Obama hat damit ein Dilemma beschrieben, das im Ausland oft zu wenig wahrgenommen wird.
Der Irak-Krieg hat enorme menschliche Opfer gefordert. Aber er hat auch die Haltung der Amerikaner zu den Kosten und dem Nutzen militärischer Aktionen grundlegend verändert. Obama kann den Kriegen, die er von seinem Vorgänger geerbt hat, gar nicht mehr richtig seine Aufmerksamkeit zuwenden. Die Zwischenwahlen zum Kongress in diesem November und seine Wiederwahlkampagne im Jahr 2012 wird er wohl mit innenpolitischen Themen bestreiten. Das hat Folgen für die Außenpolitik. Die Uhr tickt – sowohl für den Irak als auch für Afghanistan. Wenn im Jahr 2011 die letzten amerikanischen Soldaten den Irak verlassen sollen und in Afghanistan ein allmählicher Truppenabbau beginnen soll, dann bestimmt dieser Kalender die amerikanische Binnensicht mindestens so sehr wie die Lage vor Ort.
Sicherlich: In Afghanistan ließ sich der US-Präsident ein Hintertürchen offen. Aber dass die Amerikaner bei einer weiteren Verschlechterung der Lage ihren Einsatz am Hindukusch noch einmal erhöhen, ist zweifelhaft. Wenn aber schon die Amerikaner in Richtung Ausgang schielen, dann wird die Ungeduld in Ländern wie Deutschland weiter wachsen. Strategisch bringt das vor allem in Afghanistan die Koalition in eine schwierige Lage. Die Taliban, aber auch diejenigen, die auf eine erneute Destabilisierung des Iraks setzen, haben Zeit. Die Amerikaner haben sie nicht.
Andreas Geldner
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