisationen haben in den vergangenen acht Jahren hervorragende Arbeit in Afghanistan geleistet – bis ihre Experten von den radikalen Islamisten aus dem Lande gejagt wurden. Diese Grausamkeiten müssen auf der Afghanistan-Konferenz Ende Januar beim Namen genannt werden, genau wie die Exzesse bei dem am Hindukusch tobenden Krieg. Erst danach sollte über ein neues, international abgestimmtes Afghanistan-Hilfskonzept entschieden werden. Aber viel Zeit bleibt dafür nicht. Für das Frühjahr haben die Taliban eine neue Offensive angekündigt. Auch das dürfte dem SPD-Vorsitzenden nicht verborgen geblieben sein.

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  • Erfahrungsresistent Stier – 21.12.09
    Dem Sicherheitsexperten der HAZ ist offenbar nicht verborgen geblieben, dass sich die Sicherheitslage in Afghanistan im Laufe der Zeit nicht verbessert, sondern verschlechtert hat. Die Präsenz ausländischer Soldaten hat also das Gegenteil dessen bewirkt, was angeblich als hehres Ziel gedacht war. Wer nun glaubt, man müsse nur die Zahl derer erhöhen, die bislang kontraproduktiv waren, um Mädchen den Schulgang zu ermöglichen, gehört zur Kategorie „erfahrungsresistent“. Mit Waffengewalt lässt sich Extremismus nicht besiegen.

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